Eine Premiere und der Wunsch nach Wiedergutmachung zum Start der Rückrunde

(sto) – „Diesmal“, sagt Christian Lell, „wollen wir es besser machen.“

Da steht es nun, das Versprechen des Interimskapitäns vor dem Rückrundenstart am Samstag in Nürnberg, und „besser machen“ meint: Besser als am ersten Spieltag, beim desaströsen 0:1 zum Saisonstart gegen denselben Gegner, als die größten Pessimisten den Aufsteiger Hertha BSC prompt zum ersten Absteiger der Saison 2011/12 deklarierten.

Geht es nach Lell, steht der Rückrundenstart zumindest zu Teilen also unter dem Motto Wiedergutmachung.

Doppelt besondere Rückkehr für Andreas Ottl

Ein wenig anders beurteilt Kollege Andreas Ottl die Lage. Er will nicht mehr wirklich auf den vermaledeiten Tag im August vergangenen Jahres zurückblicken. „Es war unser schrecklichstes Spiel bis jetzt in dieser Saison“, sagt er unumwunden, sieht darin rückblickend aber zugleich „eine Warnung zum richtigen Zeitpunkt. Wir wollten zu viel auf einmal und haben darüber die Basics vergessen“. In der Tat machten Ottl und Kollegen es fortan nie mehr so schlecht wie gegen Nürnberg.

Der Auftakt der zweiten Saisonhälfte geht einher mit der Premiere von Michael Skibbe als Cheftrainer der Blau-Weißen. Neuer Trainer, andere Spieler – ein anderes Spiel. „Nicht Wiedergutmachung ist unsere Intention“, sagt Ottl also: „Sondern Punkte.“ Einer würde den Konkurrenten Nürnberg in der Tabelle schon auf Abstand halten, deren drei wären freilich noch besser. „Wir wollen gleich von Beginn an auf Touren kommen“, sagt Ottl.

Für den Ex-Münchner ist es nebenbei gesagt eine im doppelten Sinne besondere Rückkehr nach Franken. Als Leihspieler des FC Bayern verhalf er dem FCN im Berliner Abstiegsjahr 2009/10 zum Klassenerhalt verhalf. „Eine Riesenaufgabe“ war das, an die er eine „super Erinnerung“ habe, sagt Ottl. Und als er zum bis dato letzten Mal in Nürnberg war, wurde einen Tag nach einem unbefriedigenden 1:1 Trainer Louis van Gaal gefeuert.

Fortentwicklung „in Nuancen“

Nach 17-tägiger Vorbereitung fühlen Trainer und Spieler sich ausreichend präpariert für den Re-Start. Es gab nach dem Stabwechsel an Skibbe wenig Grundsätzliches zu verändern. „In Nuancen“ sieht Ottl das Team dennoch gegenüber der Hinrunde fortentwickelt. Was das Pressing gegen den Ball angeht und auch das Umschaltspiel in beide Richtungen.

Das Sportliche ist eine Komponente. Und wie ist es um die Mentalität der Mannschaft bestellt? Denn anzunehmen ist, dass sich nach der öffentlich ausgetragenen Schlammschlacht von Klub und Ex-Trainer Babbel am Samstag viele Blicke darauf richten werden, wie Herthas Spiel eins nach einer der wohl unnötigsten Trainerentlassungen der Bundesliga-Geschichte verläuft. Aber da winkt Ottl erst recht ab: „Es haben gegen Ende der Hinrunde alle gesehen, mit welchen Stresssituationen die Mannschaft umgehen kann. In Hoffenheim und auch im Pokal gegen Kaiserslautern haben wir unter schwersten Umständen Charakter gezeigt. Egal, welcher Rummel uns umgibt – das lenkt uns nicht ab.“

Bis hierhin ist Ottl in der Hinsicht nicht zu widersprechen. Und was die kurzfristige Perspektive angeht: Selten war ich persönlich so überzeugt, dass Hertha zu einem relativ leichten Auswärtssieg kommen wird. Das hat nun, wie @fg gleich wieder behaupten wird, damit zu tun, der Clubberer in mir wolle die blau-weiße Seele in Sicherheit wiegen. Nein, Nürnbergs Personalsorgen in Kombination mit den durch den Skibbe-Effekt noch verstärkten, generell guten Berliner Grundtugenden lassen mich an ein 3:0 glauben. Hugh, der Blogpappi hat gesprochen.

Sky90 mit Franz Beckenbauer und Markus Babbel

Zum Schluss aus gegebenem Anlass noch ein Fernsehtipp für das Wochenende: Sonntagabendhat Markus Babbel seinen ersten öffentlichen Auftritt seit der Entlassung bei Hertha. Ab 19.30 Uhr ist er – genau wie, so ein Zufall, Franz Beckenbauer – zu Gast bei Sky90. Dritter Gast in der Runde ist Alfred Draxler, stellvertretender „Bild“-Chefredakteur. Wer also eine Wohlfühlrunde für Babbel erwartet, dürfte nicht enttäuscht werden. . .