Sandro Wagner: "Wir müssen uns auf dem Platz nicht küssen"

(ub) – Drei Pflichtspiele, kein Sieg. Ein Remis, zwei Niederlagen, darunter ein 1:2 im DFB-Pokal gegen Viertligist Wormatia Worms. Wie trittst du als Verein am Tag danach auf? Hertha BSC hat sich als erstes für eine neue Begrüßung entschlossen. Nach anderthalb Jahren wurde das alte Willkommens-Plakat mit den Herren Mijatovic, Lell und Ottl enfernt . . . (Fotos: ub)

Stattdessen begrüßt Hertha BSC die Besucher des Schenkendorff-Platzes seit heute mit dieser Fototafel:

Ihr wisst schon: Fahne pur. Fußball pur.

Wer von Euch hat gestern geschrieben ‚Frust pur‘ ?

Statt des obligatorischen Auslaufens hatten die Konditionstrainer mit Blick auf die brütenden Temperaturen Radfahren angesetzt. Nur die Reservisten und jene, die nicht im Kader waren, haben auf dem Platz gearbeitet. In jener Gruppe war übrigens auch Peer Kluge dabei. Wenn alles normal läuft, sollte er Freitag gegen Regensburg einsatzfähig sein.

Vor die Medienvertreter hat Hertha Trainer Jos Luhukay geschickt. Foto hier . . .

seine Laune war nicht besser als gestern in Worms. Außerdem stellten sich Kapitän Peter Niemeyer und Maik Franz. Und Blog-Liebling Sandro Wagner.

Zum Kennenlernen für uns alle, seine Ausführungen:

„Wir wissen, dass wir uns blamiert haben“

Frage: Sandro, konntest Du Dich über dein erstes Hertha-Tor freuen?

Sandro Wagner: Natürlich nicht. Es ist ärgerlich, dass wir da ausgeschieden sind. Wir hatten uns vorgenommen, Selbstvertrauen zu tanken. Aber das ist schiefgegangen, wie die ersten beiden Spiele auch. Ich weiß auch nicht, woran es liegt. Wir werden gut eingestellt vom Trainer. Wir trainieren auch gut. Ich weiß nicht, woran es lag. Die Hitze hatten beide Mannschaften. Der Platz war für beide Mannschaften eine Katastrophe, er war stumpf.

Was macht Dich optimistisch für Freitag?

Klar müssen wir optimistisch sein, wir müssen gewinnen. Da gibt es kein Wenn oder Aber. Aber das gab es gestern auch nicht. Ich denke, dass auch der Letzte jetzt verstanden hat, worum es hier geht. Wir müssen uns 90 Minuten den Arsch aufreißen. Wir müssen als Kollektiv, als Team besser funktionieren. Wenn einer mal den Ball verliert, müssen die anderen ihn wiederholen. Wir müssen als Team besser werden. Es ist ja eigenartig, dass wir schon wieder einen Elfmeter gegen uns bekommen haben, in der gleichen Situation wie in Frankfurt. Das ist ärgerlich. Aber nach solchen Rückschlägen müssen wir trotzdem aufstehen und nicht den Kopf in den Sand stecken. Wir haben zwar lange gebraucht, bis wir unser Tor gemacht. Aber dann müssen wir nachlegen, die waren mausetot. Chancen waren da. Das müssen wir Stürmer uns ankreiden, dass wir da nicht nachgelegt haben.

Der Trainer fordert, dass ihr als Team besser funktionieren müsst. In Worms habt ihr euch untereinander auf dem Platz ganz schön angemistet.

Wir müssen uns nicht küssen und umarmen auf dem Platz. Aber wenn jemandem etwas nicht passt, müssen wir uns das sagen. Beim ersten Gegentor zum Beispiel, da müssen Änis oder ich den Freistoß von Worms schnell zustellen, dann bringen wir unsere Abwehrleute nicht in Verlegenheit. Beim zweiten Gegentor stehen wir mit sieben von uns gegen vier von denen, da darf uns kein Gegentor passieren. Das sind Sachen, die müssen wir einfach abstellen. Das fängt vorne an und hört hinten auf. Diese kleine Fehler haben uns in jedem Spiel Punkte gekostet. Das reicht einfach nicht.

Der Trainer war nach dem Frankfurt-Spiel sehr laut. Wie war es diesmal?

Es war nicht so laut wie letztes Wochenende. Er stellt uns gut ein, wir trainieren gut, wir wissen, wie wir spielen müssen. Aber wir setzen es nicht um. Wir können ihm keinen Vorwurf machen. Wir müssen es auf den Platz bringen. Das haben wir gestern leider wieder nicht gezeigt.

Verlangt der Trainer zu viel ?

Nee. Wir haben alle den Anspruch in der Zweiten Liga oben mitzuspielen, viele sehen uns eigentlich als Bundesliga-Mannschaft. Da kann keiner sagen, dass der Trainer zu viel verlangt.

Sandro, du bist neu im Team. Hast Du den Eindruck, dass einigen hier noch die negativen letzten Monate nachhängen?

Weiß ich nicht. Vielleicht ist das für den einen oder anderen nicht so einfach aus dem Kopf zu bekommen. Aber das muss jetzt raus. Das ist hier eine neue Aufgabe. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass viele gehemmt sind. Wir wollten Schwung mitnehmen, Euphorie nach der Vorbereitung. Das haben wir mit den ersten drei Spielen jetzt leider kaputt gemacht. Mir tun die Fans leid. Die fahren ich-weiß-nicht-wieviele-Kilometer nach Worms – und wir verlieren da. Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll.

In welche Richtung ging die Ansprache des Trainers heute morgen?

Er hat uns gesagt, dass solche Leichtsinnsfehler nicht passieren dürfen. Wie der Kopfball nach hinten in Frankfurt. Oder dass wir in Worms den Ball beim Freistoß zustellen müssen. Da müssen wir uns cleverer anstellen. Bei allem Respekt, Worms hat uns geschlagen, aber es kann nicht sein, dass eine Viertliga-Mannschaft in manchen Situationen abgeklärter ist als wir. Das ist unerklärlich. Das hat der Trainer offen und ehrlich angesprochen. Das ist auch wichtig, damit niemand auf die Idee kommt, unsere ersten Spiele irgendwie schön zu reden. Wir wissen, dass wir uns gestern blamiert haben.

An dieser Stelle blenden wir uns aus.

Wie realistisch mutet Euch die Lageeinschätzung von Wagner an? Und wie sollte Hertha mit dem missratenen Saisonauftakt umgehen? Am Kader wird sich, so ist der Informationsstand zehn Tage vor Ende der Transferfrist, nichts mehr ändern. Also keine neuen Rechtsverteidiger, Innenverteidiger, offensive Mittelfeldspieler oder Stürmer. Wer die Berliner Zeitungen heute gesehen hat, dem ist die Lage als Krise entgegen gesprungen. Eine korrekte Wahrnehmung der Situation? Oder bewegt Hertha sich noch in jenem Bereich, den man in Rubrik ‚Anlaufschwierigkeiten‘ verbuchen kann?