Ebert und Ben-Hatira lassen Taten sprechen

(mkl) – Es gibt so ein paar Floskeln und Wörter in der Fußballer-Sprache, die ich nicht mehr gut hören kann. „Kompakt“ ist momentan mein absolutes Lieblingswort. Toll, weil ebenso inflationär, finde ich auch: „Wir haben eine Reaktion gezeigt“.

Letzteres, eine Reaktion, kann man aber tatsächlich einmal ohne jede Übertreibung das nennen, was Patrick Ebert und Änis Ben-Hatira da eben nach dem Hertha-Training geziegt haben. Rund eine Stunde hatte Markus Babbel die Seinen intensiv auf vier Mini-Tore spielen lassen, dann war Schluss. Aber nicht für eben Ebert und Ben-Hatira, die bekanntlich kurz vor dem Wolfsburg-Spiel aus dem Kader gestrichen worden waren.

Babbel: Sonderschichten verschließen wir uns nicht

Beide legten nämlich eine Extraschicht mit Konditionstrainer Henrik Kuchno ein. Rund 15 Minuten gab es ein Krafttraining für Oberschenkel und Sprungmuskulatur, das sich sehen lassen konnte. Abwechslend sprangen die beiden aus der Hockstellung mit schweren Rohren in die Höhe, oder hüpften auf einem Bein, während das andere nach hinten-oben angegurtet war.

Nanu, fragten wir Babbel, noch eine disziplinarische Maßnahme? Nein! „Die beiden haben freiwillig Henrik Kuchno gefragt, ob sie zusätzlich etwas machen können. Dem werden wir uns natürlich nicht verschließen“, meinte Babbel.

Das Signal ist klar: Die beiden haben verstanden. Statt Worten lassen sie jetzt gleich mal Taten sprechen. Interviews geben sie ja derzeit nicht, auch keine halben Sätze zur Lage. Ich denke, es ist das absolut Beste, was sie aus der Situation machen können. So gerne ich beruflich gesehen auch ein paar Sätze vor allem mit Ebert wechseln würde…. ;).

Präzise, aber höfliche Kritik

Schon im Spiel auf vier Tore war mir Ebert aufgefallen. Er war engagiert, aber ruhig. Er lobte seine Mitspieler, und wenn er Ihnen Anweisungen gab, tat er es in einem absolut freundlichen Tonfall. Eine bemerkenswerte Szene hatte er mit Maik Franz: Der hatte es nicht geschafft, den Ball gegen sieben (!) Gegenspieler vom Tor fernzuhalten, kann ja mal passieren. Darauf Ebert: „Nimm ihn doch einfach an!“ Dann lief er auf ihn zu und schob nach: „War jetzt echt nicht böse gemeint.“

In den folgenden Minuten lobte er Franz bei jeder noch so kleinen Gelegenheit. Mag man das als Lapalie abtun, ist es für mich doch Beweis, dass Ebert (zum wievielten mal eigentlich?) versucht, die Kurve zu bekommen. Denn: Früher hätte er da schon mal lautstark gemotzt.

Zum Sinn der Aktion von Ebert und Ben-Hatira meinte Babbel: „Von der Ausdauer her braucht Ebert keine Extraschichten, da ist er fit. Aber er möchte seinen Antritt verbessern, das ist sinnvoll, da ist er noch nicht am Ende.“ Das hat mich überzeugt, ich hielt die Aktion vorher ehrlich gesagt ein bisschen für Aktionismus.

Kraft wieder da, Hubnik und Ramos fehlen

Positiv zu vermelden ist auch, dass Thomas Kraft voll mittrainierte. Seine Gehirnerschütterung sei aber noch nicht zu 100 Prozent auskuriert so Babbel. Na ja, hoffen wir, dass er sich da nicht übernimmt….ich spreche aus eigener Erfahrung an dieser Stelle.

Es fehlten Adrian Ramos (Erkältung) und Roman Hubnik (Rücken), Hubnik wird für Mittwoch im Lauftraining zurückerwartet.

Was meint ihr: Ist es richtig, dass Ebert und Ben-Hatira jetzt auf solche Aktionen drängen? Hat vor allem Ebert endlich verstanden? Oder ist es eben doch Aktionismus? Müsste Babbel einschreiten, wenn er doch weiß, dass Ebert dazu neigt, zu viel von sich selbst zu verlangen? Und was glaubt ihr – wie lang ist der Weg zurück in die Startelf? Babbel erneuerte heute seine Meinung, dass ihm beide derzeit nicht weiterhelfen könnten.