3:3 - Herthas Achterbahnfahrt gegen Leverkusen

(ub) – Es war das spektakulärste Heimspiel, das in dieser Saison im Olympiastadion geboten wurde. Beim 3:3 (2:1) gegen Bayer Leverkusen zeigte die Mannschaft von Hertha BSC auf 90 Minuten verteilt, vor 44.541 Zuschauern das gesamte Repertoire – an Stärken und Schwächen.

Thomas Kraft Bewahrte seine Mannschaft in der zweiten Hälfte mehrfach vor weiteren Gegentoren. Am Dreier-Pack von Derdiyok war der Torwart machtlos. Note 3

Christian Lell Engagiert, im Vorwärtsgang ordentlich. Lell brachte 81 Prozent seiner Pässe zum eigenen Mann. Aber Zweikämpfe sind weiterhin nicht seine Stärke, er gewann nur 41 Prozent. Note 4

Roman Hubnik Der bessere der beiden Innenverteidiger. 70 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehrfach bügelte der Tscheche Patzer von Nebenmann Mijatovic aus. Konnte beim ersten Gegentor den Pass auf Derdiyok nicht verteidigen. Note 4

Andre Mijatovic Befeuerte unfreiwillig die Diskussion nach seiner Bundesliga-Tauglichkeit. Nicht nur 41 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind zuwenig für einen Manndecker. Beim zweiten und dritten Gegentor des schnellen Derdiyok sah der Kapitän nicht gut aus. Note 5

Levan Kobiashvili Schwer zu bewerten: Der Georgier war der Zweikampfstärkste Herthaner (mit Hubnik/ 70 %). Er hatte die meisten Ballkontakte aller Herthaner. Verschoss aber mutlos den Elfmeter. Und bereitete mit einem Fehler den 2:2-Ausgleich vor. Und gab die Vorlage zum 3:3 von Lasogga Note 4

Andreas Ottl Eine der besseren Partien des defensiven Mittelfeldspielers. Hatte sichtlich Freude am Hauen und Stechen mit den ballsicheren Leverkusenern. Sein ‚vorletzter Pass‘ auf Raffael war großes Fußball-Kino, der Brasilianer legte Lasogga das 1:0 auf. Doch als Hertha nach der Pause am Schwimmen war, schwamm Ottl mit. Note 3

Peter Niemmeyer Ähnlich überzeugend wie Ottl. Gewann noch mehr Zweikämpfe als der Kollege. Musste am Ende aus taktischen Gründen Ramos Platz machen. Note 3

Patrick Ebert Defensiv solide, in der Offensive kaum zu sehen. Kaum zu glauben, aber Ebert kam auf nur 20 Ballkontakte. War nach einem Foul von Kadlec kurz vor der Halbzeit deutlich gehandicapt. Vielleicht wäre ein Wechsel zur Pause (statt nach 61 Minuten) besser gewesen. Note 4

Raffael Herthas Unverzichtbarer hat schon stärkere Spiele abgeliefert. Bereitete das 1:0 von Lasogga perfekt vor. Schleppte die Bälle, aber ihm fehlte Kumpel Ramos, um das schnelle Konterspiel aufzuziehen. Note 4

Nikita Rukavytsya Herthas Unvollständiger. Der Australier zirkelte zwei brandgefährliche Freistöße in den Bayer-Strafraum. Einer landete zum 2:0 im Netz, einer wurde (zu Unrecht) abgepfiffen. Katastrophal dagegen die Vorlage von Rukavystsya in die Strafraummitte, die das sichere 3:1 bedeutet hätte – den Ball hätte nicht mal Valeri Borsov ersprinten können. Insgesamt fehlt ihm weiter die Bindung ins Spiel Note 4

Pierre-Michel Lasogga Der Torjäger kann auch Kampfschwein. Sein erster Treffer war klassisch und ruhig. Der zweite dagegen ein Triumph des Willens, nach all’dem Aufwand, den Sieg Leverkusen partout nicht zu überlassen. Note 2

Änis Ben-Hatira Ersetzte Ebert. Arbeitete mit, hatte Pech, dass bei dem einen gefährlichen Konter, den er hatte, Bayer-Torwart Leno vor ihm am Ball war.

Fabian Lustenberger Sollte wie in der Vorwoche Stabilität für die Defensive bringen. Kam beim Stand von 2:2 in Minute 76, 180 Sekunden später fiel das 2:3. Kein Fehler des Schweizers, aber derzeit ist er nicht vom Glück verfolgt.

Adrian Ramos Half in den letzten neun Minuten, als Hertha die drohende Niederlage vor Augen hatte.