0:1 gegen Dortmund: Herthas Kampf wird nicht belohnt

(mkl) Schade. So fassen wir das heute einfach mal zusammen. Hertha verliert also durch ein Tor von Kevin Großkreutz aus der 66. Minute 0:1 (0:0) gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund – war dabei aber lange Zeit ebenbürtig, in Phasen sogar das bessere Team. „Das ist sehr bitter“, sagte Kapitän André Mijatovic, „wir hätten uns einen Punkt verdient gehabt. Wir hatten die besseren Chancen, Dortmund war glücklicher.“

Herthas Interimstrainer René Tretschok warnte aber davor, die ordentliche Leistung seines Team zu verklären: „Bitte loben Sie uns nicht, davon können wir uns nichts kaufen. Es ist an der Zeit, dass wir mit dem Gewinnen anfangen.“ Stimmt, und doch darf man in diesen Tagen hervorheben, dass sich Hertha zumindest in einer ganz anderen Form präsentiere als noch beim 0:5-Debakel in Stuttgart. Selbst Jürgen Klopp zollte Respekt: „Das war heute ein ganz schweres Stück Arbeit. René Tretschok und Ante Covic haben unter der Woche offenbar gut gerührt und ihr Team hervorragend auf uns eingestellt“, sagte der BVB-Trainer.

Letztlich fasste die Erkenntnis des Abends wiederum Mijatovic zusammen: „Die Leistung heute bringt uns Hoffnung für die nächsten Spiele.“ Uns auch.

Die Einzelkritik.

Thomas Kraft: Ich weiß nicht, wie oft ich das jetzt nach Spielen schon geschrieben habe, aber der Torhüter war auch gegen Dortmund „die ärmste Sau“ auf dem Platz. Symbolisch der entscheidende Treffer: Hatte Kraft den Kopfball von Lewandowski noch mit einer Weltklasseparade von der Linie gefischt und an die Latte gelenkt, verfehlt er den (natürlich sehenswerten) Nachschuss von Großkreutz knapp. Kraft hätte, auch dank vieler kleiner guten Aktionen und einem beherzten Eingreifen im Herauslaufen in allerhöchster Not, der Held des Spiels werde können. So blieb er leider ein heimlicher. Note 3

Christoph Janker: Herthas „Maskenmann“ spielte auf der rechten Abwehrseite. Und machte seine Sache gut. Defensiv stand er sicher, im Vorwärtsgang ist Potential nach oben. Hatte mit 78 die meisten Ballkontakte bei Hertha. Mein Gefühl ist aber, dass er im Laufe der letzten Spiele immer selbstsicherer geworden ist. Zu wünschen wäre es ihm. Note 3

Roman Hubnik: Der Tscheche hatte auf Tretschoks Anweisung die Seiten mit Andre Mijatovic getauscht. Ohne erkennbaren positiven oder negativen Effekt. Hubnik warf sich in viele Zweikämpfe und stand sicher positioniert. In der 36. Minute stocherte er den Ball im Liegen in letzter Sekunde aus dem Strafraum. In der 41. stockte kurz der Atem, als er Piszczek den Ball im Strafraum abgrätscht – alles legal. Hubnik war mit 85 Prozent gewonnener Zweikämpfe Herthas bester Kämpfer. Ein grundsolider Auftritt, der nur durch ein kleines Absprachenproblem mit Kraft zu Beginn der Partie getrübt wird. Note 3

Andre Mijatovic: Herthas Kapitän stand speziell bei hohen Bälle recht sicher, am Boden präsentierte er sich ab und an etwas hüftsteif. 64 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er, ein ordentlicher Wert – aber eben deutlich niedriger als der von Hubnik. Er sollte laut Tretschok verstärkt am Spielaufbau teilnehmen, diese Hoffnung erfüllte sich indes nicht. Note 4

Felix Bastians: Der Winterzugang durfte auf der linken Abwehrseite ran. Er bekam es mit Blaszczykowski zu tun, wahrlich kein einfacher Job. Er hatte sein Gegenüber ganz ordentlich im Griff, wenngleich die ein oder andere gefährliche Flanke durchkam. Das kann man gegen einen Spieler dieser Güte wohl nicht verhindern. Auch das entscheidende Tor allerdings lief über seine Seite, hinzu kommen 13 Fehlpässe. Note 4

Peter Niemeyer: Herthas Defensivstratege gab erneut den Vorkämpfer knapp über der Grasnarbe und lief mit 11,5 Kilometern so viel wie sonst kein Berliner. Nahm 20 Zweikämpfe an – Bestwert auf dem Platz. Speziell in der Anfangsphase unterliefen ihm allerdings einige Flüchtigkeitsfehler. Beispielhaft ein „Pass“ aus der ersten Viertelstunde, der vollkommen unbedrängt beim Gegner landete. Gut, kann passieren, aber am Berliner Aufbauspiel hatte er keine heute keine Aktien. Note 4

Levan Kobiashvili: Der Georgier spielte zum ersten Mal überhaupt bei Hertha auf der „Sechs“. Und machte seine Sache ziemlich gut. Er klaute in seiner ruhigen Art einige Bälle, indem er einfach geschickt zum Gegner stand. Vor allem aber gefielen mir seine Bemühungen nach vorne. So hatte er mit Rukavytsya eine wirklich schöne Kombination (22.), Kobiashvilis Flanke kam zwar gefährlich, landete aber beim Gegner. Ein gelungener Auftritt. Note 3

Patrick Ebert: Herthas „Sorgenkind“ hatte wie immer Licht und Schatten in seinem Spiel. Ebert trat engagiert auf und hatte mit 28 Sprints so viele Antritte wie kein andere Spieler auf dem Feld. Beispielhaft sein starkes Nachsetzen an der Auslinie in der 17. Minute – leider wurde sein Einsatz nicht belohnt. Zweimal hatte er die Führung auf dem Fuß, scheiterte jedoch beide Male knapp unten links am Tor vorbei (50. und 53.). Im ersten Anlauf traf er den Ball nicht richtig, im zweiten Versuch hatte er einfach nur etwas Pech. Spielte aber eben auch satte 17 Fehlpässe. Er braucht mal wieder ein Erfolgserlebnis. Note 3

Raffael: Herthas Spielmacher gefiel mir heute vor allem in der Defensive gut. Er „klaute“ mehrfach den Ball und trug das Hertha-Spiel nach vorne. Einzig: Ein entscheidender Pass wollte auch ihm heute nicht gelingen. Spielte in der 53. Minute Ebert auf Rechts mustergültig frei. In der 58. Minute hatte er erneut einen Ball gut erobert, hätte vor dem Strafraum gegen vier Dortmunder aber besser abgespielt. Auch wenn er nicht die erhoffte Durchlschlagskraft hatte, war er doch das ordnende Element im Hertha-Angriff mit nur drei Fehlpässen. Note 3

Nikita Rukavytsya: Der Australier fand zunächst ordentlich ins Spiel – verließ dafür aber oft seine Position und wirbelte durch die Mitte. In den ersten 15 Minuten klappte das ganz ordentlich, da war mein Eindruck: Er bringt Schwung in das zuletzt irgendwie immer gleichförmige Spiel auf der linken Seite. Dann aber ebbte das alles ab, seine beste Szene hatte er im Zusammenspiel Kobiashvili (22.). Ein schöner Hackentrick – viel mehr bleibt nicht. Note 5

Adrian Ramos: Agierte nach langer Zeit erstmals wieder als einzige Spitze. Und der Kolumbianer machte seine Sache gut. Weniger als Vollstrecker, eher als hängende Spitze. Er ließ sich zurückfallen, fungierte als Anspielstation und schaltete sich in gefährliche Konter ein. Starke Übersicht vor Eberts erstem Abschlussversuch in der 50. Minute, den er mit einem Traumpass in den Lauf einleitete. Zuvor hatte er ganz stark den Ball erobert und durch drei Dortmunder Spieler gedribbelt. Letztlich aber auch ohne entscheidende Wirkung. Zwei Schussvorlagen stehen für ihn zu Buche, der zweitbeste Wert auf dem Feld. Note 3

Pierre-Michel Lasogga: Der Youngster kam in der 63. Minute für Rukavytsya. Dass er gleich zweimal Ellbogen seiner Gegenspieler einstecken musste, zeigt, wie ernst er inzwischen genommen wird. Er kämpfte, konnte aber keine wirklichen Impulse setzen.

Ronny: Der Brasilianer kam in der 74. Minute für Bastians, er trat noch drei Standards –alle eher schwach.