Vorbereitung auf die Hitzeschlacht und die offene Rechnung von Wormatia

(ste) – Heute war das Wetter zum Nachtmittag hin ja nicht das beste, aber ein Thema bei Hertha. Die Aussichten für die nächsten Tage beschäftigen Trainer Jos Luhukay durchaus. Das DFB-Pokalspiel am Sonntag in Worms wird eine gnadenlose Hitzeschlacht. Seinem taktischem Konzept kommt das nicht entgegen.

Es sollen 32 Grad werden, da kannst du nicht permanent Pressing spielen, das hält keine Mannschaft durch. Man muss die Momente sehen, wo man situativ das Angriffspressing durchführen kann. Aber das geht nicht über 90 Minuten am Sonntag.

Die „Akklimatisierung“ startet der Trainer daher schon jetzt, verlängerte und vermehrte die Pausen. Hinzu kommt penibles Achten auf die Wasseraufnahme der Spieler beim Training. Das, also die Wasseraufnahme und vor allem das Training an sich, hat ihm soweit ganz gut gefallen. Intensiv sei die Mannschaft bei der Sache gewesen, sie war fleißig. Aber:

Das war letzte Woche auch so, von daher ist die Basis in der Woche gelegt. Es muss aber auch am Sonntag die Krönung erfolgen.

Wie die aussehen soll, ist klar: Ein Weiterkommen in die Zweite Runde ist Pflicht gegen den Regionalligisten. Deshalb kündigte der Coach bereits an, keinerlei personelles Risiko einzugehen. Franz ist wieder soweit und wird Hubnik ersetzen. Bei Kluge sieht es soweit ganz gut aus, aber noch hat er Flüssigkeit im Sprunggelenk. Ein Einsatz steht daher nur bevor, wenn absolut keine Einschränkungen vorliegen.

Eine Alternative auf der rechten Seite könnte erstmals Rukavytsya sein. Einsatzfähigkeit wurde ihm vom Trainer bereits bescheinigt, wobei die Startelf kaum in Frage kommt.

Er könnte zum Kader gehören, ich muss mir das in den nächsten Tagen überlegen. Mit ihm hätte man noch etwas mehr Tempo.

Klingt schon danach, als wäre ein Mitwirken als Einwechselspieler realistisch. Diese Chance hat übrigens auch Sascha Burchert, er wird entgegen einigen Spekulationen in Worms auf der Bank sitzen und als zweiter Mann dabei sein.

Affäre Notstromaggregat von 1978

P.S.1 (ub – als Stimme aus dem Off) Der Kollege Sebastian Schlichting hat auf eine Geschichte in der Fußball-Woche verwiesen (Link funzt nicht). Wie sich der Außenseiter aus Worms von der großen Hertha ausgetrickst fühlt mittels eines Notstromaggregates im nur sparsam beleuchteten Olympiastadion. Will sagen: Wormatia hat noch eine offene Rechnung mit Hertha . . .

Wormatia Worms

Der merkwürdige Spielausfall in Berlin

Im Bus der Wormser Delegation, die am späten Nachmittag des 4. Oktober 1978 von der Berliner Polizei mit Blaulicht zum Olympiastadion eskortiert wird, herrscht gute Stimmung. Bundesligist Hertha BSC, an diesem Abend Gastgeber des Wiederholungsspiels im DFB-Pokal, steckt in einer Krise und wird zudem von Personalmangel geplagt. Die Gäste rechnen sich gute Chancen auf ein Weiterkommen aus. Untermauert wird der Optimismus der Wormser auch noch durch Aussagen von Hertha-Trainer Kuno Klötzer.
Er wisse gar nicht, wie er eine Mannschaft zusammenbekommen solle, wird der Hertha-Coach am Spieltag in der Berliner Presse zitiert. Doch auf der Fahrt zum Stadion erfahren die Wormser aus dem Radio von der Spielabsage. Das Olympiastadion ist nur spärlich beleuchtet, die Hertha-Spieler haben sich bereits in alle Winde zerstreut. Stromausfall, heißt es. Konkret geht es um die defekte Notstromversorgungsanlage. Ohne ein betriebsbereites Notstromaggregat aber darf nach der Versammlungsstättenverordnung keine öffentliche Veranstaltung bei Dunkelheit über die Bühne gehen. Die Wormser wundern sich über den merkwürdigen Zufall: große Personalsorgen bei Hertha und dann eine kurzfristige Absage aus technischen Gründen. Besonders ärgerlich ist der Spielausfall für die etwa 150 Wormser Schlachtenbummler, die pro Kopf 400 Mark für die Reise nach Berlin samt Übernachtung hingeblättert und ihr Geld somit in den Sand gesetzt hatten. Selbst Teile der Berliner Presse wittern ein abgekartetes Spiel. Unter der Überschrift „Schmierentheater“ setzt sich der seriöse Tagesspiegel mit den Vorgängen im Olympiastadion auseinander.

Niederlage im Schneetreiben

Trotz Wormser Protesten wertet der DFB den Ausfall als höhere Gewalt und setzt das Spiel für den 7. November 1978 neu an. Hertha spielt wieder mit voller Kapelle, die Gäste halten bei teilweise heftigem Schneetreiben voll dagegen. Erst in den letzten fünf Minuten knickt die Wormatia, damals Spitzenreiter der 2. Liga Süd, ein. Mit dem 2:0-Sieg nach Toren von Beer und Remark nehmen die Berliner die zweite Hürde auf ihrem Weg, der sie bis ins Finale nach Hannover führen wird. Dort unterliegt Hertha BSC am 23. Juni 1979 Fortuna Düsseldorf 0:1 nach Verlängerung. Knapp 30 Jahre später hätte Wormatia Worms beinahe wieder Pokalgeschichte geschrieben. In der 1. Hauptrunde 2009/10 lieferte der Regionalligist der SpVgg Greuther Fürth einen großen Kampf. Erst in der 119. Minute gelang dem Zweitligisten der Siegtreffer. Die Wormatia aber, aktuell abgeschlagener Tabellenletzter der Regionalliga West, dürfte als designierter Fünftligist so schnell nicht wieder im Rampenlicht stehen.

P.S.2 Der den meisten hier noch bekannte Kollege Daniel Stolpe hat auf einen Text hingewiesen, den er für seinen neuen Arbeitgeber, die Nachrichtenagentur dapd, heute veröffentlicht hat. Eine Geschichte über einen hier ebenfalls bekannten Profi namens Andreas Ottl. Der sich bei seinem neuen Klub, dem FC Augsburg, laut dapd so präsentiert:

Dreimal hat Ottl das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal gewonnen, 2006, 2008 und 2010, er denkt gerne an diese Zeit zurück: „Für einen Sportler ist es immer gut, wenn man sich mit den Besten der Besten messen kann. Ich habe bei Bayern immer meine Spiele gemacht, auf 25 bis 30 Pflichtspiel-Einsätze bin ich pro Jahr gekommen – und das obwohl ich bei jedem Trainer (Ottmar Hitzfeld, Felix Magath, Jürgen Klinsmann, Jupp Heynckes, Louis van Gaal – d. Red.) nie die 1a-Lösung war“, sagt Ottl. Und: „Ein bisschen stolz bin ich darauf schon.“

Die Mannschaft ist unter Rehhagel auseinander gefallen

Dass der FCA so einen Spieler bekommt, hat neben der Nähe zu Ottls Heimatstadt München auch einen anderen Grund: Die vergangene Saison, die mit dem Abstieg von Hertha BSC endete, erwies sich als verlorenes Jahr für Ottl – auch wenn er es selbst nicht ganz so sieht: „Für mich war Berlin eine sehr lehrreiche Station. Das erste halbe Jahr war durchweg positiv, wir hatten unter Markus Babbel 20 Punkte nach der Vorrunde. Was danach kam, das hatte ich mir natürlich nicht so vorgestellt. Ich hätte gerne darauf verzichtet.“ Über diese Zeit redet Ottl höchst ungern. Es war die Phase mit Otto Rehhagel als Feuerwehrmann von Hertha BSC. Eine Phase, in der Ottl vom dem 74-jährigen zum Bankdrücker und später sogar Tribünenhocker degradiert wurde. Mittlerweile spielt das Thema für den Neu-Augsburger keine Rolle mehr: „Die Sommerpause war lang genug. Für mich ist das abgehakt. Ich kann die Gründe gut einordnen“, sagt Ottl. „Die Mannschaft ist unter Rehhagel Stück für Stück auseinandergefallen.“ Im Fußball-Biotop Augsburg plant Ottl jetzt einen sportlichen Neuanfang, auch wenn ihm bewusst ist, dass es mit dem FCA vom ersten Spieltag an nur um eines geht: den Nichtabstieg. „Wir werden mit fünf, sechs Mannschaften bis zum Schluss um den Klassenerhalt spielen. Wir haben die Qualität, das zu schaffen“, sagt er. Vor allem die Mentalität in Augsburg hat es Ottl angetan: „Ich kann mich mit der Arbeitseinstellung in Augsburg identifizieren. Die Leute sind hier auf dem Boden, wissen sich einzuordnen. Das sind gute Voraussetzungen.“ Und eines ist ihm besonders wichtig: „Ein Rückschritt ist der Wechsel nach Augsburg für mich sicher nicht.“