Fan-Sein zwischen Hoffen und Bangen, oder: Auf welcher Welle surft ihr?

(mkl) – Manchmal ist ein Blick auf die eigene Kindheit doch recht anregend. So erging es mir jedenfalls, als ich mich eben daran erinnerte, wie mir kürzlich ein paar Kinder- und Jugendfotos in die Hände fielen. Zwischen einigen echt peinlichen Aufnahmen gab es da ein Bild, das mich mit einem Surfbrett unter dem Arm am Strand in Südfrankreich zeigt.

Hinter mir: Die Wellen des Ozeans, die ich noch kurz zuvor in kindlicher Euphorie hinunter gesurft war. Nicht, dass ich gut gewesen wäre, nein. Wie ein Tourist eben so surft, der das alle paar Jahr macht. Aber das Gefühl, wie es sich anfühlt, von einer Woge getragen gen Strand zu schießen, das kam sofort wieder.

Und dann war da noch etwas. Ich erinnerte mich plötzlich daran, dass ich so manches Mal von der Welle durchgeschüttelt, gar unter Wasser gedrückt wurde. Dass ich mit blutenden Ellbogen und völlig verwirrt auftauchte, weil mich die Macht des Wassers über den Boden gschleift hatte. Puh, gar nicht schön.

Die verrückte Woche eines Fans

Und dann dachte ich: Ist es mit uns Fußball-Fans nicht ganz genauso? Eben noch obenauf, bald schon wieder von Zweifeln eingeholt?

Meine Fußballwoche gestaltet sich meist, um im Bild zu bleiben, auch in Wellen. Das sieht in Herthas Situation – und die kenne ich von meinem Heimatverein wahrlich gut – exemplarsich in etwa so aus:

Sa: Endlich wieder ein Sieg, pure Freude!

So: Totale Euphorie! Der Klassenerhalt ist so gut wie sicher!

Mo: Ich bin der Held auf der Arbeit. Wie hatte der nächste Gegner noch gleich gespielt? Oh, gewonnen, ok.

Die: Hm, das nächste Spiel könnte schwierig werden, haben die nicht gerade einen ziemlich fitten Stürmer in ihren Reihen?

Mi: Oh man, immer noch 17.! Das reicht nie!

Do: Wird schon. Warum Zweifeln? Mit einem Unentschieden kann man auch erstmal leben…

Fr: Ja! Nur noch 24 Stunden.

Sa: Wir hauben sie weg.

Tretschok: Mainz fühlt sich auch an wie ein Sieg

Als Fußballfan lebt man doch gezwungener Maßen zwischen Hoffen und Bangen. Oder kennt ihr diese Schwankungen nicht? Wo ordnet ihr euch nach dem Sieg in Mainz ein? Was macht ihr gegen die Zweifel?

René Tretschok hat das kürzlich sehr schön beschrieben, wie es ihm dabei geht. Er kennt das. Zwischen den Siegen gegen Bremen und Mainz läge „ein Riesenunterschied. Die Mannschaft hat das komplett anders eingeschätzt. Gegen Bremen war jede Menge Glück im Spiel. Gegen Mainz hat die Mannschaft endlich gezeigt, was sie kann.“

Soll heißen: Er und das Team haben die Welle jetzt endlich erwischt, nach dem Bremen-Spiel war das offensichtlich nicht der Fall. Das Resultat ist bekannt: Eine Niederlage in Köln. Jetzt sind sich alle sicher, dass sich so etwas nicht wiederholen wird. Ergo: Gegen Wolfsburg kann eigentlich fast nur ein Sieg herauspringen.

So. Jetzt ist die Welle gleich da. Ich geh dann mal mein Surfbrett holen….;)