Hertha spielt "Pulle", Raffael in Rage, Kobiashvili humpelt

(ub) – Montagabend die Mitgliederversammlung unterm Funkturm, Dienstagmorgen Hertha-Training auf dem Schenkendorff-Platz – für unseren Praktikanten Tobias Heimbach jagt ein Höhepunkt den nächsten. Als Mittelfeldspieler vom SC Charlottenburg II ist ihm die Sportart vertraut, die die Profis auf dem Trainingsgelände treiben. Hier sein Bericht (Fotos: ub).

Schroffe Kälte, Sonnenschein und Raureif auf dem Platz: Als Spieler von Hertha BSC hätte man sich einen schöneren Trainingstag im Winter kaum wünschen können. Weniger schön waren die Bedingungen für die etwa 50 Zuschauer, die dem Vormittagstraining um 10 Uhr beiwohnten. Wenn man sich nicht wie die Profis bewegen konnte, war man der frostigen Novemberidylle schnell überdrüssig. Doch die Kälte war unwichtig, denn ich hatte am vorletzten Tag meines Praktikums bei der Morgenpost die verantwortungsvolle Aufgabe auf immerhertha.de über die heutige Einheit zu berichten.

Deftig wie Currywurst

Zunächst ging das Programm gemächlich los: Die Herthaner liefen sich in drei Gruppen – grün, gelb und grau – warm. Stretching, kurze Antritte und lockere Passübungen komplettierten das ganze. Die Keeper Thomas Kraft und Sascha Burchert wurden von Torwarttrainer Christian Fiedler auf Arbeitstemperatur gebracht. Maikel Aerts fehlte als einziger Herthaner wegen einer Erkältung. Danach folgte eine Viertelstunde „Pulle“ (Spiel ohne Tore), bei dem meist zwei Mannschaften gegen die verbliebene spielten. Der unspektakuläre Trainingsbeginn ließ noch einmal Zeit, um die Geschehnisse der gestrigen Mitgliederversammlung zu überdenken. Ob Ramos heute wohl mit Lasagne abklatscht, wie zu später Stunde von einem Mitglied im ICC gefordert? Wird Markus Babbel heute gar nichts zu seinen Spielern sagen, so wie er auch gestern gegenüber den Hertha-Mitgliedern stumm geblieben war? Diese Gedanken konnte man im Geiste hin- und herwälzen, während man in die vom Reif reflektierten Sonnenstrahlen blinzelte.

Doch als die Spieler die Tore zurechtstellten, zeigte die Mannschaft deutlich was sie aus der gestrigen Mitgliederversammlung mitgenommen hatte. Sie nahmen sie kein Beispiel an dem gemütlichen Hertha-Weihnachtsmann aus Schokolade, den es als Geschenk gab, sondern an den Currywürsten: Deftig und pikant ging es beim Training zu. Während eine der drei Mannschaften etwas abseits Gymnastik und Kräftigungsübungen absolvierte, ließen es die beiden anderen Teams auf kleinem Feld krachen. Gespielt wurde sieben gegen sieben mit Abseits, jede Partie dauerte 8 Minuten. Das Spielfeld war mit 30 mal 30 Metern etwa so lang wie breit. Gelbe Leibchen: Brooks, Franz, Raffael, Ronny, Lasogga und Morales. Grün: Ebert, Peredaj, Kargbo, Torun, Rukavytsya, Neumann, Lustenberger. Grau: Mijatovic, Janker, Hubnik, Niemeyer, Kobiashvili, Ottl, Lell und Ramos. Bedingt durch die Dimension des Spielfeldes war der Raum sehr eng und es kam zu vielen Zweikampfsituationen, die durchaus auch ruppig geführt wurden. Dadurch kochten die Emotionen öfters mal hoch. Sogar der sonst buddhagleiche Raffael führte sich auf wie Rumpelstilzchen, als Trainer Babbel anzeigte, der Brasilianer habe bei einem Anspiel im Abseits gestanden. Auch Patrick Eberts „Leck mich am Arsch“ dürfte fast bis zum U-Bahnhof Olympiastadion zu hören gewesen sein. Zu Recht echauffierte sich der 24-Jährige über Fanol Peredaj, der eine Flanke nicht auf den völlig freistehenden Ebert spielte.

Das körperbetonte Spiel hatte auch zur Folge, dass der Betreuer gleich mehrfach mit dem Medizinköfferchen anrückte und Spieler behandeln musste. Auch Außenverteidiger Levan Kobiashvili ging nach Trainingsende mit einem Verband um den rechten Knöchel zum Duschen. „Das ist nicht schlimm“, wiegelte er auf besorgte Nachfrage ab, „ich habe da nur einen Ball gegen bekommen.“

Vorbereitung auf den 1. FC Kaiserslautern

Die Erklärung für die ausgesprochen physische Übungseinheit lieferten die Akteure nach der Leibesertüchtigung: „Wir haben zuletzt viele Tore kassiert, das muss besser werden,“ sagte Christian Lell, „Da brauchen wir mehr Aggressivität und Feuer.“ Bleibt zu hoffen, dass die Herthaner sich auch bei den roten Teufeln am Samstag auf dem Betzenberg so feurig zeigen.