Verrückte Auftritte von Hubnik und Mijatovic beim 1:1 in Kaiserslautern

(mkl) – Selten habe ich ein Stadion im Moment des Abpfiffes so ruhig erlebt wie heute den Betzenberg. Als Schiedsrichter Weiner die Partie Hertha BSC gegen den 1. FC Kaiserslautern abpfiff, wussten wohl beide Fanlager nicht so recht, wie mit dem 1:1 (1:1) umzugehen ist. Nach ein paar Sekunden entschlossen sich zumindest die Kaiserslauterer zu einem Pfeiffkonzert.

Irgendwie verständlich, hatten sie doch ein von beiden Mannschaften wirklich schwach geführtes Bundesligaspiel gesehen. Herthas Roman Hubnik hatte mit einem kuriosen Eigentor per Kopf, bei dem er an sich unbedrängt agierte, das 1:0 für Kaiserslautern erzielt. Er meinte nach der Partie: „Ich wollte vor den kurzen Pfosten klären, aber wegen Wind und Regen hat der Ball aber sehr geflattert.“ Das war wohl keine Ausrede, der Wind pfiff tatsächlich durch das Stadion. Sein Treffer, das ist jetzt schon sicher, wird dennoch ins Kuriositäten-Kabinett dieser Saison Einzug halten. Den Ausgleich erzielte Raffael (14.)

Mijatovic nach nur 37 Minuten wieder da

Verrückt auch die Entwicklung um die Innenverteidiger. Da saß Kapitän Andre Mijatovic nur auf der Bank – und kam in der 37. Minute dann doch für Maik Franz, der sich am Knie verletzte. „Das ist Fußball, ein absolut verrücktes Geschäft“, meinte Mijatovic.

Babbel ordnete das Unentschieden so ein: „Wir können mit dem Punkt gut leben. Wir haben in der ersten Hälfte den Fight nicht angenommen, auch wenn wir das umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen hatten: Dass der Gegner kein Tor schießt. Das haben wir dann übernommen. Nach dem Ausgleich dachte ich, wir sind im Spiel, aber es kamen immer wieder Phasen der Passivität.“

Die Einzelkritik.

Thomas Kraft: Herthas Torhüter war ein sicherer Rückhalt. Bei Hubniks Eigentor war er machtlos, alle anderen Bälle konnte er halten. Super Parade in der 30. Minute gegen Kouemaha, der ohne Krafts Auslaufen wohl eingeschoben hätte. Behielt auch bei den „gefühlt 200 Flanken“ (Babbel) die Übersicht. Weil Lautern aber zu unpräzise agierte, blieben ihm weitere Paraden erspart. Note 3

Christian Lell: Der Rechtsverteidiger gefiel mir in den ersten 75 Minuten richtig gut. Er machte seine Defensivarbeit ordentlich, obwohl er laut Statistik nur 47 Prozent seiner Zweikämpfe gewann. Schaltete sich gezielt in die Offensive ein. Legte in der 14. Minute mustergültig und vor allem mit viel Übersicht in den Rücken der Abwehr für Raffael auf. Erst kurz vor dem Ende schlichen sich kleine Unkonzentriertheiten ein, vielleicht war er auch einfach platt. Am Ende musste er die mangelde Defensivarbeit von Nikita Rukvytsya ausbaden, so liegt dieser Schlusss zumindest nahe. Schade, nur knapp an einer besseren Note vorbei. So insgesamt eine Note 3

Roman Hubnik: Was soll man dem einen Pechvolge des Tages nun geben? Einem vollkommen sinnfreien Eigentor ließ er ein gutes Spiel folgen. In einer Szene rettete er in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Kouemaha. Am Ende, trotz 79 Prozent gewonnener Zweikämpfe, wegen des Eigentores eine Note 4.

Maik Franz: Was tut mir dieser Mann leid! Da hat er Wochen auf seine Chance gewartet, macht ein ordentliches Spiel – und dann verdreht er sich im Rückwärtslaufen das Knie. Verdacht auf Außenbandverletzung, leider ist auch das Krezband noch nicht ganz aus dem Spiel. Eine Kernspin soll morgen oder am Montag Aufschluss geben.

Levan Kobiashvili: Der Georgier hatte in der ersten Partie massiv den defensiven Part von Nikita Rukavytsya zu leisten, er ackerte fast für zwei. Fast folgerichtig liefen sehr viele Angriffe der Lauterer über seine Seite, das ließ ihn nicht immer gut aussehen. Dagegen aber hält Kobiashvili 83 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Nicht wirklich gut sah er aus, als er Tiffert laufen lässt, nur mit Glück hat er an der Stelle nicht ein Tor verschuldet. Note 3

Andreas Ottl: Blieb seiner Linie treu, es mit einfachen, kurzen Pässen zu versuchen. Insgesamt hatten beide Sechser einen schweren Stand, was daran lag, dass die Außen (denn dies Problem traf auch Ramos) nicht ordentlich nach hinten arbeiteten. So entstand viel Druck auf der Position vor der Abwehrreihe. Aber: Ottl hatte nur 40 Ballkontakte, 40 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind auch zu wenig. Trotzdem tauchte er in eingien Situation sehr präsent auf und war mit Balleroberungen Ausgangspunkt für Angriffe. Note 3

Peter Niemeyer: Hatte mit dem gleichen Problem zu kämpfen wie Ottl, zog sich aber statistisch etwas besser aus der Affäre: Er gewann immerhin 49 Prozent seiner Zweikämpfe und hatte 50 Ballkontakte. Allerdings verlor er zu häufig den Ball. Vor allem in den ersten Minuten würgte er gleich zweimal mit einfachsten Fehlpässen Konter ab. Fing sich dann und war in der Schlussphase viel direkt über der Grasnarbe unterwegs. Hat sich also ins Spiel gekämpft, somit eine Note 3

Adrian Ramos: Der Kolumbianer startete ungewohnt auf der rechten Außenbahn. In der 18. Minute hätte er das Spiel zu gunsten von Hertha drehen können, vielleicht sogar müssen. Wie aber schon in Freiburg scheiterte er am Torwart. Mehr noch allerdings ärgerte mich die Szene danach, als ihm der Ball wieder vor die Füße fiel: Statt kontrolliert nach innen zu passen, versuchte er es mit einem Über-den-Kopf-Heber – da wäre mehr drin gewesen. Verlor in der Vorwärtsbewegung zu häufig den Ball. Note 4

Raffael: Sein Treffer zum Ausgleich war ein „typischer Raffael“: Ball erobert, ab durch die Mitte, abgelegt, den Ball zurückerhalten und abschließen – alle Stärken des Offensivstrategen vereint also. Schade nur, dass es die einzige wirklich gute Aktion von ihm blieb. Über weite Strecken war er gar nicht im Spiel. Nur sein Tor rechtfertigt eine Note 3

Nikita Rukavytsya: So sehr ich die Schnelligkeit des Australiers schätze: Das war ein schlechtes Spiel. Nach hinten arbeitete er noch weniger, als man das von ihm gewohnt ist. 36 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind einfach zu wenig. Dass für ihn nur 31 Ballkontakte zu Buche stehen, ist Ausdruck des heutigen Auftritts. Ein ganz bisschen Schwung brachte der Seitentausch mit Ramos Mitte der zweiten Hälfte. Note 5

Pierre-Michel Lasogga: Wieder ein Spiel zum Lernen für den 19-Jährigen. Statistisch gesehen lief es total an ihm vorbei: Nur 36 Ballkontakte, 23 Prozent gewonnene Zweikämpfe – das ist zu wenig für einen Stoßstürmer seines körperlichen Kalibers. Auf der anderen Seite zeigte er gutes Spielverständnis vor dem Ausgleich: Beim Pass von Raffael auf Lell stand Lasogga im Abseits, erkannte das und ließ den Ball passieren – eine gute Entscheidung. Note 4

Andre Mijatovic: Seine Geschichte war die verrückteste des Tages. Heute morgen hatte ihm Babbel erklärt, er werde auf der Bank sitzen, „weil er mal eine Pause brauche.“ Dann verletzte sich ausgerechnet Franz – und nach nur 37 Minuten stand Mijatovic dann doch wieder auf dem Platz. Und machte ein tolles Spiel, vor allem aus dieser Situation heraus. Per Kopf klärte er in unzähligen wichtigen Szenen, und auch am Boden trat er absolut souverän aus. Babbel meinte später, er sei „der Turm in der Schlacht“ gewesen. Dem kann ich mir nur anschließen, und so verrückt das klingt an diesem Tag: Mijatovic war heute Herthas Bester. Note 2