Sie sollen einfach nur spielen

(ste) – Diesen Tag wird Jos Luhukay wohl so schnell nicht vergessen. Er strahlte richtig, als er nach etwa 75 Minuten Training den Schenckendorff-Platz verlassen und die reichlich anwesenden Fans passiert hatte. Der Grund: Jemand hatte ihm ein Tütchen mit einem Präsent übergeben, dem Anschein nach einen Blumentopf (es gibt also doch noch was zu gewinnen für Hertha).

Es gibt noch nette Menschen hier, sagt der Trainer.

Man muss sagen, dass er selbst heute auch ziemlich nett war. Die Trainingsspiele ließ er völlig unkommentiert. Sonst gehört es ja zu seiner Art, beim kleinsten Fehler zu unterbrechen und viele Anweisungen zu geben. Diesmal lief der Ball ohne Unterlass.

Luhukay: Die Jungs brauchen die Intensität, da muss man das Spiel nicht ständig unterbrechen.

Gemeint waren vor allem Spieler wie Sahar, die bislang noch gar keine Einsätze hatten. Nach dem Grad des Wochenendstresses waren auch die Mannschaften eingeteilt. Den ersten 30 gemeinsamen Minuten mit technischen Übungen folgte eine Einteilung in drei Teams. Während zwei kurz das Passspiel versuchten, ging eine kurz Laufen und hatte dann Feierabend. Das waren: Ramos, Lustenberger, Wagner, Bastians, Ronny, Kachunga, Niemeyer und Franz. Also Spieler, die in Worms im Einsatz waren.

Während einige in die Kabine gingen, schauten andere noch dem Spielchen zu. Franz leistete derweil moralische Unterstützung bei Ben-Hatira. Der hatte eine 20-minütige Sondersicht am Kopfballpendel verordnet bekommen und hüpfte fleißig durch die Gegend, während die Kollegen spielten.

Da waren in Team Gelb: Beichler, Holland, Hubnik, Schulz, Kluge, Ruka und Allagui plus die Torhüter Kraft und Gersbeck. In Team Blau: Diring, Brooks, Morales, Kobi, Knoll, Sahar, Mukhtar plus die Torhüter Burchert und Sprint. Wenn ich richtig gezählt habe, ging es 2:2 aus, nachdem Beichler und Allagui sowie Sahar und Diring getroffen hatten.

Einfach so spielen dürfen die Jungs vorerst aber nicht mehr.

Luhukay: Morgen gibt es wieder eine taktische Einheit für die gesamte Mannschaft.

Nur wird das niemand sehen können, der Training ist dann ja nicht öffentlich.

Ansonsten rechnet der Coach mit Ndjeng, der im Training wegen eines Blutergusses im Oberschenkel fehlte, ebenso wie mit dem zuletzt pausierenden Kluge:

Bei Peer sieht es sehr gut aus. Marcel wird jeden Tag zweimal behandelt, ich gehe davon aus, dass er am Freitag spielen kann.

Es sah also alles sehr friedlich aus bei Hertha, fast schon idyllisch, trotz des schlechten Starts. Luhukay hatte ja gesagt, dass man nun Ruhe brauche. Offenbar lässt er keine Hektik aufkommen – zumnindest nicht bei diesem Training.