LIVE: Hertha mit Perdedaj und Lasogga in Köln

(mkl) – Dong, Dong…du meine Güte, ich hatte ganz vergessen, mit welcher Kraft er bimmeln kann: Der „dicke Pitter.“ Nein ihr Ferkel, nicht woran ihr jetzt wieder denkt…ich rede natürlich von der meines Wissens nach größten freischwingenden Kirchenglocke der Welt: der im Kölner Dom. So ein Superlativ mag sich im Reiseführer ja toll anhören, mich jedenfalls hat der „Pitter“ heute früh artgerecht aus dem Bett geworfen.

Ihr merkt: Ganz in der Näher des Doms habe ich bereits gestern Abend Quartier bezogen. Ich bin zu Busch bei guten Freunden, und an dieser Stelle fängt der persönliche Teil dieses Blogs an. Gebt meinen Gedanken ein paar Minuten freien Lauf. Denn auf keine Auswärtsfahrt habe ich mich in dieser Saison so gefreut wie auf die Tour nach Köln. Sechs Jahr habe ich in dieser sympathisch-verrückten Stadt gelebt, studiert und den Übergang ins Arbeitsleben versucht zu meistern. Eine seltsame Ankunft war es also für mich, eine emotionale, längst bevor der Ball gleich rollt.

Ein Kölsch zur Begrüßung

Als Erstes bin ich gestern Abend natürlich an den Rhein gegangen, wie könnte es anders sein. Schon bei der Fahrt über die Hohenzollernbrücke war es ein Gefühl wie nach Hause kommen, obwohl ich nun schon seit vier Jahren fort bin. Kurios eigentlich, oder? Danach gab es natürlich ein Kölsch zur Begrüßung. Hervorragend, diese Plörre schmeckt wirklich nur in Köln. Dort aber umso besser!

Dann ging es heute früh los mit meiner Zeitreise. Mit der Linie 1 immer die Aachener Straße hinab. Bis ich in Müngersdorf mitten in mein altes Leben ausgespuckt wurde. Direkt vor mir: Das Stadion. Zu meiner Linken: Das Gelände meines alten Vereins, auf dessen Bahn ich unzählige harte Einheiten bis kur vor dem Erbrechen gelaufen bin. Zu meiner Rechten: Die Sporthochschule und vor allem „der Turm“, jenes seltsame Studentenwohnheim, in dessen 20. Stock ich jahrelang auf neun Quadratmetern ausharrte. Dafür mit Weitblick, gewissermaßen. :). Die Vorhänge, die ich einst vor die Südfenster hängte, gibt es noch immer.

Ein Stadion um Umbruch

Von dort oben sah ich alles. Ich sah das alte Müngersdorfer Stadion in Staub zerfallen, ich erlebte, wie neue Tribünen emporschossen. Zeitweise konnte ich von meinem Fenster aus den Ball sehen, wenn der FC spielte. Ich sah zur WM Franz Beckenbauer mit seinem Heli auf den Vorwiesen landen. Ich sah Aufstiege, ein legendäres 7:0 gegen den 1. FC Union. Und ich merkte, dass ich trotz allem keine wahre Begeisterung für diesen Klub in mir entfachen konnte. Warum? Ich habe keine Ahnung. Ein paar Mal verschlug es mich hinüber, mehr aus Neugier denn als Fan. Irgendwann ließ ich mir einen Schal andrehen. Das war es dann aber auch…für den FC werde ich immer Sympathie empfinden, mehr aber auch nicht.

Und jetzt? Sitze ich Luftlinie nur etwa 200 Meter von meinem alten Leben entfernt und habe die Perspektive komplett gewechselt.

Jetzt zählt nur noch Hertha.

Und da stellen sich gleich einige Fragen. Zum Beispiel die, inwieweit Hertha Kapital aus dem Chaos schlagen kann, dass beim FC dieser Tage (einmal mehr) herrscht. Lukas Podolski wird wohl nach London wechseln, aber der Klub schweigt, der Trainer zofft sich öffentlich mit dem Sportdirektor (das kennen wir doch?), und, wie mir ein Insider erzählte, das Team soll ob dieses Zerwürfnisses in zwei Lager zerfallen sein. Aus den letzten neun Spielen gelang dem FC nur ein Sieg, die Kölner sind also gar nicht so weit entfernt von der Schreckensbilanz von Hertha.

Für die Berliner wird es heute nicht nur um Punkte gehen. Sondern auch darum, einen direkten Konkurrenten im Tabellenkeller festzunageln. Sollte Hertha – die Heiligen am Dom mögen es verhüten – tatsächlich verlieren, würde sich Köln vorerst nach oben verabschieden. Dann blieben exakt vier Bewerber um die drei ungeliebten letzten Ränge, Hertha mittenmang dabei.

Ich bin gespannt, mit welcher Elf Trainer Otto Rehhagel dieser Aufgabe begegnen wird….und mit der Aufstellung geht es hier gleich dann auch weiter. Also bleibt dran.

14.40 Uhr: Die Aufstellungen sind da:

Hertha: Kraft, Lell, Hubnik, Janker, Bastians, Kobiashvili, Perdedaj, Torun, Raffael, Rukavytsya, Lasogga.

Auf der Bank: Burchert, Mijatovic, Ottl, Ramos, Ben-Hatira, Niemeyer, Morales

15.30 Uhr: Hertha in schwarzen Hosen und mit rotem Auswärtstrikot (gab’s das in dieser Saison schonmal?). Köln ganz in Weiß. Los geht’s, weiter unten in den Kommentaren.