Krankenakte Lustenberger: Herthas Pechvogel droht das Saisonende

(sto) – Der gute alte @catro hatte sich an seinem freien Tag mal wieder aufgemacht, er kam, sah – und sah, dass er nichts sah. Denn die Spieler von Hertha BSC, die er auf dem Trainingsplatz vermutete, waren zu einer Fahrradtour aufgebrochen. Um Viertel nach 10 waren sie losgefahren, knappe 40 Minuten dauerte ihre Ausfahrt.

Für den Nachmittag hatte das Trainerteam schon im Vorfeld des Wochenendes eine (Video-)Analyse des Mainz-Spiels anberaumt, später sorgt ein Mannschaftsabend für (hoffentlich) lockere Atmosphäre.

Einer wird vermutlich trotzdem traurig dreinblicken. Wobei das Freizeitprogramm des Fabian Lustenberger zuletzt nicht das schlechteste gewesen ist: Bei einer Filmpremiere in der Kulturbrauerei war er, er grüßte via Facebook von der Echo-Preisverleihung – und doch nehme ich an, dass er nichts lieber tun würde, als endlich wieder auf dem Fußballplatz stehen und trainieren und spielen.

Keine Besserung trotz Spezialschuh

„Aber er wird noch eine Weile ausfallen. Wir wissen wir keinen genauen Termin, wann er wieder einsteigt“, sagte Rene Tretschok, Mitglied des Trainerteams, am Montag. Er berichtete von Beschwerden, die eine vor sieben Wochen im Pokalspiel gegen Mönchengladbach zugezogene Fußprellung noch immer bereite. Und obwohl ein Spezialschuh schon eine Menge Belastung auf den Knochen wegnehme, sei Lustenberger unverändert nicht schmerzfrei.

Die Zeit läuft gegen Hertha und den Profi. In sechs Wochen ist die Saison zu Ende, noch weiß niemand, ob Hertha dann noch Bundesligist oder schon Absteiger oder der höherklassige von zwei Teilnehmen an der Relegation sein wird. Wie auch immer, sagt Tretschok, „wir brauchen ihn natürlich. Wir hoffen, dass wir noch mal auf ihn zurückgreifen können.“

Diagnose: „Knochenmarksödem im Bereich des Großzehengrundgelenks im Mittelfuß“

Doch in dem Wissen, dass Lustenberger nach Verletzungen meist nur eine kurze Anlaufphase braucht, ehe er wieder vollwertig zur Verfügung steht – ein erster Versuch der schnellen Wiederherstellung kam vor gut zwei Wochen noch zu früh. Den Preis dafür zahlen Hertha und Lustenberger jetzt. „Wir haben Zeit verloren“, sagte mir Mannschaftsarzt Uli Schleicher heute auf Anfrage. Als die Not im Mittelfeld groß war, weil die Stammkräfte Andreas Ottl und Peter Niemeyer gleichzeitig gesperrt waren, hätten sie alles versucht, Lustenberger wieder heranzuführen, sagte Schleicher: „Das ist fehlgeschlagen“.

Was aber hat Lustenberger denn nun genau? Denn natürlich schrillen gerade bei ihm bei den Schlagworten „Fuß“ und „Prellung“ sämtliche Alarmglocken – also, Herr Schleicher: Wieder ein Mittelfußbruch? Antwort des Mediziners: „Es ist ein Zwischending zwischen Bruch und Prellung“, also ein so genanntes Knochenmarksödem – und wer es nun noch ganz genau wissen möchte: im Bereich des Großzehengrundgelenks im Mittelfuß.

Eine Art Einblutung im Knochen jedenfalls, wie sie durch eine sehr starke Prellung entsteht – laienhaft ausgedrückt, spricht man bei so etwas von einer „Vorstufe zum Bruch“.

Nach Schleichers Meinung wird Lustenberger besagten Spezialschuh „noch gut zwei Wochen“ tragen müssen, dann wird man erneut einen Versuch unternehmen, ihn wieder an die Mannschaft heranzuführen. Die Formulierung „Saisonende für Lustenberger“ findet der Mediziner noch zu reißerisch, aber darauf, dass die Zeit in jedem Fall knapp wird, könne man sich einigen.

Mijatovic macht Fortschritte

Wenn wir gerade schon bei der Krankenakte Hertha sind: Die Magen-Darm-Probleme, die Ottl in Mainz von einem Einsatz abhielten, haben nun auch weitere Spieler befallen. Namentlich nannte Tretschok heute Änis Ben-Hatira, auch bei Christian Lell und Maikel Aerts war von Arztbesuchen die Rede, aber die wurden nicht näher präzisiert.

In allen Fällen bestehe Hoffnung auf eine morgige Rückkehr ins Mannschaftstraining. Dienstag sei „der Hauptbelastungstag“, sagte Tretschok, „da würden wir gern mit ihnen planen“. Klarheit gebe es jeweils aber frühestens am Montagabend.

Andre Mijatovic absolvierte nach seinen Achillessehnenproblemen am Montag eine leichte Laufeinheit; auch der etatmäßige Kapitän steht demnach kurz vor einer Rückkehr ins Mannschaftstraining.

Jetzt ihr: Den Ausfall von Lustenberger muss Hertha nun schon seit sieben Wochen verkraften. Vorher war er in dieser Saison zumeist nur Reservespieler. Ob er in dieser Saison noch mal wird spielen können, vermag derzeit verlässlich niemand zu prognostizieren. An welcher Stelle in der Hierarchie im defensiven Mittelfeld seht ihr einen gesunden(!) Lustenberger aber angeordnet?