Rehhagel 2.0: Mit Taktik und Personal der Babbel-Ära zurück zum Erfolg?

(sto) – Natürlich war Adrian Ramos mit zwei Toren bei Herthas 3:1 in Mainz der Matchwinner. Doch ist der erste Auswärtssieg des Jahres 2012 wirklich zuvorderst der Tatsache zu verdanken, dass der Kolumbianer just an diesem frühlingshaften Tag in Rheinhessen seinen ausgedehnten Winterschlaf für beendet erklärt hat?

Oder waren vielleicht eher einige strukturelle Veränderungen gegenüber so mancher Niederlage in der Rückrunde – insbesondere natürlich dem 0:6-Debakel gegen den FC Bayern vor einer Woche – dafür verantwortlich?

Über solche Gedanken hätten wir uns heute gerne mit den Verantwortlichen ausgetauscht. Mit Otto Rehhagel, dem Trainer. Mit Michael Preetz, dem Geschäftsführer für die Unternehmensbereiche Sport, Kommunikation und Medien. Und natürlich den Protagonisten von Sonnabendnachmittag – den Spielern.

Wagenburg in Westend bleibt intakt

Aber noch von Mainz aus hatte der Klub erklärt, dass die blau-weiße Wagenburg in Westend auch nach dem Sieg intakt bleibt. Auslaufen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und auch der Medienvertreter – ein Novum und keineswegs zielführend. Aber auf eine Peinlichkeit mehr oder weniger in der Außendarstellung kommt es jetzt auch schon nicht mehr an. . .

Was soll’s. Soweit ich es erfahren konnte, wurde nett miteinander gefrühstückt und geplaudert, daneben stand nur lockeres Auslaufen auf dem Programm. Auch ohne folgenden Meinungsaustausch trauen wir uns eine Meinungsbildung zu. Was also hat Hertha zum Sieg in Mainz getrieben, dem ersten in einem fremden Stadion seit Ende Oktober?

Auffällige Parallelen zur erfolgreichen Hinrunde

Eine unübersehbare Parallele zur erfolgreichen Phase von damals formulierte der bärenstarke Kapitän Levan Kobiashvili. „In der Hinrunde haben wir auswärts oft defensiv gut gestanden und zielstrebig nach vorn gespielt“, sagte er noch in den Katakomben des neuen Mainzer Stadions: „Das war heute genauso.“ Prompt fügte das sechstbeste Auswärtsteam der Hinrunde (elf Punkte) seiner seitdem vernachlässigten Bilanz die Zähler zwölf bis 14 zu.

Sogar der Obernörgler der Vorwoche war besänftigt. Hatte Rechtsverteidiger Christian Lell nach dem 0:6 gegen München noch Fundamentalkritik an Klub („es muss sich einiges ändern“) und Trainer („es gelingt nicht, uns richtig einzustellen“) geübt und sich dafür nur halbherzig und auf Geheiß seines Arbeitgebers entschuldigt, so sagte er nun: „Wir haben gewisse Dinge im taktischen Bereich geübt, die uns schon in der Hinrunde stark gemacht haben.“

Als da wären: defensiv sicher stehen und aus einer solchen Ordnung heraus zielgerichtet nach vorn spielen. Auch namentlich und in seiner Grundordnung orientierte sich das Personal weitgehend an der erfolgreichen Phase unter Ex-Trainer Babbel. Wäre nicht kurzfristig Ottl ausgefallen, hätte Kobiashvili hinten links verteidigen sollen – in einer Kette vor Keeper Kraft mit Lell, Hubnik und Mijatovic-Ersatz Janker; Ottl und Niemeyer waren im zentral-defensiven, Raffael im zentral-offensiven Mittelfeld eingeplant; Ramos als vorderste Spitze, unterstützt von Ben-Hatira und Rukavytsya auf den Außen.

Nur Zufall, dass Hertha ausgerechnet ohne wilde personelle Experimente zurück in die Erfolgsspur gefunden hat?