Trainer, Manager, Präsident: Schläfrig und passiv in der Krise - so spielt Hertha dann auch Fußball

(sto) – Donnerstag – landauf, landab ist das in der Fußball-Bundesliga der Tag der Pressekonferenzen vor dem anstehenden Spieltag. So auch heute mal wieder bei Hertha BSC. Reden wir offen: Nach dieser rund 14-minütigen Veranstaltung herrschte unter den Zuhörern: Ernüchterung. Das also sollen die Männer sein, die Hertha doch noch zum Klassenerhalt führen?

Beginnen wir mit dem Trainer, mit Otto Rehhagel. Von vier Spielen unter seiner Leitung hat Hertha drei verloren, eines glücklich gewonnen (1:0 gegen Bremen) und kommt insgesamt auf 1:10 Tore. Aufwärtstrend? Fehlanzeige. Das 0:6 gegen Bayern München war zweifellos ein neuer Tiefpunkt. Und stolze „drei Tage“, sagte Rehhagel, habe es danach gedauert, bis die Mannschaft ihre Trauer und ihr Entsetzen über die gezeigte Nicht-Leistung überwunden hatte. Drei Tage – Zeit, die die Mannschaft im Überlebenskampf an sich nicht (mehr) hat.

Otto: „Ohne Tor kann man nicht gewinnen.“

Auf mich wirkt Rehhagel zunehmend planlos. „Das Wichtigste für uns: Wir müssen mal wieder ein Tor schießen“, hat er gesagt. Ach, wirklich? Da wäre bei insgesamt zwei geschossenen Toren im Kalenderjahr 2012 kein anderer so präzise drauf gekommen. Sein Plan gegen die Torflaute? „Wir müssen den Gegner so unter Druck setzen, dass uns auch mal ein Tor gelingt; ohne Tor kann man nicht gewinnen.“ Puh. Und konkret, Herr Rehhagel? „Wir haben Mittwoch eineinhalb Stunden Torschusstraining gemacht. Ich hoffe, dass das ein bisschen was gebracht hat für Samstag.“ Ja, danke, das hoffen wir hier auch alle – aber über die Erfolgsquote hatte ich euch bereits an anderer Stelle informiert.

Was die Mainzer Blitzstarter angeht – in allen vier Heimspielen der Rückrunde gingen sie bereits in den ersten Minuten 1:0 in Führung: Nun, ich möchte Rehhagel nichts unterstellen. Aber zumindest mein Eindruck war, dass er auf die Frage nach einem entsprechenden Rezept dagegen schlecht vorbereitet war. O-Ton: „Darauf bereiten wir uns vor. Wir wissen das. Man weiß vieles, von allen. Fußball ist kein Computerspiel, man kann auch nicht auf dem Laptop gewinnen. Es wird immer auf dem Platz entschieden.“

Ganz und gar nicht gefallen hat mir zuletzt die soundsovielte Wiederholung eines Satzes, von dem Hertha seinem Cheftrainer mal mitteilen sollte, dass er ihn spätestens von jetzt an besser unterlassen sollte – nicht zuletzt, weil ich mir vorstellen kann, dass er bei euch da draußen alles andere als gut ankommen dürfte. Ob ihn angesichts der ersten Spiele unter seiner Leitung also Zweifel an der Richtigkeit seiner Mission befallen hätten? Kopfschütteln. „Ich“, sagte Rehhagel, „habe in meinem Leben nichts mehr zu verlieren.“

Blöd nur, dass Hertha, der Klub und mit ihm viele Angestellte, sehr wohl viel zu verlieren haben – und dass ihr Wohl oder Wehe unmittelbar davon abhängt, mit welcher Gier und Entschlossenheit die obersten Verantwortungsträger an ihre Aufgabe herantreten. . .

Preetz: „Uns bleiben noch acht Spiele.“

Damit zu Michael Preetz. Ja, auch der Geschäftsführer Sport, Kommunikation und Medien hatte es einrichten können – und durfte sich prompt einmal zum Geschehen äußern. Ob er denn schon seine Retterrechnung aufgestellt habe – wie viele Punkte letztlich wohl zum Klassenerhalt nötig sein würden? Dazu Preetz: „Wir werden es nicht durch Rechnen hinkriegen, sondern nur auf dem Platz. Uns bleiben noch acht Spiele, um uns aus unserer Situation zu befreien; die müssen wir nutzen, so oft wie möglich zu punkten.“ Mir kommt da das Wort Durchhalteparole in den Sinn.

Und wenn nun mancher urteilen mag: Dann fragt den Preetz halt mehr – klar, können wir. Doch mehr an Inhalt kommt von ihm ja schon seit Wochen nicht. So oder ähnlich äußert sich Preetz auf vom Verein gelenkten Terminen. Davon abgesehen antwortet er nur zu Interview-Fragen, die treu ergeben auf Parteilinie liegen. Wer dem Geschäftsführer Sport mit Kritik begegnet, hat aus seinem Umfeld hanebüchene Anklagen per Kurznachricht zu erwarten. . .

Hat Gegenbauer nichts zu sagen?

Was ich mir mal wünschen würde, wäre ein kämpferischer Preetz. Einer, der nicht nur Fragen erwartet. Sondern der Antworten gibt, Ansprüche formuliert – kurz: der vorangeht. Wo war am Mittwoch der Trainingsbesucher Werner Gegenbauer, alsauch von ihm einmal ein paar Aussagen zur aktuellen Lage erwünscht gewesen wären?

Stattdessen erleben wir Passivität und Schläfrigkeit an der Spitze, wie sie sich auf dem Platz nun schon allzu häufig nahtlos fortgesetzt hat.

P.S.: Zum Sportlichen gibt es wenig Neues mitzuteilen. Die Herren Franz, Lustenberger und Mijatovic fallen für Mainz aus, alle übrigen Profis sind theoretisch einsatzfähig. Details zu Aufstellung und Grundformation gab es erwartungsgemäß keine.

Lasst uns ab morgen über Mainz, die Vergangenheit und Gegenwart plaudern. Bis dahin würde ich von euch gerne wissen: Wie mutet euch Herthas Auftreten in und Umgang mit der Krise an?