1:4 gegen Wolfsburg - Hertha scheitert an sich selbst

(sto) – Ein bitterer Abend. Vier Konkurrenten im Abstiegskampf siegen (HSV, Freiburg, Augsburg und Mainz). Hertha führt gegen Wolfsburg – und unterliegt am Ende mit 1:4 (1:2). Die 14. Saisonniederlage. Hertha ist Vorletzter, vier Punkte vom rettenden Platz 15 entfernt. So schlimm war es um den Hauptstadtklub in dieser Saison noch nicht bestellt.

Die Einzelkritik.

Thomas Kraft: Hielt die Mannschaft eine Stunde lang mit diversen Paraden im Spiel. War aber bei allen vier Gegentoren machtlos. Sein geflüsterter Kommentar zum Spiel: „Leck mich doch am Arsch!“ Haben wir so oder so ähnlich schon mehrmals in dieser Saison von dem bemitleidenswerten Keeper vernommen. Note 3

Christian Lell: Hatte seine rechte Abwehrseite weitgehend ordentlich im Griff. Und er hatte eine hervorragende Offensivaktion, als er Ben-Hatiras überragendes Zuspiel quer legte auf Lasogga – der allerdings amateurhaft vergab. Note 4

Roman Hubnik: Der Tscheche stellte sich Wolfsburgs Angreifern furchtlos entgegen, er war der emotionale Anführer von Herthas Hintermannschaft und erreichte als einziger Verteidiger an diesem Tag Bundesliga-Niveau. Auch offensiv einmal gefährlich, seinen Kopfball parierte Benaglio jedoch problemlos (53.). Bestätigte später auch zum wiederholten Male die Kritik von Ex-Trainer Babbel: Im Zweikampf muss es dem Stürmer weh tun, nicht dem Abwehrspieler. Musste mit Schmerzen im Sprunggelenk raus. Note 3

Christoph Janker: Alles schick, alles gut – wären da nur nicht ein Eigentor zum 1:1 und kurze Zeit später ein um einen Tick verlorener Zweikampf gegen Helmes, der ausschlaggebend war für das 1:2, gewesen. Damit war das Spiel aus Hertha-Sicht auf die schiefe Bahn geraten. Note 5

Felix Bastians: Sein schwächstes Spiel im Hertha-Trikot. Bekam überhaupt keinen Zugriff auf seinen Gegenspieler Dejagah – dokumentiert mit dem verlorenen Laufduell, das Dejagahs Flanke vor dem 1:2 vorausging. Zurecht zur Pause ausgewechselt. Note 5

Peter Niemeyer: Mein Eindruck während des Spiels war: Bei ihm später dringend den Wert gewonnener Zweikämpfe prüfen. Mein Gefühl war, dass Niemeyer ausnahmsweise so gut wie keinen Zweikampf gewonnen hatte. Siehe da: Mit 65 Prozent Erfolgsquote war der Mittelfeldspieler Herthas bester Zweikämpfer. Zum Vergleich aber: Auf Wolfsburger Seite verbuchte Innenverteidiger Felipe als Wertungssieger satte 76 Prozent gewonnene Duelle für sich. Note 4

Levan Kobiashvili: Der Georgier avancierte im Laufe der Partie zum Ausländer mit den meisten Einsatzminuten in der Geschichte der Bundesliga. Passend zu diesem Jubiläum traf der Dauerläufer aus Mittelstürmerposition zum 1:0. Rückte mit dem Seitenwechsel aus dem zentralen Mittelfeld nach links hinten, machte da wie dort seine Sache gut. Nicht mehr ins Gewicht fiel, dass er vor dem 1:4 überlaufen wurde. Note 3

Nikita Rukavytsya: Das extrem hohe Verteidigungsspiel des VfL kam dem Australier dank seiner Schnelligkeit höchst gelegen. Legte insbesondere in der ersten Halbzeit einige auffällige Sprints hin, war mit seinem von Benaglio zur Mitte hin abgewehrten Schuss der Wegbereiter des 1:0. Tauchte jedoch zunehmend ab. Note 4

Änis Ben-Hatira: Auch ohne Tor mit einer insgesamt besseren Leistung als vor einer Woche in Mainz. Wirkte deutlich besser ins Offensivspiel integriert, erarbeitete sich teils beste Schusschancen (22., 48.) und zog darüber hinaus auch immer wieder zu Sprints in die gefährliche Zone des Gegners an. In dieser Form eine Bereicherung. Note 3

Raffael: Hatte nach sieben Minuten die erste gute Chance im Spiel, verzog vom Fünfmetereck aber knapp. In der Folge der Initiator vieler aussichtsreicher Offensivaktion, im ersten Durchgang von der „Zehn“ aus, nach dem Seitenwechsel um eine Position weiter nach hinten gezogen. Note 3

Adrian Ramos: Irgendwann nach dem 1:2 von Helmes notierte ich mir: „Hertha-Stürmer nicht so entschlossen, so gierig wie H.“ Den Nachweis erbrachte insbesondere der Kolumbianer mit zunehmender Spieldauer ein ums andere Mal. Ein eiskalter Vollstrecker wie Helmes hätte wohl mindestens zwei der vielen sehr guten Chancen (u.a. 63., 66., 72.) genutzt, die Ramos eine nach der anderen verballerte. Besonders kläglich war sein 17-Meter-Schuss gegen Bengalis Körper, als er den VfL-Keeper nach Lust und Laune hätte umdribbeln können. Note 5

Pierre-Michel Lasogga: Der Angreifer kam zur Pause, als Trainer Rehhagel auf den 1:2-Rückstand reagierte. Hatte prompt Pech, als er gerade so nicht an einen Benaglio-Abpraller heranreichte (48.). Kläglich aber sein verängstigter Abschluss nach genau einer Stunde, als er nach Querpass von Lell den Ball neben das leere Gehäuse setzte. Note 5

Sebastian Neumann: Der Nachwuchs-Verteidiger kam für den verletzten Hubnik. Leistete sich eine veritable Kerze im Strafraum und, besonders entscheidend, sah sehr schlecht aus gegen Mandzukic bei dessen Tor zum 1:3.

P.S.: Auch an diesem (Sonn)tag nach dem Spiel gilt wieder: Das Auslaufen der Mannschaft ist nicht öffentlich!