Weiß-blau leidet mit Blau-weiß

(ub) – Immerhertha ist der Blog, in dem Karrieren gemacht werden. @wilson hat schon lange seinen eigenen Blog . @egmonte war bereits vor uns am Start. Das Hertha-Reporter-Trio, das Euch hier versorgt, ist ebenfalls bekannt. Weshalb wir hier zu einer Premiere kommen. Wie angekündigt haben wir heute Lady-Besuch. Sie stammt aus Bayern, lebt eigentlich in München. Und erlebte am Dienstagabend ein Debüt in mehrfacher Hinsicht. Sie besuchte zum ersten Mal das Olympiastadion. Und sah ihr erstes Hertha-Spiel.

Die Rede ist von Alexandra Grauvogl (30), unsere Volontärin im Sport von Morgenpost und Welt.

Wobei, Trommelwirbel zurück. Wenn von Karrieren die Rede ist: Die Kollegin hat ihre erste Karriere längst hinter sich. Alex Grauvogl hat mehr als ein Jahrzehnt im Leistungssport verbracht. Sie steht mit den schweren Skipisten auf Du-und-Du, ob Super-G oder Abfahrt. 2007 war sie WM-Dritte im Skicross (Freestyle), mehr Infos hier.

So, und nun Alex Grauvogl über ihr erstes Rendez-vous mit Hertha:

Seit Januar bin ich nun in der Hauptstadt und höre bzw. lese nichts anderes als von den dem Abstieg entgegen taumelnden Herthanern. Neben dem ebenso kostspieligen wie erfolglosen Intermezzo von Michael Skibbe schweben mir vor allem die ewigen Vertragsverhandlungen mit Christian Lell und die Krönung von Otto „Debakles“ beim 0:6 gegen die Bayern vor. Und dann ist da noch diese Stimme, die sich über das Internet wie ein verzweifelter Hilferuf in meinem Gehörgang festgesetzt hat: „Hallo, hier spricht Michael Preetz!“ Als Münchnerin hat mich das bisher aber emotional nicht sonderlich tangiert. Ich spiele zwar von Kindesbeinen an selbst Fußball, habe mein Herz aber einem anderen weiß-blauen Verein verschrieben, bei welchem Leiden auf der Tagesordnung steht. Mit der Hertha konnte ich nicht wirklich viel anfangen. Es machte immer den Eindruck, als wäre das eine ohne großes System zusammen gewürfelte Mannschaft.

Warum kommen nicht mehr Fans?

Doch gestern hat sich das geändert. Beim meinem ersten Besuch im Olympiastadion war ich zunächst beeindruckt von der imposanten Architektur. Allerdings fand ich es schade, dass die Ränge nicht gefüllter waren. Gut, es war ein Werktag und die Gegner aus Freiburg haben auch nicht so viele Fans mitgebracht, wie dies bei anderen Spielen der Fall gewesen wäre. Aber trotzdem: Für alle, die es irgendwie ganz gut fänden, wenn die Hertha nicht absteigt, gilt Stadionpflicht! Resignation oder Erziehungsmethoden wie „Wenn die nicht laufen wollen, dann gebe ich auch kein Geld für die aus!“ bringen nichts. Unterstützung für die lautstarke Ostkurve ist gefragt.

Was ist mit dem Schuhwerk von Ben-Hatira?

Eigentore wie in der 7. Minute sind ärgerlich, aber sie passieren eben. Was mich auf die Palme gebracht hat, sind diese halbhohen Zuspiele, die einfach zu viel Zeit kosten, und dass ein williger Mitspieler für den sich mühenden Raffael fehlt. Außerdem sollten einige Spieler, insbesondere Ben-Hatira, mal ihr Schuhwerk checken. Der liegt mir zu oft auf dem Rasen herum. Richtig bitter fand ich das 0:2. Das war mehr als unnötig, in einer Phase, in der Hertha die besseren Chancen hatte. War erstaunt über mich. Am liebsten hätte ich dem Journalisten-Kollegen in der Reihe vor, der beim zweiten Freiburger Tor jubelnd aufgesprungen ist, das Stadionmagazin über den Kopf gezogen. Denn ich hatte das Gefühl, dass eigentlich Rehhagels Team am Drücker war und jeder Zeit zurückkommen könnte. Nur die letzte Konsequenz und eine zündende Idee vor dem Tor fehlten. Der Anschlusstreffer war zwar verdient, aber kam halt einen Tick zu spät. Mehr als auffühlende Schlussminuten wurden nicht draus.

Hertha hat nicht wegen Herrn Gagelmann verloren

Die Leistung von Schiedsrichter Gagelmann will ich nicht beurteilen. Aber ich muss sagen, dass die Hertha das Spiel nicht seinetwegen verloren hat. Und auch zu Management und Trainer will ich mich nicht näher äußern. Nach dem Spiel dachte ich mir nur: Natürlich ist noch nichts verloren. Aber mit einem Dreier hätte die Hertha verdammt viel gewinnen können. Insbesondere wenn einem die Konkurrenten im Abstiegskampf, wie z.B. Köln, solche Vorlagen liefern. Wenn man solche Chancen wiederholt nicht nutzt, geht`s selten gut aus. Und deswegen heißt es jetzt erst recht kämpfen. Denn es wäre schade um die Hertha. Wenn schon meine Weiß-blauen nicht aufsteigen, will ich wenigstens die Blau-Weißen in der 1. Liga anfeuern!

Soweit die Kollegin. Wer wissen will, wie heute, am Tag nach dem 1:2 die Stimmung war: Kamerakind Lorenz Vossen war aktiv und hat die Statesments von Trainer Otto Rehhagel und Manager Michael Preetz eingefangen.

Zur Abwehr: Ihr habt es schon diskutiert, Roman Hubnik fällt wegen eines angerissenen Sprunggelenks für mindestens zehn Tage aus. Da auch die verletzten Innenverteidiger Maik Franz, Andre Mijatovic, Christoph Janker und Sebastian Neumann (Oberschenkel-Prellung) fehlen, soll gegen Leverkusen Peter Niemeyer ins Abwehrzentrum rücken. Eine richtige Entscheidung? Oder wen seht Ihr da noch?