Hertha, der Nebel und der 23. November

(mkl/ub) – Entschuldigung, wo geht es hier bitte zur Mannschaft? So oder ähnlich schlug sich wohl jeder durch, der Hertha BSC heute morgen beim Training auf dem Schenkendorff-Plaz zuschauen wollte.

Besonders in der ersten halben Stunde konnte man von den Spielern von Trainer Markus Babbel vom Rand aus so gut wie gar nichts erkennen. Es war ein wenig wie beim legendären Nebel-Champions-League-Spiel gegen den FC Barcelona im Olympiastadion. Datum übrigens . . . richtig, 23. November 1999. Damals wie heute – zu sehen war wenig. Aber es gab einiges zu hören. Erst dann lüftete sich der Neben ein wenig, die Mannschaft entstieg dem November-Nass, und an der Bande entdeckte ich eine lang vermisste Person: Tätäterätä…..den Kollegen Bremer, welcome back home (Fotos: ub) ! Aber Bevor ihr denkte, der Kollege hätte den Platz betreten: Nein, bei der Person, die dort links auf dem Bild „im Nebel stochert“, handelt es sich um Pressechef Peter Bohmbach.

Ramos mit weiterer Blessur

Zu den Personalien: Roman Hubnik lief seperat, ihn plagen noch immer Rückenschermerzen. Sebastian Neumann ist noch immer krank. Auch Adrian Ramos pausierte, er hatte sich gestern Nachmittag ja noch einmal wegen seines geschundenen Gesäßes untersuchen lassen, und bei dieser Gelegenheit war ihm etwas am Oberschenkel entfernt worden, von dem derzeit nicht ganz klar ist, was es ist.“Vielleicht ein Insektenstich“, mutmasste Ramos. Er wisse es noch nicht, die Ärzte arbeiten am Befund.

Was ihn jedoch nicht davon abhielt – Achtung, große Ausnahme! – vor die versammelte Hauptstadt-Presse zu treten. Sein Vertrag bis 2015, so Ramos, sei eine feine Sache. Er wolle mit Hertha nämlich noch viel erreichen. Was er sonst noch zu sagen hatte, lest ihr – ihr ahnt es – morgen im Print. ;).

Und um die auf der Hand liegende Frage zu beantworten: Er würde gern Samstag gegen Leverkusen spielen. Das ist aber noch nicht sicher.

Wie wir festgestellt haben, ist im vorigen Blog einmal wieder das Thema Hertha, das Training, die Intensität akkut. Schauen wir also, was die Mannschaft heute im Nebel da so getrieben hat.

Im Wesentlichen gab es über weite Strecken ein Pass-Spiel in drei Mannschaften, wobei sich immer zwei Teams den Ball zupassten. Das dritte musste ihn abfangen, um sodann zu wechseln. Dann lud Konditionstrainer Henrik Kuchno zu einer – da ist das Wort – intensiven Sprinteinheit mit Lichtschranke. Immer drei Spieler rannten gegeneinander. Danach versammelte Babbel alle Spieler wieder, um abschließend Angriffe nach Balleroberung 4 gegen 2 üben zu lassen. Pressing und Befreien aus brenzligen Situationen waren die Schlagwörter. Dauer: Rund 1,5 Stunden.

Laktakt, Herzfrequenz und Sauerstoff

Wie intensiv war das nun? Das lässt sich von außen nicht beurteilen, aber blicken wir einmal etwas genereller auf die Frage: Was ist eigentlich Intensität? Wie lässt sich Intensität messen, und wie überträgt sich das auf eine Mannschaft?

Treffend schrieb @Urusla: Trainingsintensität kann man über die
“Sauerstoffschuld”, also wie lange man
z. B. im anaeroben Bereicht trainiert.
U. a. auch Stichwort Laktatwerte! Und man kann anhand es Sauerstoffverbrauchs
die Intensität in Verbindung mit der maximalen
Sauerstoffaufnahmekapazität “errechnen”! Man kann dann korrespondierend die
Herzfrequenz, als Pulsfrequenz messen
und feststellen, wieviel Menge an physischer
Kraft, die der Körper aufwenden muss, um
bestimmte Aktivitäten auszuführen… Nicht umsonst gibt es dafür Herzfrequenz-
geräte (Uhren mit Brustgurt, wie beim
Joggen, Marathon etc.), die mit steigender
Trainningsintensität einen immer höheren
Pulswert ausmachen, dann kann man noch
die individuelle “Normalisierung” des Pulses
danach messenn.

Darf ich dich über die Schwelle tragen?

Ich erlaube mir, das mal ein bisschen zu systematisieren. Grundlage für alles ist die Bestimmung der individuellen anaeroben Schwelle. Das ist der Punkt, an dem der Körper noch gerade so viel Laktat (ein Stoffwechselprodukt) abbauen kann, wie er gerade produziert. Die diesem Punkt zugewiesene Belastung ist genau die, welche der Körper über einen längeren Zeitraum eingehen kann.

Die Ermittlung dieser Schwelle kann über verschiedene Wege erfolgen: Über einen Laktakttest, bei dem von einer gemittelten Laktat-Schwelle auf den Übergang zum anaeroben Bereich geschlossen wird, einer Spiroergometrie unter Verrechnung der Atemgase oder ein Test mit linear ansteigender Belastung und Herzfrequenzmessung (Laufband, Ergometer). Bei Letzterem entspricht die Stelle, an der die Kurve nach linearem Verlauf abknickt, in etwa dem Übergang zum anaeroben Bereich. Und es gibt weitere Verfahren.

Ziel ist es immer, exakt die Herzfrequenz „x“ festzulegen, die folgende Aussage zulässt:

1) Unterhalb von x trainiere ich überwiegend im Grundlagenausdauerbereich 1 (etwa 60-70 Prozent der maximalen Herzfrequenz, z.B. ein längerer Waldlauf).

2) Überhalb von x trainiere ich überwiegend im Grundlagenbereich 2 (also 71 bis 100 Prozent). Das ist als „intensiv“ anzusehen. (Intervalle, z.B. 10×400 Meter, oder Spielformen mit Ball)

3) Strittig ist, ob es darüber noch eine Wettkampfspezifischen Ausdauerbereich (WSA) gibt, der kurze, übermaximale Belastungen zulässt (eine Sprintabfolge z.B.)….ich bin ein erklärer Anhäner dieser Sicht.

Die Quantifizierung der Intensität lässt sich dann mit folgender Frage vornehmen: Wieviel Prozent (Zeit) eines Trainings hat ein Sportler in welcher Zone verbracht?

Beispiel 1: 1 Stunde, 70% in Ga1, 25 % in Ga2, 5% in WSA. Der Spieler hat in dieser Zeit, sagen wir, 10 Kilometer zurückgelegt.

Beispiel 2: 1 Stunde, 50% in GA1, 40 % in Ga2, 10 % in WSA. Der Spieler hat in dieser Zeit vielleicht nur 9 Kilometer zurückgelegt und ist demnach langsamer gelaufen, aber er hat intensiver trainiert.

Mannschaftsvergleiche sind so gut wie unmöglich

Wie vergleicht man nun Mannschaften? Die Trainingspläne geben darüber nur bedingt Aufschluss. Klar, irgendwie hantieren alle mit ähnlichen Elementen. Aber was ein Trainer wann ansetzt, hängt stark von den Möglichkeiten, vom Alter etc. seiner Spieler ab. Und davon eben noch mehr, wie der Körper die Belastung aufnimmt.

Es gibt also nur einen Weg: Jeder Spieler müsste angeben, wie groß der zeitliche Anteil seines Trainings an den einzelnen Bereichen ist (s.o.). Aus diesen Minuten/Stunden müsste dann ein Schnitt über die gesamte Mannschaft und alle Trainings gebildet werden. Ein Vergleich könnte dann so lauten: „Im Schnitt trainiert ein Hertha Spieler 40 Minuten pro Einheit im Ga2-Bereich, bei xyz sind es nur 25“.

Heißt: Das ganze ist so gut wie unmöglich. Es sei denn, Henrik Kuchno lässt uns an seinem Wissen teilhaben.

Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als sich auf unsere Beobachtung zu verlassen. Für diejenigen, die nicht jeden Tag am Platz sein können: Immerhertha.de versorgt euch doch wohl mit genug Wissen, nicht wahr? Gibt es Details, die ihr nicht erfahrt?

Also bitte, als ob ihr Pulsuhren braucht! Die Abstimmung unten schafft ihr auch so.

P.S. Aus der Rubrik ‚Schön war die Zeit‘ die Statistik vom 23. November 1999:

Champions-League: Hertha BSC – FC Barcelona 1:1 (1:1)

Hertha BSC: Kiraly – Rehmer (72. Veit) – van Burik – Sverrisson – Konstantinidis – Schmidt – Michalke (87. Herzog) – Thom – Wosz – Preetz – Daei – Trainer: Röber

FC Barcelona: Hesp – Zenden – F. de Boer – Dehu – Reiziger – Guardiola – Cocu – Luis Enrique – R. de Boer (69. Simao) – Figo – Kluivert (72. Dani) – Trainer: van Gaal

Zuschauer: 60.530 im Olympiastadion

Tore: 0:1 Luis Enrique (13.), 1:1 Michalke (33.)