Hertha sucht gegen den Lieblingsgegner das Heil in der Defensive

(ub) – Wolfgang Fahrian. Otto Rehhagel. Jürgen Sundermann. Willibert Kremer. Uwe Klimaschewski . . . diese Herren und andere waren es, die die Serie im Dezember 1964 begannen. 1:1 endete damals die Partie zwischen Hertha BSC und Hannover 96. Der Beginn einer ziemlich einseitigen Freundschaft. Die Niedersachsen sind der so etwas wie in der Lieblingsgegner von Hertha. In den knapp fünf Jahrzehnten haben die Berliner lediglich ein Heimspiel gegen 96 verloren (2:3 im September 2003).

Herthas Heimbilanz gegen Hannover: 10 Siege, fünf Unentschieden, eine Niederlage.

Der Lieblingsgegner kommt gerade recht. Die Blau-Weißen sind seit acht Spielen ohne Sieg. Und haben seit neun Partien nicht mehr zu Null gespielt. Vom Abschlusstraining, das heute um 15 Uhr begann, gibt es beruhigende Kunde: nix passiert. Alle Profis sind gesund geblieben. Die Verhältnisse im und um das Olympiastadion herum sind trotz des Schneefalls der vergangenen Nacht so, dass es heißt: Die Austragung der Bundesliga-Partie am Samstag um 15.30 Uhr ist nicht gefährdet.

Habe nochmal Eure Argumente zum Thema Taktik vom gestrigen Blogeintrag nachgelesen (Foto: ub/Eingangstür zum Presseraum).

Und glaube, dass, Trainer Michael Skibbe sich für eine Defensivtaktik entscheiden wird. Getreu der alten Fußball-Weisheit, dass bei einem Negativlauf als erstes die Defensive zu festigen ist. Dass die zuletzt mehrfach gewackelt hat, ist unstrittig. Dass dieses Unterfangen zudem schwierig wird, wenn mit Alfredo Morales und Felix Bastians zwei Spieler in der Abwehrreihe stehen, die dort noch nie gespielt haben, liegt ebenfalls auf der Hand.

Der Trainer sagte dazu:

„Es ist ganz wichtig, dass wir eine große defensive Stabilität zeigen. Jeder ist aufgefordert, seine Leistung erstmal in der Defensive zu bringen. Und aus einer gut geordneten Defensiven wollen wir konstruktiv nach vorn spielen. Uns darf gegen Hannover nicht passieren, was gegen Hamburg der Fall war: Dass der Gegner viel zu viele Chancen hat. Und wenn man dann einem Rückstand hinterläuft, das wird immer schwieriger. Deshalb wollen wir lange ohne Gegentor bleiben. Und dann werden wir irgendwann das entscheidende Tor erzielen.“

Meine Meinung: Das läuft auf ein System mit drei defensiven Mittelfeldspielern hinaus, sprich den 4-3-2-1-Tannenbaum. Um sowenig Bälle wie möglich überhaupt in die Gefahrenzone vor dem eigenen Tor durchzulassen.

Die Sehnsucht nach Berliner Jungs

Schon klar, dass das für eine Heimmannschaft eine ungewöhnliche Ausrichtung ist. Eine allerdings, mit der sich Hannover in der vergangenen Saison bis kurz vor die Champions-League-Plätze gespielt hat ). Fand es interessant, dass Skibbe diesen Umstand, der ein eher zerfahrenes, unruhiges Spiel im Mittelfeld erwarten läßt, mit den Jungen verbindet. Der Trainer forderte explizit Geduld und wohlwollende Begleitung der Fans, selbst, wenn es mal etwas unansehnlicher werden sollte.

„Ich hoffe, dass unsere Fans besonders die Jungen unterstützen. Und mal den einen oder anderen Fehler verzeihen, sollte ein Pass nicht ankommen, weil der Fuß vielleicht etwas wacklig ist.“

Das ist ein cleverer Schachzug. Wir alle wissen, wie groß die Sehnsucht in der Stadt nach Berliner Jungs ist. Alfredo Morales, Herthas Mann aus dem Wedding, wird sein Startelf-Debüt geben. Sebastian Neumann, in Kreuzberg aufgewachsen, sitzt zumindest auf der Bank. Die bekommen ebenso Kredit wie Felix Bastians, der seinen Einstand geben wird.

Dazu wird das Motto heißen: Erst kämpfen. Dann spielen. Eine Fußball-Gala steht zwischen Hertha und Hannover nicht zu erwarten. In diesem Zusammenhang Geduld und Unterstützung von den Anhängern zu erbitten, das hat was.

Eure Meinung: Ziehen die Fans im Olympiastadion da mit? Oder wird es wieder Mitte der ersten Hälfte heißen (wie gegen den HSV): ‚Wir wolln euch kämpfen sehen‘ ? Wieviel Sachverstand haben Anhänger?

P.S. Die vergangenen vier Heimspiele gegen Hannover hat Hertha gewonnnen. Alle ohne Gegentor