Hat Klinsmann mehr Mut als Babbel? Oder hat es ein Nationaltrainer einfacher als ein Bundesliga-Coach?

(ub) – Die Bilanz klingt noch nicht nach großer weiter Fußball-Welt: 80 Minuten Zweitliga-Erfahrung, verteilt auf drei Teilzeit-Einsätze. 52 Minuten Erstliga-Erfahrung, verteilt auf zwei Einsätze. Die komplette Profi-Erfahrung von Alfredo Morales (21) beläuft sich also auf 132 Minuten. Und die führt ihn sehr wohl in die große weite Fußball-Welt. Morales wurde von Jürgen Klinsmann eingeladen. Der US-Nationaltrainer, bekannt für ungewöhnliche Wege, bastelt an einer international wettbewerbsfähigen Nationalmannschaft, die 2014 bei der WM in Brasilien eine gute Rolle spielen soll.

Deshalb sichtet Klinsmann, übrigens Ehrenmitglied bei Hertha BSC, reihenweise Nachwuchsspieler, die amerikanische Wurzeln haben, aber zumeist in ganz anderen Ländern zuhause sind. Wie Morales. Oder John Brooks und Jerome Kiesewetter, die für einen Vorbereitungslehrgang der amerikanischen die U23 eingeladen worden sind. Die US-Sichtung findet, um die Reisewege kurz zu halten, in Duisburg statt .

Trainer – der gleiche Name für zwei verschiedene Jobs?

Womit wir beim Thema sind: Hertha und die Jungen. Ihr habt es zuletzt mehrfach angesprochen. Für Morales ist die Länderspiel-Reise eine Riesenchance, die USA spielen gegen Frankreich und Slowenien. Aber was passiert da: Ist das gerecht ? einen Jungen mit so wenig Leistungsnachweis auf diesem Niveau zu testen?

Um die Diskussion zuzuspitzen: Hat Jürgen K. mehr Mut als Markus B?

Als Verein ist es eine Auszeichnung der Nachwuchsarbeit, solche Einladungen zu erhalten.

Im unbarmherzigen Liga-Alltag setzten sich die Puzzlesteine aber anders zusammen als für einen Nationaltrainer. Welcher Bundesliga-Trainer darf heute, 2011, etwas proben, damit es im Sommer 2014 funktionieren möge? Haben Babbel und Klinsmann zwar den gleichen Titel (Trainer), aber eigentlich zwei nicht zu vergleichnede Jobs?

Ich sehe auch die Entwicklung der Jungen nicht gefährdet bei Hertha. Lasogga ist mitten im Geschäft. Zwei, auf die im Vorfeld der Saison besondere Hoffnungen gesetzt worden waren, hatten Pech. Niko Schulz, in der Zweitliga-Saison mit den meisten Einsätzen der Jungen (nach Lasogga), hat das Pfeiffersche Drüsenfieber viel Substanz gekostet. Für ihn gilt das gleiche wie für John Brooks (langwierige Achillessehnen-Probleme): Im Training rankommen und ab Janur im Winter-Trainingslager für die Rückserie angreifen.

Der weite Weg für Djuricin und Kargbo

Marco Djuricin trainiert derzeit bei der U23. Der Österreicher soll bei Karsten Heine wieder Grund unter seine Füße bekommen. Und vor allem mal länger verletzungsfrei bleiben. Dichter dran bei den Profis ist Fanol Perdedaj. Der trainiert immer bei Markus Babbel, hat aber bereits elf Regionalliga-Einsätze absolviert. Die Begründung sind die Konkurrenten vor ihm: Ottl, Niemeyer, Lustenberger. Für zwei Youngster sehe ich den Weg in die Startelf im Moment als relativ lang: Für Abu Bakarr Kargbo und Sebastian Neumann. Immerhin gehörte Neumann zu jenen, die im DFB-Pokal bei Rot-Weiss Essen (3:0) von der Rotation profitierten.

Wer meint, dass Babbel das Risiko mit den Jungen scheut: In Essen und drei Tage später in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg (3:2) hat er auf der Position, die Fehler am wenigsten verzeiht, auf den Nachwuchs gestzt: Sascha Burchert hat das Vertrauen beide Male gerechtfertigt.

Ich weiß, das Thema Jugend liegt Euch am Herzen. Eure Meinungen, bitte.