Hertha goes Sitcom: Wer ist hier der Boss?

(sto) – Tony Micelli müsste her. Wobei, dann bliebe die Frage aller Fragen ja erst recht ungeklärt: „Wer ist hier der Boss?“

Frei nach der amerikanischen Sitcom aus dem vergangenen Jahrtausend stellt sich bei Hertha BSC vor dem Heimspiel am Samstag gegen den FC Bayern ganz aktuell die Frage nach dem Anführer: In Andre Mijatovic hat Cheftrainer Otto Rehhagel den etatmäßigen Kapitän zum Reservisten degradiert. In Levan Kobiashvili ist der ausgerufene Stellvertreter Gelb-Rot-gesperrt; und wäre es ohne Ampelkarte nach der fünften Gelben genauso gewesen.

Also: Wer ist hier der Boss?

Wenn sich diese Frage bei Hertha angesichts von gerade mal zwei Ausfällen überhaupt stellt, dann hat das mit einem Phänomen zu tun, über das Kollege Bremer noch im Januar aus dem Trainingslager im türkischen Belek reportiert hat. Damals lautete seine These, dass Mannschaften im modernen Fußball auch mit einer eher flachen Teamhierarchie Erfolg haben können – und niemand mochte dem so recht widersprechen. Warum auch, mit 20 Punkten und auf Tabellenplatz elf war das Leben für den Aufsteiger ja schön.

In den neun Pflichtspielen seitdem gelang nur ein Sieg; dies bei 2:17 Toren. Und jetzt wartet die so schwere Aufgabe gegen die auf einmal gewaltig wieder ins Rollen geratenen Münchner.

Lell erntet kritische Blicke

Wer ist hier der Boss – gehen wir die Kandidaten für das Wochenende der Reihe nach einmal durch.

Geht es nach der einst festgelegten Hierarchie, rückt nun Christian Lell an oberste Position. Als einer von zwei Kapitäns-Stellvertretern, ist davon auszugehen, dass der frühere Bayern-Profi Hertha gegen seinen Ex-Klub aufs Feld führen wird. Wie es de facto hingegen um seine Rolle als Chef bestellt ist – nun, zumindest ist aus der Mannschaft zu vernehmen, dass die Kollegen mitunter schon ganz genau beobachten, ob sich denn auch wirklich alle an die von Peter Niemeyer formulierte Parole „was intern geschieht, sollte intern bleiben“ halten.

Zum wahren Anführer emporgeschungen hat sich binnen weniger Monate ein weiterer Ex-Bayer: Torwart Thomas Kraft. Die Diskussion jedoch, ob der Chef auf dem Platz im Tor nicht etwas zu weit hinten angesiedelt ist, ist jedoch fast so alt wie der Fußball selbst. Zweifellos ist Kraft ein lautstarker Organisator der Defensive; fürs große Ganze reicht es aber wohl (noch) nicht.

Strategisch günstiger ist da auf dem Feld schon der dritte fröhliche Münchner in Berlin positioniert: Andreas Ottl. Dass er nach seiner Banklehre in Köln gegen die Bayern zurück in die Startelf rückt, erscheint für mich angesichts von Kobiashvilis Sperre der logische Schritt. Aber dann wird Ottl gegen die Schweinsteiger und Co. auch vorangehen müssen.

Wer sonst fällt uns ein? Peter Niemeyer, klar, auch der bringt alle Qualitäten mit – wenn er denn spielt. Mag er auch nicht der technisch versierteste Fußballer sein, er ist ein Kämpfer und laut- und meinungsstark obendrein. Raffael? Besiegte mit Dortmund in dieser Saison schon einmal einen scheinbar übermächtigen Gegner nahezu im Alleingang und bot Bremen in Unterzahl auch als Kämpfer an vorderster Front unverdrossen die Stirn. Doch diesen zwei Beispielen stehen genügend andere gegenüber, in denen auch Raffael nur einer unter vielen war.

Eure Meinung ist gefragt

Welchen Hertha-Profi seht ihr am Samstag besonders in der Pflicht, das Team zu führen und ihm auch und gerade in schweren Phasen des Spiels ein Vorbild zu sein? Und wie steht ihr heute, knapp zwei Monate nach dem oben verlinkten Trainingslagerbericht und mitten im Abstiegskampf, der These gegenüber, dass eine flache Hierarchie einem Team gut tun kann?