Michael Preetz oder Gar nicht so einfach, den richtigen Führungsstil zu finden

(ub) – Berlin im Schneeregen. Habe etwas Bedenken, wie die Stadt bei unseren Besuchern aus der Schweiz und Kanada ankommt, die heute zu Fuß durch das Regierungsviertel inklusive Besuch der Reichtagskuppel pilgern. 3300 Kilometer südlich von Berlin erholt sich Michael Preetz bei sonnigen 25 Grad von den Turbulenzen der vergangenen Hertha-Wochen. Er ist Geschäftsführer, verantwortlich für Sport und Kommunikation/Medien. Über mangelnde Kritik brauchte er sich nicht zu sorgen.Von einer „Schmierenkomödie“ schrieb die Süddeutsche Zeitung und vom Kommunikations-Desater, bei dem Preetz „kolossal gescheitert“ sei. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) attestierte Preetz und Präsident Werner Gegenbauer die Abwesenheit von Stil und Klasse bei Hertha.

Kurz vor Weihnachten wurden die Auseinandersetzungen mit Ex-Trainer Markus Babbel zumindest nach außen mit einer gemeinsamen Presseerklärung beigelegt. Mit Michael Skibbe hat der Manager zeitnah einen neuen Cheftrainer präsentiert.

Die Bilanz des Managers 2011

Wie fällt Eure Bilanz von der Arbeit des Managers im Jahr 2011 aus? Er hatte die Bestellung von Babbel zu verantworten. Mit dem Ex-Trainer gemeinsam die Kaderzusammenstellung für die Zweitliga-Saison, die mit dem Aufstieg geeendet hat. Preetz ist für den aktuellen Kader mitverantwortlich. Und natürlich gehören auch die letzten sechs Wochen des Jahres mit zu seiner Bilanz.

Als Journalist erlebe ich seinen Kommunikationsstil als zurückgenommen. Nicht zufällig überlässt er das Mikrofon bei öffentlichen Auftritten zumeist dem Trainer. Preetz findet es nicht wichtig, dass in jedem Zeitungstext über Hertha seine Sicht der Dinge auftauchen muss. Er will, dass Dinge vernünftig organisiert sind. Wie etwa die Kiez-Auftritte bei „Hertha hautnah“ oder dass die Profis sich vor der Mitgliederversammlung unters Volk mischen und dort anfaßbar werden. Preetz ist ein Teamarbeiter. Nicht zufällig bedankt er sich bei seinen Reden vor den Mitgliedern bei seinen Mit-Geschäftsführern Schiller und Herrich sowie den Mitarbeitern der Geschäftsstelle.

Solange es keine Probleme gibt, wird dieser Führungsstil goutiert. Falls die See aber unruhig wird, steht der Vorwurf der mangelnden Führungsstärke rasch im Raum. Zurecht? Oder belegt das Herbeiführen von raschen neuen Lösungen, wie die Verpflichtung des neuen Cheftrainers, dass Preetz im Hintergrund viel weiter für Hertha unterwegs ist, als es nach außen scheint.

Skandalverein oder seriös geführt

Anders gefragt: Welcher Führungsstil ist der passende für Hertha BSC? Da braucht man gar nicht auf den Vorgänger von Preetz zu schauen: Wie werden andere Bundesligisten gemanagt?

Zum Vergleich: Hertha hat seit 2009 keinen Vorsitzenden der Geschäftsführung mehr. Die Leitung sieht so aus: Das Präsidium mit Präsident Werner Gegenbauer (ehrenamtlich) und eine hauptamtliche Geschäftsführung Preetz und Schiller, die formal gleichberechtigt sind.

Wie ist es um die Reputation von Hertha bestellt: Haben die vergangenen sechs Wochen die Entwicklungen der anderthalb Jahre seit dem Abstieg hinweggefegt? Oder eher kräftig beschädigt? Oder reichen nach dem Erfolg im DFB-Pokalachtelfinale (3:1 gegen Kaiserslautern) drei, vier vernünftige Bundesliga-Resultate – und dann fährt das Hertha-Schiff wieder im normalen Fahrwasser?

* Bei Paris St. Germain hat im Sommer 2011 Quatar Investment Authority 70 Prozent der Klubanteile übernommen. Und allein in der ersten Transferperiode 89,3 Millionen Euro investiert. Der Klub ist Erster der Ligue 1, trotzdem wurde mit Carlo Ancelotti am heutigen Freitag ein neuer Trainer vorgestellt (Jahresgehalt: sechs bis sieben Millionen Euro). Bis Ende Januar will PSG weitere prominente Namen verpflichten: David Beckham sucht ein Haus in Paris, die Rede ist von Pato (AC Mailand) und Carlos Tevez (Manchester City).