UPDATE: Hertha verhandelt mit Rehhagel

(ub) – Deutschland sucht einen Bundespräsidenten, Hertha sucht einen Cheftrainer. Und zwischendrin wird Fußball gespielt. Ehe es zum Spiel geht, ein Update vom Abend. Nach übereinstimmenden Informationen von Bild.de, sportbild.de und morgenpost-online bemüht sich Hertha BSC um die Dienste von Otto Rehhagel. Die Bild berichtet in der Samstagsausgabe, dass Manager Michael Preetz und Präsidente Werner Gegenbauer sich mit dem ehemaligen Nationaltrainer von Griechenland und Europameister von 2004 in Düsseldorf getroffen haben. Nach dem Bundesliga-Spiel am Samstag gegen Borussia Dortmund soll eine Entscheidung getroffen werden, ob der73-Jährige Hertha bis zum Saisonende betreut.

Beate Rehhagel wollte immerhertha.de auf telefonische Anfrage den Vorgang weder bestätigen noch dementieren: „Wir sitzen gerade bei einer privaten Feier. Hier sind lauter Leute um mich herum. Ich kann jetzt nicht reden.“

(unten gibt es eine Clickshow)

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Hertha empfängt den Deutschen Meister. Eine Begegnung mit vielen unbekannten Variablen. Hertha hat mit Rene Tretschok erneut einen Interimstrainer auf der Bank.

Wir alle wissen nicht, welche Taktik, Tretschok bevorzugt. Ist er jemand, der viel ändert? Oder jemand, der jegliches Risiko vermeiden wird?

Klar ist, nach zehn Bundesliga-Spielen ohne Erfolg dürstet es Hertha nach einem Sieg (Achtung: Symbolfoto/ub )

Tretschok muss in jedem Fall umbauen. Nachdem an dieser Stelle in der Vorwoche die Aufstellung exakt gestimmt hat und in der Vorwoche die grundlegende Tendenz richtig war, versuche ich mich nochmal als Tretschok-Versteher.

Hertha mit der Weltmeister-Taktik

Bei der gestrigen Abstimmung haben 76 Prozent für ein 4-4-2-System gevotet. Ich bin bei den 24 Prozent, die sich für ein 4-2-3-1 entschieden haben. Dieses System, das Weltmeister Spanien international durchgesetzt hat, hat Hertha durchgehend in dieser Saison gespielt. Zudem geht es gegen die laufstarken Dortmunder darum, in der Spielfeldmitte möglichst kompakt zu stehen.

Das Aufstellungspuzzle ohne Ottl und Lustenberger

Der Trainer im Profigeschäft als solcher ist vorsichtig. Er tendiert nicht dazu, verrückte Experimente zu machen. Tretschok fehlen die verletzten Christian Lell, Fabian Lustenberger, Maik Franz sowie der Rot-gesperrte Andreas Ottl. Die Schlüsselüberlegung dreht sich um die Doppel-Sechs. Peter Niemeyer ist gesetzt. Glaube nicht, dass der Interimstrainer sich an das Experiment Fanol Perdedaj wagt, der bisher 0 Bundesliga-Minunten gespielt hat. Somit kommen als zweiter Sechser Christoph Janker in Betracht. Oder Raffael. Gegen Dortmund braucht es laufstarke, bewegliche Doppelsechser, die in die Zweikämpfe gehen. Deshalb ist ein Einsatz von Ronny oder Kobiashvili auf dieser Position für dieses Spiel nicht wahrscheinlich.

Die Personalien Janker und Raffael sind auf doppelte Weise aneinander gekoppelt. Janker kommt für zwei Positionen in Frage: im defensiven Mittelfeld oder rechts in der Vierer-Kette anstelle von Morales. Aber selbst ein Janker in Topform kann nur eine Position bekleiden

Morales hat das in seinen ersten beiden Spielen gut gemacht. Beim 0:5 in Stuttgart war er überfordert, Janker kam – in der zweiten Hälfte beim VfB stand die rechte Seite von Hertha einigermaßen. Deshalb wird Janker erneut rechts in der Vierer-Abwehrkette spielen, um da Stabilität und Robustheit zu haben.

Wenn man Raffael auf die Doppelsechs zurückzieht, bleibt die Frage, wie das kreative Loch zu füllen ist, das der Brasilianer in offensive Mittelfeldreihe hinterläßt?

An dieser Stelle ziehe ich meinen Joker. Alle bisherigen Hertha-Trainer haben gehört, dass der Morales ein vielseitiger Typ ist. Gespielt hat er jedoch nur als rechter Verteidiger. Rene Tretschok ist der erste Hertha-Trainer, der Morales in seiner eigenen Jugendmannschaft gesehen hat: Als Stürmer. Und als Zehner. Und Morales hat bei seinen wenigen Bundesliga-Einsätze so gespielt, wie es im Profigeschäft verlangt wird: Ballsicher, sachlich, technisch sauber. Und sehr beweglich.

Tretschok mauert

In der Pressekonferenz wollte Tretschok partout nichts blicken lassen. Bei einem Satz bin ich aber hellhörig geworden. Tretschok sagte:

„Wir haben uns etwas vorgenommen. Mal schauen.“

Meine kühne These: Raffael wird als schlauer Zweikämpfer auf die Doppel-Sechs neben Niemeyer zurückgezogen. Und Morales wird den Überraschungs-Zehner geben.

Was bleibt, ist eine Frage, wo mir beide Varianten gleich wahrscheinlich erscheinen: Im Sturm gibt es am Einsatz, an der Bereitschaft von Pierre-Michel Lasogga nichts auszusetzen. Ich erwarte Hertha aus einer defensiven Grundausrichtung. Deshalb würde die Laufstärke von Adrian Ramos in der Spitze besser passen. Aber er hat sich zuletzt nicht aufgedrängt.

Die immerhertha-Aufstellung:

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Janker – – – Hubnik – – – – Mijatovic – – – Kobiashvili

– – – – – – – – Niemeyer – – – Raffael – –

Ebert – – – – – – – – – Morales – – – – – – – – Bastians

————— Ramos – – – – – –

P.S. Wer am Samstag im Olympiastadion dabei ist: Bei der Anreise mehr Zeit als sonst einplanen. Der BVG-Streik wird einige Auswirkungen haben. Die S-Bahn will im kürzenen Takt und mit längeren Zügen fahren. Tut Euch und Euren Nerven einen Gefallen: Rechtzeitig aufbrechen. Das Olympiastadion wird um 13.30 Uhr geöffnet, Anstoß ist um 15.30 Uhr.