Kraft, Hubnik oder Lasogga - wer wird Hertha-Spieler des Jahres 2011?

(sto) – Ladies and Gentlemen, es ist soweit: 2011 geht dem Ende entgegen, und wir haben jene drei Bewerber ermittelt, die nun für den exklusiven Titel des Immerhertha-Spieler des Jahres kandidieren. Alles, was von euch bis hierhin gesagt worden ist über die Vorauswahl-Sieger Thomas Kraft, Roman Hubnik und Pierre-Michel Lasogga, ist und bleibt richtig. Aber nun heißt es: Es kann nur einen geben!

Einer von euch schrieb, dass Lasogga, so er denn den Vorentscheid in der Offensive gewinnen sollte, dann sicher auch Spieler des Jahres würde. Wirklich? Ich bin mir nicht so sicher. Gewiss, müsste ich nun einen Außenseiter prognostizieren, so wäre es wahrscheinlich die größte Überraschung, wenn Hubnik in der Abstimmung durch euch die beiden anderen hinter sich lässt. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass Kraft trotz nur erst einer Halbserie im Hertha-Trikot nicht chancenlos sein wird.

Ehe ihr für euren Favoriten stimmt und in der Diskussion eure Argumente pro und contra die drei Bewerber darlegt – lasst uns zurückblicken auf ein paar besondere Momente, die mir aus dem Jahr 2011 in Erinnerung geblieben sind.

The Nominees are…

Thomas Kraft: Kaum jemand bekam mit, wie sehr der Zugang vom FC Bayern sich quälen musste, um bei Herthas Rückkehr in die Bundesliga, dem Saisonstart gegen den 1.FC Nürnberg, (trotz einer Sprunggelenkverletzung) dabei sein zu können. Aber Kraft wollte sowohl seine neuen Teamkollegen unterstützen, als auch auf dem Rasen das Fluidum eines gespannt-erwartungsfrohen Olympiastadions erleben. Die physische Härte des Torwarts wurde nochmals in Wolfsburg deutlich, als er sich erst eine halbe Stunde nach dem ursächlichen Zusammenprall wegen Gehirnerschütterungssymptomen auswechseln ließ.

Aber Kraft ist nicht nur hart. Vor allem ist er gut. Anfangs liefen die Dinge oft noch gegen ihn. Die Abwehr ließ wenig zu, aber dieses Wenige führte meist prompt zu (unhaltbaren) Gegentoren. Nur einmal, in Bremen, patzte Kraft merklich. Als danach die defensive Stabilität schwand, war er wieder das schwächste Glied in der Kette – hielt Hertha bei den vielen Unentschieden aber schon da den einen oder anderen wichtigen Punkt fest.

Seine stärkste Phase hatte Kraft gegen Ende der Hinrunde: In Freiburg und Kaiserslautern, gegen Schalke und in Hoffenheim, besonders aber auch im Pokalspiel gegen Lautern zeitigte er einige Paraden, denen nicht viel fehlte zu Weltklasseniveau. Meist waren es flache Schüsse aus kurzer oder kürzester Distanz, Kraft aber war blitzschnell unten und fischte die Dinger irgendwie noch weg.

Roman Hubnik: Im Nachhinein können wir alle drüber schmunzeln. Aber der perfekt eingesprungene Hechtsprung des Tschechen, der zu seinem frühen Eigentor auf dem Betzenberg führte, dürfte in kaum einem der zahlreichen TV-Rückblicke auf diese Hinrunde fehlen. Am Ende spielte Hertha in Lautern genauso 1:1 wie im folgenden Auswärtsspiel in Hoffenheim – und auch da traf Hubnik, aber in der Nachspielzeit und mit dem Fuß und vor allem ins richtige Tor. Es war das erste und bislang einzige in der Bundesliga des Innenverteidigers, der schon in Herthas Abstiegsjahr zur festen Größe in Herthas Hintermannschaft geworden war.

Im Zweitligajahr wurde das Olympiastadion in drei aufeinanderfolgenden Spielen – im Derby gegen den 1.FC Union, gegen Cottbus und gegen Frankfurt – zu Hubniks persönlicher Jubelbühne. Unvergessen sein Babyjubel gegen Frankfurt, als er Ehefrau Lucie grüßte, die in Olmütz schon der Geburt von Söhnchen Patrik entgegensah.

Defensiv in den allermeisten Fällen eine sichere Bank (kann man das heutzutage überhaupt noch so sagen?), aber auch vorne immer mal wieder torgefährlich – diese zusätzliche Qualität ist, was Hubnik durchaus abhebt selbst von so prominenten Vorgängern wie Josip Simunic oder Arne Friedrich . Denn zu ihrer Zeit waren beide Innenverteidiger zwar in etwa so groß wie Hubnik und Mijatovic heute, aber in etwa so torgefährlich, wie der Zusammenstoß mit einem Wattebausch lebensgefährlich sein kann (Mir gefällt der Sub-Text nicht/Anmerkung ub ).

Pierre-Michel Lasogga: Nach nur sieben Minuten im ersten Spiel des Jahres 2011 brachte der Shootingstar das blau-weiße Aufstiegsunternehmen mit seinem 1:0 in Oberhausen auf Kurs. Das anschließende 2:1 war dann ein typischer Lasogga: niemals aufgeben, Wille pur – und auch schmucklose Tore zählen im Fußball. Insgesamt traf der damals noch 19-Jährige in acht seiner 14 Rückrundeneinsätze der Zweitligasaison – eine fulminante Quote für einen Spieler im ersten Profijahr.

In der Bundesliga vergingen zwei für Lasogga quälend lange Spiele, ehe er in Hannover zum ersten Mal auch in der höchsten deutschen Spielklasse jubeln durfte – und wie: Eingewechselt in Minute 61, traf er sieben Minuten vor Schluss zum 1:1 und feierte diesen Premierentreffer ekstatisch jubelnd vor dem Gästefanblock. Gegen Köln und Leverkusen traf er anschließend jeweils doppelt, in Wolfsburg (3:2) gelang ihm zwar „nur“ der Siegtreffer, doch war er zuvor auch Wegbereiter des 1:0 (Raffael) und 2:1 (Foulelfmeter Kobiashvili).

Ihr habt die Wahl

Jetzt gilt’s: Der Toreverhinderer Kraft? Oder sein wichtiger Vorarbeiter Hubnik? Oder eben doch Lasogga, weil der für das sorgt, was uns am Fußball die größte Freude bereitet – Tore nämlich? Und wenn ja – warum?