Neumanns bitteres Debüt bei Herthas 0:1 gegen Hannover

(mkl) – Der Frust bei Peter Niemeyer saß tief. Als einer von wenigen Spielern stellte sich Herthas Defensivstratege den Fragen der Reporter. Ja, sagte er, „die Enttäuschung ist natürlich riesig. Wir haben grundsätzlich ein gutes Spiel gemacht und wenig zugelassen. Dann entscheidet das Spiel ein Sonntagsschuss.“ Ja, so konnte man Herthas 0:1 (0:0) gegen Hannover 96 wohl zusammenfassen. Normalerweise hätten die Spieler wohl gesagt: Pech gehabt, weitermachen. Weil Hertha aber nunmehr seit neun Ligapartien nicht mehr gewonnen und unter dem neuen Trainer Michael Skibbe gar nur verloren hat, mutet die Situation tatsächlich dramatisch an.

Auch Skibbes Einschätzung zeigte, dass Hertha einmal mehr nur eine wirklich gute Halbzeit abgeliefert hatte. „Die erste Hälfte hat nicht den Ertrag gebracht, den sie verdiente“, so der Trainer, „wir hätten in Führung gehen können, vielleicht müssen.“ So bleibt eine bittere Niederlage, zumindest bis morgen Rang 15 – und die Gewissheit, dass sich die Mannschaft vor allem in der Coolness vor dem Tor dringend steigern muss, um im Pokal am Mittwoch gegen Borussia Mönchengladbach bestehen zu können.

Die Einzelkritik.

Thomas Kraft: Herthas Torwart konnte sich nicht auszeichnen, einmal mehr eine sehr undankbare Partie für Kraft. Beim Gegentor von Abdellaoue war er wohl machtlos, wenn er auch ein bisschen weit vor dem Tor stand. Bei einem solch sehenswerten Treffer ist die Schuld aber nicht beim Torwart zu suchen. Note 4

Alfredo Morales: Der 21-Jährige gehörte zu den Gewinnern des Tages. Er machte für sein Startelf-Debüt in der ersten Mannschaft ein durchweg solides Spiel. Besonders gefiel mir, wie präsent er von der ersten Minuten an auf der rechten Abwehrseite agierte. Die Vorstöße nach vorne blieben aus – was nicht ist, kann ja noch werden. Mit 68 hatte er zumindest schon einmal die meisten Ballontakte bei Hertha. Note 3

Roman Hubnik: Grundsätzlich zeigte der Tscheche eine ansprechende Leistung, gewohnt solide Partie von ihm. Wäre da nicht die Szene vor dem Gegentor, bei dem er Abdellaoue vor seinem Superschuss nur Geleitschutz gibt. Hatte in der 82. Minute per Kopf eine sehr gute Möglichkeit. Note 4

Sebastian Neumann: Der junge Verteidiger hatte so lange auf seine erste Chance in der Bundesliga gewartet. Und dann das. Der 20-Jährige tut mir nach seiner Gelb-Roten Karte wahrlich leid. Erst riss er Abdellaoue um (27.), dann foulte er Schlaudraff (75.). Dazwischen aber gelang ihm eine gute Partie, in der 40. Minute klärte er in höchster Not, aber genauso konzentriert einen gefährlichen Pass von Schlaudraff. Auch sein Kopfball- und Stellungsspiel gefiel mir. Was gibt man nun einem jungen Mann nach einer ordentlichen Partie mit ungewollt bösem Ausgang? Eine Note 4

Levan Kobiashvili: Herthas Linksverteidiger zeigte, dass Skibbe zurecht einmal mehr auf den Routinier gesetzt hatte. Er ließ auf seiner Seite nichts anbrennen und wirbelte zudem noch einen der besten Hertha-Angriffe ein: An der Grundlinie setzte er sich mustergültig durch und bediente Peter Niemeyers Kopf, der das Tor aber verfehlte (12.). Note 3

Andreas Ottl: Das Spiel des Defensivmannes hat mir heute nicht so gut gefallen. Hat er sonst immer mal wieder einfach, aber effektive Pässe im Repertoire, fiel er aus meiner Sicht deutlich hinter seinem Kollegen Peter Niemeyer ab. Trotzdem: Nach hinten ließ er auch nichts anbrennen. Note 4

Peter Niemeyer: Der Schlacks gefiel mir vor allem in der ersten Hälfte richtig gut. Er ackerte bis zum Umfallen, warf sich in jeden Ball und schaffte es dabei noch, immer wieder gefährlich nach vorne zu spielen. In der 12. Minute kam er sogar per Kopf selbst zum Abschluss, verfehlte aber. In der zweiten Hälfte ließ er etwas nach, musste sich aber nach dem Platzverweis gegen Neumann als Innenverteidiger neu ordnen. War mit 89 Prozent gewonnenen Zweikämpfen Herthas bester Kämpfer. Insgesamt: Note 3

Patrick Ebert: Herthas ewiges Talent zeigte vor allem in der ersten Hälfte ein richtig gutes Spiel. Er war für mich bis zum Pausenpfiff der beste Herthaner auf dem Platz. Das Zusammenspiel mit der Zentrale und Fabian Lustenberger klappte gut, gleich in der 9. Minute spielte er Lustenberger frei, der aber im Abseits stand. Höhepunkt seiner guten, aber eben nicht gekrönten ersten Halbzeit war der Kopfball in der 34. Minute nach toller Vorarbeit von Lasogga, den er mustergültig gegen die Laufrichtung spielte – aber eben auch knapp neben das Tor (34.). Neben seinen Offensivaktionen fiel er mir heute vor allem dadurch auf, dass er Alfredo Morales an die Hand nahm. Ebert sicherte mit nach hinten ab und dirigierte seinen jungen Kollegen geduldig bei Standards – ich spare mir jetzt mal das „Es sieht so aus, als…“, nein, das haben wir schon zu oft gedacht. In der zweiten Hälfte fehlte Ebert dann etwas der Zug, in der 66. Minute kam für ihn Ronny. Note 3

Fabian Lustenberger: Neben Ebert Herthas bester Spieler gegen Hannover. Hatte ich ihn in seinem 45-minütigen Kurzeinsatz auf der Zehn gegen Hamburg noch kritisiert, muss ich heute sagen: Respekt. Lustenberger spielte viele kluge Pässe, er verteilte schnell und gut, und vor allem band er Pierre-Michel Lasogga endlich wieder ans Spiel an. Der Stürmer hatte zuletzt viel zu wenig Bälle gekommen. Lustenberger und Lasogga gefielen mir im Zusammenspiel richtig gut – schade, dass einige sehenswerte Kombinationen nicht von Erfolg gekrönt waren. Note 2

Adrian Ramos: Der Kolumbianer tat speziell in den ersten 45 Minuten viel zu wenig für die Offensive, hier fiel er regelrecht ab im Vergleich zu seinen Teamkollegen. Ging er ohne Ball mit nach vorne, stimmten zumeist die Laufwege nicht, er verhinderte zweimal gute Konter (34. und 59.). In der 41. Minute lief er, hervorragend von Lustenberger freigespielt, auf das Tor zu, legte dann quer. Gut gemeint und an sich lobenswert, in dieser Szene aber hätte er urig selbst schießen sollen – die Chance verpuffte, weil Lasogga nicht mehr an den Ball kam. Hinzu kommt noch sein Wegrutschen vor der (so verpassten) Chance zum Ausgleich in der 85. So etwas ist menschlich und kann passieren, fügt sich aber ins Bild einer insgesamt schwachen Vorstellung. Note 5

Pierre-Michel Lasogga: Herthas Stürmer fand – eben auch in Verbindung mit Ebert und Lustenberger – deutlich besser ins Spiel als zuletzt. Mit Lustenberger kombinierte er ein ums andere Mal, seine tolle Vorarbeit vor Eberts Riesenchance (34.) war sehenswert. In der 41. Minute hatte er Pech, dass er nach Ramos Abspiel im Sechzehner nicht richtig an den Ball kam und sein abgeblockter Schussversuch vom Knie noch kurz vor der Linie geklärt wurde. So bleibt eine Note 3

Ronny: Der Brasilianer kam in der 66. Minute für Patrick Ebert, wechselte aber auf links. Seine beste Aktion war der Freistoß zur Kopfballchance von Roman Hubnik (82.).

Nikita Rukavytsya: Der Australier kam in der 83. Minute für Andreas Ottl, brachte aber nicht mehr wirklich viel Schwung ins Spiel nach vorne.