Hertha, der DFB und die Schiedsrichter: Wie soll das gehen?

(ub) – Ob sich außerhalb von Berlin jemand am aktuellen Sportgerichtsurteil des Deutschen Fußball-Bundes stört? Ihr habt schon im vorangegangenen Thread disktutiert: Ursprünglich war Fortuna Düsseldorf nach dem Platzsturm im Relegationsrückspiel gegen Hertha BSC (2:2) zu einem Geisterspiel verurteilt worden. Pech für Düsseldorf, dass das erste Bundesliga-Spiel nach 15 Jahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit hätte stattfinden sollen.

Diese Entscheidung wurde nun zurückgenommen. Stattdessen hat Düsseldorf in den ersten beiden Heimspielen gegen Borussia Mönchengladbach (1. September) und den SC Freiburg (22. September) jeweils mit einem Teilausschluss bekommen. Hier der Text von der dfb.de im Wortlaut:

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt hat in mündlicher Verhandlung das Strafmaß für Fortuna Düsseldorf gegenüber dem vorangegangenen Einzelrichterurteil geändert. Der Verein wurde heute wegen fünf Fällen eines unsportlichen Verhaltens, zweimal in Tateinheit mit nicht ausreichendem Ordnungsdienst, dazu verurteilt, die ersten beiden Heimspiele der neuen Bundesliga-Saison unter teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen. Zudem muss der Klub eine Geldstrafe in Höhe von 150.000 Euro bezahlen. Betroffen sind die Düsseldorfer Heimspiele gegen Borussia Mönchengladbach am 1. September (ab 18.30 Uhr) und gegen den SC Freiburg am 22. September (ab 15.30 Uhr). Der Verein darf für beide Spiele jeweils nur 25.000 Karten an eigene Anhänger und maximal 5000 Karten an Gästefans verkaufen. Die Tickets müssen ausschließlich im Vorverkauf abgegeben werden, ein Verkauf am Spieltag ist untersagt. Darüber hinaus müssen die Stehplatzbereiche komplett geschlossen bleiben, es kommen nur Sitzplatzkarten in den Verkauf. Es darf auch kein Public Viewing im Stadion oder auf dem Vereinsgelände geben. „Urteil trägt dem Abschreckungsgedanken Rechnung“ Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, sagte zum neuen Urteil: „Die wirtschaftlichen Folgen dieser beiden Teilausschlüsse entsprechen denen eines Spieles unter vollständigem Ausschluss der Zuschauer. Das Sportgericht hielt den Anhängern der Fortuna zugute, dass der Platzsturm auf der irrtümlichen Annahme beruhte, das Spiel sei bereits zu Ende. Außerdem gab es keine Gewalthandlungen und keine Verletzte. Das Urteil trägt gleichwohl dem Abschreckungsgedanken Rechnung.“ Der DFB-Kontrollausschuss hatte in der mündlichen Verhandlung beantragt, dem ursprünglichen Einzelrichter-Urteil zu folgen oder hilfsweise zwei Teilausschlüsse zu verhängen. Das ursprüngliche Einzelrichter-Urteil des DFB-Sportgerichts hatte die Fortuna dazu verurteilt, das erste Bundesliga-Heimspiel der Saison gegen Borussia Mönchengladbach unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen und zusätzlich 100.000 Euro Geldstrafe zu zahlen. Dagegen hatte der Verein fristgerecht Einspruch eingelegt. Vorkommnisse in mehreren Partien Geahndet werden mit der Strafe insbesondere die Vorkommnisse in der Nachspielzeit des Relegations-Rückspiels zuhause gegen Hertha BSC Berlin am 15. Mai 2012. Dabei waren hunderte von Düsseldorfer Zuschauern vor Abpfiff auf das Spielfeld gerannt, so dass der Schiedsrichter die Partie für gut zwanzig Minuten unterbrechen musste. Nach Schlusspfiff dann ein ähnliches Bild, wobei im Düsseldorfer Zuschauerbereich eine große Menge an Pyrotechnik gezündet wurde. Wegen Pyrotechnik im Düsseldorfer und im Berliner Block, die teilweise auch auf das Spielfeld geworfen wurde, hatte der Unparteiische die Begegnung bereits in der 60. und in der 87. Minute für mehrere Minuten unterbrechen müssen. Vorkommnisse gab es aber auch noch bei anderen Spielen. So zündeten Düsseldorfer Zuschauer auch im Relegations-Hinspiel bei Hertha BSC Berlin am 10. Mai sowie in den Zweitliga-Spielen bei Greuther Fürth am 29. April und gegen den MSV Duisburg am 6. Mai pyrotechnische Gegenstände. Gegen Duisburg stürmten nach Schlusspfiff zudem Anhänger des Heimvereins in den Innenraum. Ferner wurde beim Zweitliga-Heimspiel gegen den FC St. Pauli am 2. April ein gefüllter Plastikbecher aus dem Düsseldorfer Zuschauerbereich in Richtung des Schiedsrichter-Assistenten geworfen. Gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts kann binnen einer Woche Berufung vor dem DFB-Bundesgericht eingelegt werden.

Dass Wolfgang Niersbach, der neue DFB-Präsident, aus Düsseldorf stammt und bei der fraglichen Partie im Stadion war, wissen alle. Zufälle gibt’s . . .

Was wird jetzt passieren? Landauf, landab, so meine Vermutung, wird das Urteil nicht großartig interssieren. Derzeit herrscht Olmpia-Fieber, Ferien-Zeit, die Bundesliga hat noch nicht begonnen. Die Hertha-Fans werden schäumen – aber interessiert das bundesweit?

Ich habe im Trainingslager in Stegersbach mit Hertha-Manager Michael Preetz über das Verhältnis zum DFB geredet. Sinngemäß sagte er: Es mache keinen Sinn, sich damit zu belasten. Hertha müsse auf sich schauen und seine Spiele gewinnen.

Wird das möglich sein? Oder versinken die Anhänger bei jedem strittigen Elfmeter in Selbstmitleid und DFB-Verschwörungstheorien?

Die Schiedsrichter-Gilde ist ein Teil des Fußball-Geschäftes. Dass die Unparteiischen Hertha in den nächsten Monaten nicht wohlwollend gegenüber stehen wird, wird niemand laut sagen. Nur, wird Hertha durch den DFB fair behandelt werden?

Die eigentliche Frage aber ist: Hertha wird sich nicht aus dem Bereich des Deutschen Fußball-Bundes verabschieden. Was ist der schlaue Weg für den Klub, ungeachtet der Umstände, den Aufstieg anzupeilen?

P.S. Von der Pressekonferenz heute: Peer Kluge (verletzt) und Daniel Beichler (aus familiären Gründen bis auf weiteres befreit) fallen für die Partie am Sonntag beim FSV Frankfurt aus. Auch Nikita Rukavytsya hat noch zu viel Trainingsrückstand. Für Kluge, da hat sich Trainer Luhukay bereits festgelegt, wird Ronny spielen. Wen seht Ihr auf der rechten Seite, der Beichler-Position: Änis Ben-Hatira? Ramos?

P.S.2 Schiedsrichter bei FSV Frankfurt – Hertha BSC ist Guido Winkmann.