Rukavytsya schießt Hertha zum 1:0 gegen Bremen

(mkl) – Selten war die Erleichterung hier im Olmypiastadion so greifaber wie heute, nach diesem 1:0 (0:0)-Erfolg von Hertha BSC gegen den SV Werder Bremen. Zugegeben: Gerechnet hatte ich damit nicht, umso schöne ist es jetzt. Den Berlinern gelingt also durch ein sehenswertes Tor von Nikita Rukavytsya (64.) nach Flanke von Felix Bastians ein ganz wichtiger Sieg, der allerdings nicht zum Befreiungsschlag wurde, da auch die Konurrenz punktete: Kaiserslautern spielte 0:0 in Wolfsburg, Augsburg 2:2 in Hannover und Freiburg gewann gar 2:1 gegen Schalke.

Unter dem Strich steht Hertha ber weiterhin auf dem 15. Tabellenplatz. „Wir sind unwahrscheinlich erleichtert, es ist ein Sieg der die Hoffnung aufrecht erhält, dass es weiter an uns liegt, drei Mannschaften hinter uns zu lassen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Außer der Einzelkritik.

Thomas Kraft: Es gab eine Phase im Spiel, da lautete das Privatduell auf dem Platz: Claudio Pizarro gegen Herthas Torwart. Einmal traf Pizarro sogar, es war allerdings abseits. Die beste Szene hatte Kraft, als er in der 65. Minute gegen – na klar – Pizarro rettete, der alleine auf ihn zugelaufen kam. Schon in der ersten Hälfte hatte Kraft goldrichtig gestanden, als er in der 41. Minute gegen Marin klärte. Da wurde er zwar angeschossen, aber er machte die Ecke hervorragend zu. Endlich mal kein Gegentor, darüber hat er sich oft genug geärgert. Note: 2

Christian Lell: Die Rückkehr des Leaders nach seinem Muskelbündelriss war mit vielen Hoffnungen verbunden. Von ihm wurde erwartet, dass er der zuletzt wackeligen Berliner Defensive mehr Stabilität verleiht. Das gelang – aber im Spiel nach vorne dafür umso weniger. Lell hatte mit 71 die meisten Ballkontakte, doch er machte viel zu wenig daraus. Uns sind vor allem die zahlreichen hohen Abspiele auf Torun aufgefallen – viele waren zu hoch und damit nicht verwertbar. Gleiches galt für die Pässe auf Perdedaj, der nun auch nicht groß ist. Gönnen wir Lell ein bisschen Zeit zur Wieder-Eingewöhnung – und freuen uns über seine Rückkehr. Note 4

Roman Hubnik: Der Innenverteidiger hat zwar noch lange nicht zu alter Form zurückgefunden, doch der Auftritt gegen Bremen war schon wieder besser als seine Leistungen zuvor. Seine Statistik liest sich hervorragend: Mit 82 Prozent gewonnener Zeikämpfe war er bester Kämpfer auf dem Platz. Doch er erschien in manchen Situationen eben auch verwirrt, so in de 42. Minute, als ihn Rosenberg stehen ließ und flanken konnte. Oder wie in der 51. Minute, als er Torwart Kraft die Sicht nahm, sodass dieser einen einfachen Ball aus den Händen gleiten ließ. Andererseits hatte er wie immer in vielen kleinen Situationen ein Bein im Weg, stark auch sein Klären gegen den quirligen Marin in der 61. Minute an der Grundlinie. Insgesamt Note 3

Christoph Janker: Spielte nicht wie von vielen erwartet auf der „Sechs“, sondern als Innenverteidiger. Er stand dort sehr sicher, klärte trotz Maske viele Bälle mit dem Kopf. Für ihn galt wie für alle Herthaner: Er wollte seine Situationen einfach gewinnen. Note 3

Felix Bastians: Der Winterzugang findet sich immer besser auf seiner linken Abwehrseite zurecht. In der Defensive stand er sicher, einzig bei seiner Kopfabwehr in der ersten Hälfte stockte uns der Atem: Ein bisschen sah es so aus, als wolle er „den Hubnik“ machen. Tat er nicht, dafür leitete er sehr schön den Treffer ein. Bastians flankt selten, dann aber präzise – und fand in Rukavytsya einen dankbaren Abnehmer. Note 3

Fanol Perdedaj: Der Junge spielte ein hervorragendes Bundesliga-Debüt. In den ersten 20 Minuten zeigte er den Bremer Offensikünstlern gleich mal, wo der Hammer hängt – auch wenn er dabei doch etwas übermotiviert zur Sache ging. Er fuhr sich danach ein bisschen runter, das war auch gut, er hätte zu diesem Zeitpunkt schon Gelb sehen können. Marin? Pizarro? Rosenberg? Egal, der 20-Jährige warf sich in jeden Zweikampf und gewann sogar Kopfballduelle. Ein Spielverhalten, das ihm den Spitznamen „Gattuso“ eingebracht hat. Sein neuer Trainer Otto Rehhagel sieht es eine Nummer softer. Er nenne ihn „Paradise“, wie er nach der Partie bekannte – weil er sich den Namen nicht merken konnte. So verdient sich Fanol „Gattuso Paradise“ Perdedaj eine Note 2

Levan Kobiashvili: Die Matchwinner sind ja meistens diejenigen mit Torvorlagen oder eigenen Treffern. Meinetwegen, aber die Leistung des mit 34 Jahren ältesten Herthanern ist absolut eine eigene Erwähnung wert. Kobiashvili spielte mit einer unglaublichen Ruhe im defensiven Mittelfeld. Nach hinten machte er gut zu, und auch im Vorwärtsgang war er der Antreiber. Note 2

Tunay Torun: War etwas überraschend für Patrick Ebert auf der rechten Seite in die Startelf gerückt, der gar nicht berücksichtigt wurde. Um es kurz zu machen: Torun nutzte die Chance nicht, an diesem erfolgreichen Tag war er der einzige Ausfall, so leid es mir für ihn tut. Das Bemühen war zu sehen, aber kaum ein Ball von ihm kam an. Viel zu oft rannte er sich fest, einzig bei seinem wirklich knapp verzogenen Schuss in der 52. Minute setzte er einen Akzent. Note 4

Raffael: Der Brasilianer präsentierte sich gegenüber dem desolaten Auftritt in Augsburg deutlich verbessert, aber noch nicht in wirklich gute Verfassung. Aber seine Einstellung zu Zweikämpfen hatte er wohl gründlich überdacht. Er scheute keinen Körperkontakt und eroberte Bälle im Mittelfeld. War zentraler Angelpunkt der guten Szene vor Toruns Abschluss (52.), als er den Ball von Ramos prallen ließ. Für ihn gilt: Das war ordentlich, aber da geht noch mehr. Note 3

Nikita Rukavytsya: Der Australier hatte sich auf seiner linken Seite augenscheinlich viel vorgenommen. Immer wieder zog er schnelle Läufe auf seiner Seite an, klar, das kann er gut. Bemerkenswert: Wo er selbst normalerweise zu schnell für den Ball ist, bekam er das Spielgerät heute besser kontrolliert. Hatte mit zwei Torschüssen die meisten bei Hertha auf seinem Konto – und nun auch ein spektakuläres Tor. Den wollte er natürlich als Aufsetzer machen, ist doch klar. Hätte allerdings das 2:0 machen müssen. Wer aber nach so langer Durststrecke den Torfluch bricht, bekommt auf jeden Fall eine Note 2

Adrian Ramos: Der Kolumbianer hatte die erste Chance für Hertha per Kopf (13.), vergab aber. Danach tauchte er ziemlich ab, sieht man von seiner tollen Vorarbeit vor der Chance von Raffael und Torun (52.) ab. Insgesamt Note 4

Pierre-Michel Lasogga: Kam in der 61. Minute für Adrian Ramos, machte seine Sache aber auch nicht viel besser als dieser.

Alfredo Morales: Unter der Woche weilte er noch beim US-Camp, gegen Bremen kam er in der 77. Minute für Lell. Hatte eine unglückliche Kerze zu verantworten, die aber harmlos blieb.

Andre Mijatovic: Mit seiner Einwechslung in der 83. Minute rührte Rehhagel ordentlich Beton an. Dass Mijatovic noch Gelb sah und zwei Freistöße verursachte, dürfte seinem Trainer nicht gefallen haben.