Trainingslager IV: Raffael im Eisbad, Österreich im Terrence-Boyd-Fieber

(ub) 10.30 Uhr Jeden Morgen die gleiche Routine: Der erste Blick geht zum Himmel. Da verhandelt die Sonne noch mit den Wolken, ob die Platz machen. 18 Grad. Meine Prognose: Das wird

Der zweite Blick auf den Trainingsplatz sucht zum Anfang immer denselben Spieler: Ist Raffael da?

Antwort: Raffael ist auch heute, beim Vormittagstraining am Montag, dem 23. Juli, im blauen Trainingstrikot von Hertha auf Arbeit.

Überhaupt: Voller Betrieb, alles 28 Profis sind im Einsatz. Torwarttrainer Christian Fiedler hat für seine Torwart eine kleine Hürde vor dem Tor aufgebaut. Die Übung läuft so: Kraft oder Burchert oder Sprint steht auf der Linie, springt über die Hürde

10.45 Uhr Hertha trainiert heute nicht auf dem Nebenplatz, sondern auf dem Hauptplatz des SV Stegersbach. Trainer Jos Luhukay mit seinem Lieblingsthema: Wie führe ich den Ball richtig? Wie passe ich richtig?

10.55 Uhr Die Spieler werden in Dreier-Gruppen aufgestellt, ein Ball dazu: Vier Minuten Jonglieren, den Ball hochhalten.

11.05 Uhr Eine neue Passübung: Korrektes Zulaufen auf den Mitspieler, passen – und das richtige (!) Weiterlaufen. Cotrainer Gellhaus ist das zu lauschig: „Hej, alles im vollen Tempo. Dazwischen habt ihr genug Pausen.“

11.20 Uhr Zwei Vierer-Ketten spielen gegeneinander, Rot (= Angriff) spielt gegen Gelb (=Defense).

Gelb: Sprint – Ndjeng, Hubnik, Brooks, Schulz – Beichler, Kluge, Niemeyer , Knoll

Rot: Morales, Franz, Kobiashvili, Holland – Perdedaj – Diring, Ben-Hatira, Sahar – Wagner, Djuricin (Fotos: ub)

Trainer Luhukay unterbricht oft und korrigiert. Mal zeigt er den Stürmern, wie sie gegen zwei dichtgestaffelte Vierer-Abwehrketten sich bewegen müssen, um unspielbar zu sein. Mal korrigiert er die Abwehr, wie die Laufwege aussehen müssen, um die Räume eng zu halten.

11.30 Uhr Rollentausch. Jetzt spielt Gelb den Angriff, Blau in der Abwehr.

Blau: Sprint – Janker, Lustenberger, Neumann, Bastians – Mukhtar, Raffael, Ronny, Ramos.

11.40 Uhr Wurde bisher auf ein Tor gespielt, spielen die Mannschaften nun auf (ein 60-m-Feld) mit zwei Toren. Jede Mannschaft ist also sowohl in der Angriffs- und der Verteidigungsrolle.

11.50 Uhr Jetzt kickt Gelb gegen Blau. Luhukay stoppt immer mal wieder. Und erklärt Djuricin und Wagner, dass sie als Stürmer nach einem Ballverlust entscheiden, auf welche Seite der Gegner das Spiel verlagern muss. Indem sie den Torwart, der den Ball am Fuß hat, von einer Seite anlaufen. Luhukay: „Dann kann der nur noch einen langen Ball auf die andere Seite spielen. Das ist Eure Verantwortung, wo es hingeht.“

Und selbst das passiert Profis: Torwart Sprint will einen schnellen Abschlag aus der Hand machen. Und jagt den Ball dem acht Meter vor ihm stehenden Innenverteidiger Lustenberger auf den Po. (Habe ich da etwas Röte im Gesicht von Sprint gesehen? Er entschuldigt sich, Lustenberger zeigt an ‚O.K.‘.

12 Uhr Alles sitzt, nur Luhukay steht und beendet die Vormittagseinheit mit einer zehn-minütigen Ansprache.

12.15 Uhr Aus der Rubrik ‚Heute im Eiskübel‘ präsentiert Hertha BSC . . .

. . . auch Südamerikaner lassen sich von der Temperatur nicht schrecken, hier Adrian Ramos und Ronny . . .

. . . Christoph Janker sowie so nicht . . .

. . . so herausgefordert, ist auch Raffael dabei. Wie dessen Stimmung ist? Schaut selbst.

P.S. Die Sonne hat den Kampf gegen die Wolken übrigens klar für sich entschieden.

P.S.2 Aus unser Serie mit den vielen Kapiteln ‚Wir verlieren niemanden aus den Augen‘ lief mir heute morgen eines jener bei Hertha ausgebildeten Talente über den Weg. Terrence Boyd hat am ersten Spieltag Rapid Wien nach vier Minuten in Führung gebracht. Durch ein 4:0 über Wacker Innsbruck ist Rapid aktuell Tabellenerster. Das ist die Schlagzeile in der Kronen-Zeitung dazu:

Bei News.at ist Boyd „der Mann der Stunde“. Der Ex-Herthaner, in diesem Sommer von Borussia Dortmund II zu Rapid gewechselt, ist seit drei Tagen Landauf, landab im Fernsehen gelaufen, mit diesem Seitfallzieher im Freundschaftsspiel gegen den AS Rom. Guckst du: