Lebenszeichen aus der blau-weißen Wagenburg

(ub) -Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Ungeachtet der Mitteilung von Hertha BSC, dass der Sonntag unter Ausschluss der Öffentlichkeit und Medien stattfinden soll, war das immerhertha-Reporterteam am Schenkendorff-Platz vor Ort. Hier rüttelt der Kollege Stolpe am Zaun. Er soll gerufen haben „Ich will hier rein“ (Foto: ub)

Derweil sein Kollege an der Friedrich-Friesen-Allee protokollierte, dass eine Laufgrupe mit 16 Akteuren Richtung Grunewald unterwegs war. Es joggten unter anderem Manager Michael Preetz, die Cotrainer Rene Tretschok und Ante Covic. Von den Spielern, die am Vortag gegen Wolfsburg (1:4) durchgespielt hatten, waren dabei: Christian Lell, Levan Kobiashvili, Raffael, Adrian Ramos sowie Thomas Kraft. Eine größere Runde durch das Frühlingsgrün legten Patrick Ebert, Sebastian Neumann, Andreas Ottl und Felix Bastians hin. In dieser Gruppe war (mit Pudelmütze) Ronny dabei.

Eine andere unorthodoxe Maßnahme ergriff Hertha, Tabellen-Vorletzter der Liga, am Sonntagnachmittag. Nach dem Motto ‚Raus aus der Wagenburg‘ erschien auf der Homepage eine Mischung aus persönlicher Stellungnahme und Interview von und mit Michael Preetz, dem Geschäftsführer Sport und Medien. Die Überschrift lautet „Ich denke immer positiv“,

Weil es so ungewöhnlich ist, dokumentieren wir es hier in voller Länge. Die Hervorhebungen sind von der Hertha-Homepage übernommen. Der Link zum Originaltext findet sich hier.

Berlin – Zur aktuellen Situation nimmt Michael Preetz Stellung: Liebe Hertha-Fans, hier spricht Michael Preetz und ich wende mich nach der Freude von Mainz sowie der Enttäuschung gegen Wolfsburg an Sie als Geschäftsführer Sport unseres Bundesliga-Vereins. Aus diesem langen Satz sind viele Worte nebensächlich. Wichtig, sehr, sehr wichtig, sind genau drei: Hertha, Fans, Bundesliga! Hertha, das ist unser Leben. Meines seit nunmehr 16 Jahren in voller Intensität. Fans, das ist die Macht, die uns antreibt. Von der Ostkurve aus über Haupt- und Gegengerade bis zum Marathontor. Bundesliga, das ist unsere Spielklasse und weiterhin mein festes, unser festes Ziel für die kommende Saison, ganz egal, wie schwer die Lage auch momentan ist. Ja, das Spiel gegen Wolfsburg war ein herber Rückschlag. Vor allem, weil das phasenweise tolle Spiel unserer Mannschaft unbelohnt blieb und am Ende auf der Anzeigetafel ein bitteres, dem Geschehen nicht gerecht werdendes Ergebnis, aufleuchtete. Aber genau deswegen will ich Ihnen, liebe Hertha-Fans, die brennendsten Fragen nach dem 28. Spieltag beantworten. Weil ich sie mir selbst stelle und weil ich die Wirkung des gestrigen Rückschlags spüre, aber niemals aufhören werde für unsere Hertha zu kämpfen. Die Medienvertreter fragen: Ist Hertha jetzt schon abgestiegen, wie gehen Sie mir dieser Situation um? Hertha BSC, unser Verein, ist noch lange nicht abgestiegen! Wir haben noch sechs Partien und ich bin überzeugt, dass es dem Trainerteam gelingen wird, die Spieler nach der großen Enttäuschung von gestern wieder aufzurichten. Wir haben gegen den VfL Wolfsburg ein sehr gutes Spiel gemacht, sind gestern allein am Abschluss gescheitert. Wir hatten Pech mit einem Eigentor, der VfL hat zwei Topstürmer – dennoch hätten wir dieses Spiel gewinnen müssen. Aber die Partien gegen Mainz und Wolfsburg haben auch gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Trainer haben die Mannschaft auf die jeweiligen Gegner top vorbereitet und top eingestellt. Gegen Mainz haben wir verdient gewonnen, gegen Wolfsburg sind wir einzig und allein daran gescheitert, dass wir unsere zahlreichen Torchancen nicht verwertet haben. Wir werden uns nicht beirren lassen, weiter konsequent und fokussiert an diesen Dingen zu arbeiten. Ich bin mir sicher, dass die Jungs, die gestern noch zahlreiche Chancen ausgelassen haben, noch ganz wichtige Tore für uns in dieser Saison erzielen werden. Reden Sie sich die Hoffnung nicht nur ein? Der Trend ist doch ganz deutlich und führt direkt in die Zweite Liga? Welcher Trend? Otto Rehhagel, Rene Tretschok und Ante Covic haben die mentale und kämpferische Trendwende geschafft. Wir sind im Spiel, kämpfen auf Augenhöhe und werden auch das Glück zurückerobern. Davon bin ich überzeugt. Wir wussten aber auch immer, dass es auf dem Weg zum Saisonende auch Rückschläge geben kann. Wie können Sie verhindern, dass die Mannschaft sich aufgibt? Wir lagen 1:2 zurück gegen Wolfsburg. Durch ein Eigentor und einen Weltklassetreffer. Das wäre eine Situation gewesen, in der eine mental schwache Truppe zusammenbrechen würde. Wir aber haben uns Chance um Chance erspielt, die gereicht hätten, um zwei Spiele zu entscheiden. So spielt und kämpft keine Mannschaft, die sich aufgegeben hat. Der Wille ist ungebrochen und im Übrigen gilt für Herthaner sowieso, dass wir niemals aufgeben! Gibt es Konsequenzen nach der Niederlage gegen Wolfsburg? Die Trainer haben Montag frei gegeben… Nein. Wir kämpfen mit allen Mann und mit 100 Prozent weiter um unser Saisonziel. Nach dem Spielverlauf waren auch unsere Spieler total enttäuscht. Deshalb war es richtig, dass das Trainerteam jetzt den Montag freigegeben hat. Die Spieler sollen die Enttäuschung verarbeiten, die mentale Frische zurückbekommen und sich ab Dienstag voll und ganz auf die nächste Aufgabe in Gladbach konzentrieren. Und was, wenn der Abstieg trotzdem passiert? Darauf werde ich keine Antwort geben, weil ich immer positiv denke. Für Hertha, für unsere Fans, für das gemeinsame Ziel, das immer Bundesliga heißen wird!
Wie muten Euch die Inhalte an? Ist das ein Manager, wie er in dieser Situation sechs Spiele vor Saisonende, erleben wollt? Jemand, der die Fans lobt. Jemand, der sein Trainer-Team stark redet. Ein Ex-Stürmer, der trotz der vielen vergebenen Chancen ausdrücklich auf seine Stürmer setzt.
Mit der Frage nach der Zweiten Liga befasst sich der Manager demonstrativ nicht. Zurecht, weil er Optimismus für den Klassenerhalt in der Bundesliga ausstrahlt? Oder weil er ahnt, dass im Fall eines Abstieges . . .

P.S.: Nicht zum ersten Mal in der Bundesliga hat sich mit Preetz ein Protagonist selbst interviewt. Hier geht’s zum legendärsten Fall: 44 Sekunden Klaus Augenthaler im Mai 2007 in Wolfsburg

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P.S Der oben abgebildete Blogpappi begegnet Euch im Rahmen eines rbb-Beitrages über Hertha BSC im „Sportplatz“ heute ab 22 Uhr wieder. Der Rbb-Kollege war mit seinem Kamera-Team bei uns in der Redaktion.
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