3:1 - Ben-Hatira und Raffael schießen Hertha in die Relegation

(mkl) – Boa, war das spannend! Nicht nur ich, sogar Routinier Peter Niemeyer gab zu, dass der Mannschaft kurz vor Schluss der Partie gegen Hoffenheim doch noch einmal das Herz in die Hose gerutscht war. „Wir sind auch nur Mensch, als der Ausgleich fiel, wurden die Beine noch einmal schwer.“

Hertha gewinnt also 3:1 (1:0) gegen die TSG 1899 Hoffenheim, und weil der 1. FC Köln zeitgleich 1:4 gegen Bayern München verlor, zogen die Berliner noch einmal gerade so den Kopf aus der Schlinge. Am Donnerstag und Dienstag in einer Woche geht es also in die Relegation.

Manager Michael Preetz lobte nach dem Sieg: „Die Mannschaft hat es verstanden, mit der Drucksitution sehr gut umzugehen. Das hat sie besser gemacht als in den Wochen zuvor. Ich war genauso angespannt wie die anderen 50.000 Zuschauer im Stadion. Es war wie ein Pokalspiel: Entweder Sieg, oder Niederlage.“ Gut für Hertha, dass es ein Sieg wurde.

Die Einzelkritik.

Thomas Kraft: Herthas Keeper war auch in der hitzigen Atmosphäre, und auch in dem Wissen, dass ein Patzer den Klub um alles bringen könnte, stets der sichere Rückhalt. Während des gesamten Spiels zeigte er gute Paraden, aber seine wichtigste Aktion hatte er kurz vor Schluss, als er den Ball direkt vor dem bereitstehenden Gäste-Keeper (!) Starke parierte – der hätte sonst wohl Herthas Schicksal besiegelt. Note 2

Christoph Janker: Der 27-Jährige durfte gegen Hoffenheim als Rechtsverteidiger agieren. Insgesamt spielet er eine ordentliche Partie ohne große Patzer. Nur einmal, in der 32. Minute, ließ er sich im Duett mit Peter Niemeyer im eigenen Strafraum austanzen. Gewann zwar nur 54 Prozent seiner Zweikämpfe, brachte dafür aber starke 87 Prozent seiner Bälle an den Mann. Insgeasamt ein routinierter Auftritt. Note 4

Peter Niemeyer: Der lange Schlacks musste erneut in der für ihn ungewohnten Innenverteidigung agieren, machte das aber insgesamt ziemlich gut. Bis auf die Szene in der 32. Minute ist ihm nicht viel vorzuwerfen, dafür setzte er nicht wie sonst öfter gewohnt Akzente nach vorne. Er gewann nur sechs Zweikämpfe, was ein Grund dafür ist, dass Roman Hubnik eine bessere Note als er bekommt. Note 3

Roman Hubnik: Der Tscheche war für mich nach einigen durchwachsenen Partien heute der absolute Fels in der Brandung, zumindest in der Abwehr. Beste Aktion war sicher seine präzise Abwehraktion in der 34. Minute gegen Schipplock, der bereits Kraft umkurvt hatte und an sich nur noch ins leere Tor schieben brauchte. Aber weil Hubniks Timing stimmte, schaffte er es nicht. Auch in vielen anderen kleinen, aber wichtigen Situationen war Hubnik zur Stelle. Nach so einem Einsatz wird deutlich, wie sehr er der Abwehr wochenlang gefehlt hat. GEwann sensationelle 85 Prozent seiner Zweikämpfe. Note 2

Fabian Holland: Eine mutige Entscheidung von Otto Rehhagel, den Youngster als Linksverteidiger zu bringen. Aber der Trainer wurde nicht enttäuscht. Zwar nur 33 Prozent gewonnenen Zweikämpfe, das ist zu wenig. 95 Prozent sichere Pässe sind hingegen ein ordentlicher Wert, der auch davon zeugt, dass ihm keine schweren Fehler unterliefen. Note 4

Fanol Perdedaj: Der nächste Youngster, für den ein Routinier weichen musste, in diesem Fall Andreas Ottl. Perdedaj brachte wie gewohnt eine ordentlich Härte ins Spiel, aber: Diesmal hat er übertrieben. Sein rambo-ähnliche Aktion, für die er Gelb sah, kostete ihn viele Einsatzminuten – in der 44. Minute kam für ihn Ronny. Note 4

Levan Kobiashvili: Der Georgier lief erneut im defensiven Mittelfeld auf und fungierte wieder als Ballverteiler. Davon zeugen 73 Ballkontakte, nur Compper auf Seiten der Hoffenheimer hatte mehr. Im Spiel nach vorne hatte er nicht so viele Aktionen, er beschränkte sich diesmal auf die etwas simpleren Aufgaben. Note 3

Patrick Ebert: Das Bemühen kann man dem Urgestein nicht absprechen. Nur: Es kam auch heute wenig dabei heraus. Eine wirklich gute Szene hatte Ebert, als er einen Ball von der Grundlinie im Fallen noch vor den Strafraum brachte, Ronnys Schuss dann aber leider daneben ging. Ansonsten fiel auf, dass er eben auch nicht der Schnellste ist. Note 4

Änis Ben-Hatira: Der Deutsch-Tunesier wird im Saisonendspurt immer stärker – und war neben Thomas Kraft und Roman Hubnik der Mann des Spiels. Zwei Tore erzielte er, das erste (14.) per Freistoß sicher etwas glücklich, das zweite (78.) dafür mit unglaublicher Abgeklärtheit. Fast hätte er auch noch eine Vorlage gegeben, wäre Pierre-Michel Lasogga nicht elfmeterreif gefoult worden (45.+1). Note 2

Raffael: Der Brasilianer agierte irgendwo zwischen Zehner und hängender Spitze. Er begann stark und war vor allem in der ersten halben Stunde an fast jedem Berliner Angriff beteiligt. Heute zeigte er, dass er die Bälle nicht nur verteilen kann, vielmehr eroberte er sie ein ums andere Mal selbst, um sie dann teils 50 Meter über das Feld zu treiben. So belohnte er sich dann mit dem 3:1 ins leere Tor auch selbst. Note 2

Pierre-Michel Lasogga: Der junge Stürmer hat diesen Sieg offenbar teuer bezahlt. In der 60. Minute kam er nach einem Sprung falsch auf, fasste sich sofort ans Knie und musste auf der Trage vom Platz gebracht werden. Es besteht der Verdacht auf einen Bänderriss im Knie. Manager Michael Preetz sagte: „Ich rechne nicht damit, dass er in dieser Saison noch zur Verfügung steht.“ Bleibt zu hoffen, dass dem aufstrebenden Burschen das Schlimmste erspart bleibt. Note 4

Ronny: Kam in der 44. Minute für den verwarnte Perdedaj und übernahm auch seine Position auf der Sechs. Ein guter Schachzug, Ronny präsentierte sich ballsicher und spielgewand. Gehörte mit Raffael und Ben-Hatira zu den Spielern mit den meisten Torschussvorlagen (3) und hatte bei zwei sehenswerten Fernschüssen um ein Haar selbst getroffen. Note 3

Adrian Ramos: Kam in der 61. Minute für den verletzten Lasogga. Ich weiß nicht, was sie mit ihm gemacht haben, aber auch der Kolumbianer zeigte eine deutlich verbesserte Leistung gegenüber den vergangenen Wochen. Gab die Vorlage zum 2:0 durch Ben-Hatira.

Nikita Rukavytsya: Kam in der 79. Minute für Janker.