Herthas Herrschaften auf der Außenbahn: Nur Masse, aber kaum Klasse?

(sto) – Spiegel online TV. Sport 1. RTL. Und Sky Sport News. Dazu ein Radioreporter vom RBB – sowie natürlich Vertreter von Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Morgenpost, Bild, BZ, Kurier und sogar Süddeutscher Zeitung. Am Schenckendorffplatz herrschte zum Start der neuen Trainingswoche ein Betrieb wie sonst allenfalls am Tag nach Punktspielen. So kommentierte denn auch Trainer Markus Babbel die Medieninvasion mit einigem Erstaunen: „Heute Auslaufen, oder was?!“

Sie waren natürlich alle seinetwegen gekommen. Aber da das Thema alle Beteiligten zunehmend langweilt, und Babbel auch nichts wirklich Neues zum Sachstand hat beitragen können oder wollen, wenden wir uns diversen, mehr oder minder spannenden Personalien zu.

Patrick Ebert: Hat, nachdem er Sonnabend nur regenerativ Fahrrad gefahren ist, heute wieder mit der Mannschaft trainiert.

Nicht so Andre Mijatovic: Der an einer Bänderdehnung im Sprunggelenk laborierende Kapitän war nicht auf dem Gelände, sondern zur Behandlung im „Da Vinci“. Babbel sagte, er „hoffe, dass Andre morgen (Mittwoch) wieder mittrainieren kann, spätestens aber Donnerstag“. Vorläufig beschäftige er sich auch nicht mit der Frage nach Alternativen für einen Einsatz Sonnabend in Hoffenheim.

Viel verpasst hat Mijatovic am Dienstag nicht. Weniger als eine Stunde dauerte das Ballgeschiebe der Profis.

Neben Ebert nahmen daran ganz regulär auch die anderen Herrschaften von der Außenbahn teil: Tunay Torun, Änis Ben-Hatira und Nikita Rukavytsya.

Mal unter uns: Verkörpern diese vier, da nun fast die komplette Hinserie gespielt ist, nicht furchtbar viel Masse, aber vergleichsweise wenig Klasse?

Nur Torun glänzte als Torschütze

Spontan verbinde ich mit Ben-Hatira die Erinnerung an 45 fulminante Minuten gegen Köln – und sonst nichts. Torun wurde an alter Wirkungsstätte in Hamburg auffällig und spielte sonst erst mal besser und mal schlechter und zuletzt so gut wie überhaupt nicht mehr. Wenig – nämlich viel Bemühen, aber wenig Ertrag – fällt mir auch zu Ebert ein und noch weniger – ein paar butterweiche Freistoßflanken – zu Rukavytsya.

Gehen wir also ins Detail. Rukavytsya kommt bislang auf neun Einsätze, davon einen über 90 Minuten (beim 1:1 in Kaiserslautern). Fünfmal wurde er ein-, dreimal wurde er ausgewechselt. Für ihn steht kein Tor und ein Assist zu Buche. Beim 3:3 gegen Leverkusen trat er den Freistoß, den Ömer Toprak per Kopf ins eigene Tor verlängerte.

Ebert: „Denkzettel“ statt Leistungsträger

Ebert wiederum stand nur in zwei der 16 Punktspiele nicht auf dem Platz, kommt also auf stattliche 14 Einsätze – von denen indes auch nur drei über volle 90 Minuten reichten (eine Ein-, zehn Auswechslungen). Gegen Stuttgart (1:0) und Augsburg (2:2) lieferte er Assists, hatte wohlwollend betrachtet also Anteil an vier Punkten für die Berliner. Tiefpunkt seiner bisherigen Saison war die Nichtberücksichtigung für den Kader gegen Wolfsburg. Als „Denkzettel“ proklamierte Babbel seinerzeit die Maßnahme.

Ben-Hatiras einzigen lichten Moment seit seiner Rückkehr nach Berlin habe ich weiter oben schon beschrieben. Für ihn steht noch kein Spiel über 90 Minuten im Hertha-Trikot; schlimmer noch: Zuletzt stand er am 22. Oktober in der Startelf.

Bleibt noch Torun, der einzige aus dem Quartett, der schon (zweimal) für Torjubel gesorgt hat. Die Älteren unter euch werden sich an seinen forschen Auftritt am 2. Spieltag in Hamburg erinnern. Und gegen Augsburg verwertete er eiskalt den Ballklau des Kollegen Lasogga zum zwischenzeitlichen 2:1. Zuletzt stand er allerdings am 7. Spieltag, Ende September also, in Bremen in der Startelf. Seitdem ist er zum Dauerreservisten mit Gelegenheitseinsätzen verkommen.

Zum besseren Verständnis: Ebert wollte – wie in jeder Saison – in dieser Saison so richtig durchstarten und sich damit für einen langfristigen Vertrag empfehlen. Vom gewünschten Status eines Leistungsträgers ist er in etwa so weit entfernt wie ich von einer Berufung zum Präsidiumsmitglied bei Hertha BSC.

. . . und welche Rolle spielt Ronny?

Um Torun wurde Hertha von vielen Klubs beneidet (Dortmund, Stuttgart, Gladbach) – inzwischen sind solche Stimmen verstummt, stattdessen herrscht Rätselraten, welches Problem der Deutsch-Türke mit sich und seiner Karriere in diesen Wochen mit sich herumschleppt.

Ben-Hatira wurde als Last-Minute-Coup des Aufsteigers dargestellt – bislang wirkt er wie ein beliebiger Abklatsch seiner Kollegen. Beinahe überraschend vermag am ehesten noch Rukavytsya mit seinem Speed und seinem feinen linken Fuß dem Spiel der Berliner so etwas wie Esprit zu verleihen – allerdings auch er viel zu selten.

Kein Zweifel: Viel Masse, wenig Klasse! Oder? Wie lautet eure Rangfolge auf der Außenbahn – und welche Rolle spielt in dem Ganzen jener junge Mann mit der Nummer „12“ auf dem Rücken, der gegen Schalke immerhin mal wieder mit neun Einsatzminuten bedachte Ronny?