Tag zwei in Herthas heißer Trainingwoche: Diesmal wird Hubnik das Opfer von Franz

(sto) – Dieselben Teams. Aber noch weniger Platz. Und damit noch mehr Intensität. So lässt sich der Mittwoch in Herthas heißer Trainingswoche vor der Fahrt zum 1.FC Kaiserslautern zusammenfassen.

Nach der Aufwärmphase und einigen Konditionsübungen befahl Trainer Markus Babbel: „Mannschaften wie gestern.“ Dann wurden die Tore auf diesmal vielleicht 20, 25 Meter gegenübergestellt – und los ging’s. Wie schon Hertha spielt "Pulle", Raffael in Rage, Kobiashvili humpelt im Dienstagsbericht unseres Praktikanten Tobias Heimbach beschrieben, wurde auch diesmal wieder gegrätscht und gemotzt beinahe im Sekundentakt. „Richtig so“, fand das Pierre-Michel Lasogga, der auch diesmal wieder mit am lautesten seinen Frust über vermeintliche Ungerechtigkeiten hinausbrüllte.

Treten und getreten werden

Die erste nennenswerte Blessur fügte Roman Hubnik seinem Gegenspieler Änis Ben-Hatira zu. Kurze Behandlungspause, dann ging’s weiter. Später erwischte es Hubnik selbst. Nachdem Maik Franz tags zuvor schon gegen Andre Mijatovic ziemlich rüde die Sense ausgepackt hatte, war mit Hubnik diesmal der zweite Innenverteidiger dran – ein Schelm, wer Böses dabei denkt ;-). Humpelnd und mit Schmerzen im rechten Sprunggelenk brach Hubnik die Einheit vorzeitig ab. Schon unkten einige: Bis zur EM ist er wieder fit. Später vermeldete Hertha-Mannschaftsarzt Uli Schleicher: Prellung – mal abwarten, wann Hubnik wieder trainieren kann und ob sein Einsatz in Kaiserslautern womöglich wackelt. . .

Andreas Ottl entkam alldem unversehrt. Später haben der „kicker“-Kollege und ich uns mit ihm unterhalten. Natürlich auch über die Causa Babbel, in der es kein Wunder ist, dass der frühere Münchner sich für einen Verbleib des Trainers ausspricht.

Interessanter war da schon, dass Ottl sich durchaus deutlich in die Pflicht nimmt, wenn es darum geht, in den Spielen solchen Phasen entgegenzuwirken, wie wir sie nun schon öfter erlebt haben – zuletzt in Freiburg und auch gegen Leverkusen: Wenn die Ordnung verloren geht; wenn infolgedessen die Abstände und damit die Räume für den Gegner zu groß werden. Eben wenn da einer sein muss, der das Kreuz breit macht und sagt: Jetzt mal ruhig Jungs, ich hab das hier im Griff. „Ich versuche das auszustrahlen“, sagt Ottl, wissend, dass ihr da draußen ihn noch immer mehrheitlich kritisch beäugt.

Ottl und das Problem mit der Wahrnehmung von außen

Dazu sagt Ottl: „Ich kenne es nicht anders. In München war es ähnlich.“ Auch da, im Starensemble des FC Bayern, galt Ottl nicht viel. Bei Hertha ist das zumindest insofern schon mal anders, als der Mittelfeldspieler da den Rückhalt der Bosse spürt. Persönlich sei er mit seiner Hinrunde bislang „zufrieden“. Wenn andere das anders sehen, könne er „damit umgehen. Ich habe genügend Selbstbewusstsein. Ich weiß, wie hoch meine Wertschätzung bei Trainer, Mannschaft und Manager ist – das ist für mich wichtig.“

Und wenn Manager Michael Preetz nach dem Leverkusen-Spiel kritisch bemerkte, es sei dem Berliner Spiel die anfangs so gute Balance abhanden gekommen, dann stimmt Ottl dem vollauf zu. „Ja“, sagt er, das sei so und auf dem Platz auch zu spüren. „Ich versuche, dagegen zu arbeiten. Aber das ist schwierig, wenn die Innenverteidiger am eigenen Sechzehner und die Stürmer noch in der gegnerischen Hälfte stehen.“ Sein Schluss: „Wir müssen wieder mutiger verteidigen und trotzdem kompakt stehen.“

Eure Meinung ist gefragt

Jetzt ihr: Hat sich eure Sicht der Dinge auf Ottl inzwischen verändert? Er selbst sagt, dass er trotz identischer Position auf der Doppelsechs ein ganz anderer Spielertypus als Kollege Peter Niemeyer ist. Es kracht bei ihm nunmal nicht in schöner Regelmäßigkeit, seine Aufgaben wären andere, nicht immer auf den ersten Blick ersichtliche. Und welch‘ feines Füßchen er doch auch besitzt, dokumentierte er beim 1:0 gegen Leverkusen. Wo Raffaels Ablage auf Schütze Lasogga schon schön war, fand wohl nicht nur ich den vorausgehenden Vertikalball schlicht überragend.

Also: Welches Zwischenzeugnis stellt ihr Ottl nach nunmehr fast einer Halbserie aus – top Verstärkung, Mitläufer oder Fehleinkauf?