Mijatovic hofft auf Einsätze in der Relegation, Rehhagel sagt dazu Nein

(sto) – Man begegnet sich dieser Tage ja nicht wirklich regelmäßig, und so begrüßte Andre Mijatovic freundlich und geradezu freudig nacheinander jeden einzelnen aus dem Grüppchen auf ihn wartender Journalisten per Handschlag. Die Frage nach dem „wie geht’s“ war dabei in erster Linie an ihn, den etatmäßigen Kapitän von Hertha BSC, gerichtet.

Für alle sichtbar bei dieser öffentlichen Trainingseinheit hatte Mijatovic die Laufrunden zur gemeinsamen Erwärmung mitgemacht, anschließend trainierte er mit und ohne Ball abseits der großen Gruppe mit Physiotherapeut Jörg Blüthmann. Wer es von Fitnesstrainer Henrik Kuchno (wie derzeit Maik Franz nach seinem Kreuzbandriss) zu ihm geschafft hat, der steht in aller Regel kurz vor einer Rückkehr ins Mannschaftstraining.

Rückkehr nach viereinhalb Monaten

Mijatovic peilt diesen (vor)letzten Schritt für Donnerstag an. „Bis jetzt, toitoitoi, zeigt das Gelenk keine Reaktion“, sagte Mijatovic nach der Einheit am Dienstagvormittag. Seinen viereinhalb Monate andauernden Ausfall infolge anhaltender Sprunggelenksprobleme erklärte er so: „Durch die Schmerzen im Knöchel habe ich den Fuß falsch belastet, dadurch hat sich der Schmerz in Richtung der Achillessehne weiterentwickelt.“

Ein Einsatz bei Herthas Abstiegs-Endspiel am Samstag gegen Hoffenheim kommt für Mijatovic (noch) nicht in Frage. An möglichen Relegationsspielen würde er aber gern teilhaben.

Für diesen Sprung auf Platz 16, der einen eigenen Sieg und zeitgleich maximal ein Unentschieden der Kölner gegen Bayern München erfordert, hofft Mijatovic „auf Fortuna auf unserer Seite“. Wahrscheinlich hat selbst er inzwischen keine anderen Argumente mehr, weshalb seine Kollegen ausgerechnet in diesem Spiel einmal nicht dilettieren sollten…

Wo es ihm auf dem Platz nicht möglich ist zu helfen, will Mijatovic mental wirken: „Wir müssen jeden Einzelnen nach oben pushen“, sagt er. Kein Thema soll nach offizieller Sprachregelung in dieser Woche sein, dass mit Markus Babbel auf der Hoffenheimer Bank jener Ex-Trainer sitzt, der noch bis Ende Dezember. . . – na, ihr wisst schon. Zu dem Thema sagte Mijatovic nur: „Klar hat einiges in dieser Saison nicht gestimmt. Aber darüber zu diskutieren, ist später noch genug Zeit.“ Die Aussage mag ein jeder deuten, wie er gern mag. . .

Die Wahrheit zu Mijatovics Vertragsklausel

Eine unmissverständliche Ansage hatte hernach der aktuelle Trainer Otto Rehhagel für Mijatovic parat. Wo der geneigte Beobachter ja zumindest annehmen dürfte, dass im sportlichen Überlebenskampf jedes Bisschen an Erfahrung hilfreich und wünschenswert sein könnte, sagte Rehhagel auf Nachfrage knapp: „Mijatovic hat, so lange ich hier bin, einmal gespielt, das war gegen Bremen. Seitdem hat er nicht trainiert, also kann er uns im Moment nicht helfen.“ Basta.

So oder so ist ein Meilenstein für Mijatovic außer Reichweite, der zu Phasen der Saison ein Selbstläufer zu werden schien. Sage mal, Andre, fragte ich: Wie verhält es sich eigentlich mit deiner 25-Einsätze-Klausel – da fehlen ja nur noch zwei bis zur automatischen Vertragsverlängerung. Das könnte man ja immerhin im Hinterkopf haben, nich‘ wahr?! Nicht nötig, gab Mijatovic uns zu verstehen: „Ich stehe bei 20“, nämlich 20 Ligaeinsätzen. Demnach zählen, anders als bislang angekommen, Pokalspiele nicht mit zum vereinbarten Kontingent.

Bangen um Lell, Otto feuert Torun

Torwart Thomas Kraft (leichte muskuläre Probleme) und Pierre-Michel Lasogga (Schlag aufs Knie) setzten Dienstag ebenso mit dem Training aus wie Christian Lell. In seinem Fall wird sich infolge einer starken Fußprellung vielleicht sogar erst Freitag entscheiden, ob er spielen kann.

Obwohl mit Lell der Rechtsverteidiger wackelt, wurde der potenzielle Nachrücker Alfredo Morales zur U23 abkommandiert. „Er kann uns im Moment nicht helfen, deshalb ist er bei der U23“, sagte Rehhagel. Noch härter traf es Tunay Torun, der Dienstag im Training ebenfalls fehlte, was Rehhagel streng so erklärte: „Torun hat mal eine Denkpause bekommen für eine Woche. Wenn er sich alles gut durch den Kopf hat gehen lassen, und wenn wir es schaffen, dass wir die Relegation erreichen, dann ist er in der nächsten Woche wieder dabei.“ Bis dahin ist auch der junge Deutsch-Türke zur U23 abkommandiert.

Training am Mittwoch nicht öffentlich

Hertha und die Öffentlichkeitsarbeit – obwohl der Dienstag mit reichlich Kulisse ein heiterer Trainingstag war, hat der Klub die bislang als frei zugänglich deklarierte Mittwochseinheit zum nicht-öffentlichen Termin umgewandelt. Please adjust accordingly. . .

P.S: Ein ebenso buntes Paket wie hier erwartet euch Mittwoch auch auf einer ganzen Seite in eurer Printausgabe der Berliner Morgenpost. Insbesondere das Gespräch mit meinem euch bestens bekannten Interviewpartner dürfte euch allen das Herz aufgehen lassen.