0:0 in Gladbach - zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel?

(sto) – Es gibt gute 0:0, es gibt eher schlechte 0:0 – und es gibt Spiele wie dieses von Hertha BSC im nominellen Topspiel des 29. Bundesliga-Spieltages bei Borussia Mönchengladbach. Es war: zäh, ein 0:0 einer spielerisch limitierten, aber immerhin kämpferisch engagierten Berliner Mannschaft gegen Gladbacher, denen im Endspurt um die Champions-League-Plätze die Luft auszugehen droht.

Geradezu grotesk war, wie beide Seiten hernach das Ergebnis bewerteten: Okay, besser ein Punkt als keiner. Dabei hilft die Punkteteilung weder Gladbach, noch Hertha wirklich weiter. Die einen wollen lieber Dritter werden als Vierter bleiben, die anderen von Rang 17 noch wenigstens auf 16 springen. „Trotzdem sollten wir dieses Spiel positiv bewerten und Zuversicht daraus schöpfen“, sagte Peter Niemeyer: „Wir müssen Spiele gewinnen, weil wir in der Tabelle im Hintertreffen sind. Aber jeder Punkt kann Gold wert sein.“

Die Einzelkritik.

Thomas Kraft: Im 15. Auswärtsspiel verbuchte Herthas über die gesamte Saison gesehen Bester endlich sein erstes zu-Null. Wurde dabei zwar so selten geprüft, wie kaum einmal in dieser Spielzeit – aber auch das hatte Kraft sich mal verdient. Note 3

Christian Lell: „Es war keine Absicht und schon gar nicht ein Auftrag der Trainer“, sagte der Rechtsverteidiger über seine erste Aktion im Spiel, die für die gesamten 90 Minuten prägenden Charakter besitzen sollte: Nach seinem harten Einsteigen gegen Reus musste der Motor des Gladbacher Spiels nach nur 20 Minuten mit einem Pferdekuss vom Feld. Nach 56 Minuten hatte Lell zugleich Herthas beste Torchance, Stranzl klärte für den schon geschlagenen ter Stegen. Note 3

Roman Hubnik: Der Tscheche gewann trotz Schmerzen im Knöchel 75 Prozent seiner Zweikämpfe und mit deren 14 die meisten aller Berliner. Das Wiedersehen mit de Camargo (wir erinnern uns. . .) verlief unspektakulär. Note 3

Felix Bastians: Nach schwarzem Tag gegen Wolfsburg rückte der Linksverteidiger für den verletzten Janker ins Zentrum – und machte seine Sache dort außerordentlich gut, jedenfalls weitgehend fehlerfrei. Note 3

Levan Kobiashvili: Aus dem zentralen Mittelfeld ging es diesmal wieder nach links hinten – sehr zum Leidwesen des Gladbacher Shootingstars Herrmann, der gegen den routinierten Georgier keinen Stich machte. Offensiv zurückhaltend – aber wer will Kobiashvili dies bei einem Vordermann Ben-Hatira auch verdenken. Note 3

Andreas Ottl: Unauffällig wie immer. Bei genauerem Hinsehen aber wurde deutlich, wie viele Passwege er zulief. Daneben, aber das ist eher kein Ausdruck überbordender Qualität ;-), verzeichnete Ottl die meisten Torschüsse in Reihen der Berliner: zwei. Note 4

Peter Niemeyer: Der Mittelfeldkämpfer bat nach dem Spiel darum, wir mögen seine Laufstrecke prüfen: „Ich glaube, da war ich weit vorne.“ War er. Bei exakt 12,83 Kilometern lief nur ein Herthaner mehr als Niemeyer: Rukavytsya mit 12,84 Kilometern Die Quote gewonnener Zweikämpfe (44%) spiegelt Niemeyers Wert für das Team nur unzureichend wider. Note 3

Nikita Rukavytsya: Siehe Niemeyer – stärkste Laufleistung, aber Aufwand und Ertrag standen in keinem Verhältnis zueinander. Für Fleiß gibt es die Note 4

Änis Ben-Hatira: Nach starker Leistung gegen Wolfsburg diesmal also wieder der andere Ben-Hatira. Viele Fehlpässe, viele falsche Laufwege. Szenisch für sein Spiel der Konter über Raffael, als er statt direkt abzuschließen lieber ins Toraus dribbelte. Note 5

Raffael: Im Schulzeugnis würde stehen: Er war bemüht. Der Favre-Schüler wollte vor den Augen seines Lehrmeisters, aber konnte nicht. Als er nach 85 Minuten aus gut 20 Metern einmal abzog, war dieser Schuss wie sein gesamtes Spiel: Okay, aber ohne den letzten Punch. Note 5

Adrian Ramos: Der Kolumbianer lief viel, er ging auch und gerade defensiv weite Wege im Sinne der Mannschaft. Aber so entschlossen er in der einen Szene dem Ball nachsetzte, so teilnahmslos lief er in anderen dem Geschehen hinterher. Gegen Dante hat es kaum ein Stürmer leicht, aber Ramos gewann kaum einen Zweikampf (10 von 37, um genau zu sein) Note 5

Pierre-Michel Lasogga: Kam in der 89. Minute als Entlastung für Raffael, erkämpfte immerhin noch einen Eckball.

P.S.: Auch an diesem (Sonn)tag nach dem Spiel gilt wieder: Das Auslaufen der Mannschaft ist nicht öffentlich!

P.S.2. In der Clickshow sind bis zu drei Antworten möglich.