Der neue TV-Vertrag der Bundesliga - Fluch oder Segen für Hertha BSC?

(sto) – Darüber, dass es auf dem Schenckendorffplatz zu Beginn der Übungswoche recht übersichtlich zuging, hat der Kollege Bremer an anderer Stelle schon informiert. Insgesamt 15 Profis vermeldete Hertha BSC am frühen Dienstagvormittag als verletzt oder angeschlagen, von ihnen stand Maikel Aerts beim 10-Uhr-Training dennoch auf dem Platz. Sebastian Neumann (Oberschenkelprellung) drehte mit Jörg Blüthmann ein paar regenerative Runden.

Mit Blick auf den Wochentag würde ich davon Abstand nehmen, den Panikknopf zu betätigen. Bis zum Spieltag Sonnabend, wenn es gegen den 1.FC Kaiserslautern wirklich um Alles oder Nichts geht, sollte die deutliche Mehrzahl der heute noch fehlenden Spieler wieder zur Verfügung stehen; die Langzeitverletzten natürlich ausgenommen. Bevor es um das Thema ‚Geld‘ geht, ein Blick auf das Pressepodium und dem Film ‚Wenn Blicke sprechen könnten‘, mit Anne Grubert (v.r.), der stellvertretenden Pressedirektorin, Tunay Torun und Peter Niemyer (Foto: ub).

Einnahmesteigerung um 50 Prozent

Weit weniger übersichtlich ist das, womit die Deutsche Fußball-Liga uns heute Mittag überschüttet hat: Zahlen, Daten, Fakten rund um die um die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga! Von der Saison 2013/14 an erlöst der deutsche Fußball durchschnittlich 628 Millionen Euro pro Jahr. Das entspricht einer Steigerung von 50 Prozent gegenüber dem bis Ende nächster Saison laufenden Vertrag, der der Liga 412 Millionen Euro pro Jahr zusichert.

Die Erlössteigerung sei „das Ergebnis der sehr positiven Entwicklung der Liga in den zurückliegenden Jahren“, frohlockt Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Dies komme auch der Wettbewerbsfähigkeit jener Klubs zugute, die in den internationalen Wettbewerben spielen. Und international holt die Bundesliga mit dem neuen TV-Vertrag gewaltig auf. Das meiste Geld kassiert die Premier League, deren Gesamteinnahmen pro Saison auf fast 1,3 Milliarden Euro geschätzt werden. Die italienische Serie A kommt in den kommenden drei Spielzeiten allein beim Pay-TV (Sky Italia und Mediaset) auf jährliche Summen von bis zu 841 Millionen Euro. Die sportlich weniger interessante Ligue 1 in Frankreich erhält insgesamt 570 Millionen Euro und wird damit in Zukunft von der Bundesliga überholt.

Real und Barca bleiben unerreicht

Die Klubs, die das meiste Geld kassieren, sind Real Madrid und der FC Barcelona. In Spanien werden die Medienrechte nicht von der Liga, sondern einzeln vermarktet. Mehr als Hälfte des Gesamtvolumens des spanischen Marktes von etwa 600 Millionen Euro verteilt sich allein auf die zwei TopKlubs. Zum Vergleich: Bayern München erhielt als Topverdiener der deutschen Liga am Ende der vergangenen Saison eine Ausschüttung von 29,96 Millionen Euro, während der Absteiger St. Pauli immerhin noch 13,2 Millionen verdiente.

Während die Bundesliga fortan also mehr denn je von neuen internationalen Erfolgen ihrer Klubs träumen darf – was bedeutet der „Quantensprung“ (Liga-Präsident Rauball) aber für Klubs unterhalb der nationalen Spitze? Werden nur die Reichen immer reicher, während es für Hertha und Konsorten mangels finanzieller Wettbewerbsfähigkeit zunehmend schwieriger wird, in vorderste Regionen vorzustoßen?

Werden die Reichen immer reicher?

Bislang regelt der Tabellenstand, welcher Klub welche Einnahmen aus dem TV-Topf generiert. An diesem Verteilprinzip wird sich auch künftig nichts ändern. Also wird die Schere zwischen Oben und Unten in der Bundesliga – aber auch die zwischen Unten in der Bundesliga und irgendwo in der Zweiten Liga – absolut gesehen weiter auseinandergehen.

In Zahlen ausgedrückt: In der laufenden Saison partizipiert Hertha mit 17 Millionen Euro am TV-Topf, im vergangenen Zweitliga-Jahr waren es deren 8,0 Millionen. Jeweils 50 Prozent auf diese Summen draufgepackt, ergeben so oder so zweifellos ein nettes Zubrot. Aber wenn gleichzeitig die Bayern noch mal 50 Prozent auf ihre 30 Millionen draufpacken: Statt 30 zu 17 lautet das Verhältnis fort 45 zu 25.

Kann/wird das Einnahmeplus dazu dienen, dass Klubs wie Hertha Teile ihrer Verbindlichkeiten abbauen? Oder ist es so, wie ich vermute: Die Millionen werden vornehmlich in die Taschen der Spieler und ihrer Berater wandern, auch und gerade weil Klubs wie Hertha mehr denn je alles dazu tun müssen, die ohnehin klaffende und wohl weiter wachsende Lücke zu den Topverdienern so gering wie möglich zu halten?

P.S.: Bei der ersten Umfrage könnt ihr bis zu zwei Häkchen setzen