Babbel und die erfolgreiche Heavy Rotation: Hertha siegt 3:0 im Pokal in Essen

(sto) – Draußen am Mannschaftsbus atmete Michael Preetz tief durch. Ehe der Manager von Hertha BSC sich mit einem möglichen Wunschgegner im Achtelfinale des DFB-Pokals befassen wollte, „sind wir heute erst einmal froh, dass wir diese unsägliche zweite Runde überstanden haben“, sagte er. Vier Jahre des permanenten Scheiterns gegen mehr oder weniger prominente Gegner sind jetzt ad acta gelegt.

Eine „professionelle Leistung“ attestierte Peter Niemeyer sich und den Seinen. Kritischer ordnete Patrick Ebert das 3:0 bei Regionalligist RW Essen ein: „Das Ergebnis“, sagte er, „ist deutlicher, als der Spielverlauf es aussagt.“

Hergestellt wurde der Sieg von einer Mannschaft, die es in dieser Zusammenstellung so noch nie gegeben hatte. Trainer Markus Babbel hatte sich mit insgesamt sieben Neuen gegenüber dem Mainz-Spiel für Heavy Rotation entschieden. Die Einzelkritik.

Sascha Burchert: Der Nachwuchs-Keeper kam nach Meuselwitz zu seinem zweiten Pokaleinsatz in dieser Saison und machte seine Sache ausnahmslos gut. Gegen insgesamt harmlose Essener gestattete er sich keinen Wackler und war in den beiden Situationen, als es auf ihn ankam, zur Stelle: Bei einer Flanke von rechts, die im Zentrum einen dankbaren Abnehmer gefunden hätte (63.); und unmittelbar nach dem Führungstreffer bei Tokats Schuss von der Strafraumgrenze (69.). Note 2

Christoph Janker: Machte als Vertreter für Christian Lell die rechte Abwehrseite dicht, setzte aber trotz wenig defensiver Beschäftigung null Impulse nach vorn. Note 4

Roman Hubnik: Einen Gruselpass im Aufbau leistete sich der Tscheche Mitte der ersten Halbzeit, einen Torschuss setzte er nach dem Seitenwechsel weit drüber. Seine Hauptaufgabe aber, das Verhindern von Toren, erledigte er einwandfrei. Note 3

Maik Franz: Durfte nach langer Zeit mal wieder ran und lieferte – von wenigen Stockfehlern abgesehen – eine ganz routinierte Leistung. Im Stile eines „Zehners“ waren seine Zuspiele auf Torun und Lasogga, die die Offensiven aber allzu fahrig vergaben. Note 3

Sebastian Neumann: Der gelernte Innenverteidiger spielte nach Einsätzen in Herthas U23 und der deutschen U21-Nationalmannschaft nun erstmals auch bei den Profis links in der Abwehr. Erledigte das ähnlich wie rechts Janker defensiv solide, aber ohne offensive Einfälle. Note 4

Fabian Lustenberger: Weil nahezu alle Routiniers entweder gleich in Berlin geblieben waren oder auf der Bank saßen, durfte der Schweizer Hertha als Kapitän anführen. Und insbesondere im ersten Durchgang ging er vorneweg – allein, es mochte ihm kaum ein Kollege folgen. Nach der Führung konnte er sich etwas aus der Verantwortung nehmen und sein Kerngeschäft, die Ordnung in der Spielfeldmitte, konzentrieren. Note 2

Peter Niemeyer: Der Dauerläufer im Mittelfeld kehrte nach einem Spiel Pause zurück, legte die 90 Minuten aber zumeist im lockeren Trab zurück. Tat das Seine für die defensive Ordnung, aber nicht mehr. Note 4

Patrick Ebert: Abermals eine höchst dürftige Leistung des Mannes im rechten Mittelfeld. Gab nach 41 Minuten den ersten Torschuss der Berliner ab und lieferte zudem die Ecke vor Ramos‘ 1:0, aber mehr gelang ihm nicht – gegen einen Regionalligisten ist das zu wenig. Folgerichtig deshalb unmittelbar nach dem Führungstor ausgewechselt. Note 5

Tunay Torun: Der Deutsch-Türke durfte als Raffael-Vertreter in der Offensivzentrale ran – und enttäuschte in dieser Rolle selbst gegen einen Viertligisten. Vergab beinahe fahrlässig die erste sehr gute Chance nach einer knappen Viertelstunde, die für Ruhe hätte sorgen können. „Den muss Tunay machen“, kritisierte Manager Preetz. War bissiger als mancher Kollege, aber weit entfernt von gut. Note 4

Änis Ben-Hatira: Der Deutsch-Tunesier avancierte nach einer verwarnungswürdigen Grätsche zum Feindbild der RWE-Fans. Brachte insgesamt keine einzige gute Aktion zustande und war nach 45 Minuten der logische erste Anwärter auf eine Auswechslung. So kam es dann ja auch. Note 5

Pierre-Michel Lasogga: Der frühere Essener (zu B-Jugend-Zeiten) war mangels Versorgung durch die Kollegen hinter ihm 45 Minuten lang die viel zitierte „ärmste Sau auf dem Platz“. Sein Abend besserte sich mit Ramos‘ Hereinnahme aber entscheidend. Erzielte nach Ronny-Freistoß mit Glück und Willenskraft das wichtige 2:0. „Danach konnten wir es in Ruhe runterspielen“, sagte er. Note 3

Adrian Ramos: Das Führungstor erzielt, das Tor zum Endstand in Raffael-Manier vorbereitet – der Kolumbianer bewies auch unter für ihn wohl wenig erquicklichen Umständen, weshalb er die unumstrittene Nummer eins unter Herthas Offensiven ist. Note 2

Ronny: Ich gestehe, ich war skeptisch, als nach etwas mehr als einer Stunde ausgerechnet der Brasilianer zur Einwechslung an der Seitenlinie auftauchte. Es stand schließlich noch 0:0, und ich sah nicht, wie Ronny Hertha in dieser Phase des Spiels helfen sollte. Aber zum einen fiel dann noch das 1:0, zum anderen strafte Ronny mich mit einer ganz seriösen, schnörkellosen Leistung Lügen. Trat den Freistoß, der zum 2:0 führte und brachte sich unauffällig, aber leistungsfördernd in Herthas Offensive ein. Kuriosität am Rande: Der ARD-Mann sagte in der Sportschau eben: „Freistoß des eingewechselten Rooney. . .“ – schön wär’s

Nikita Rukavytsya: Auch der zuletzt etwas in Vergessenheit geratene Australo-Ukrainer durfte in der Schlussphase noch mitmachten – und dankte dieses Vertrauen mit einem erfolgreich abgeschlossenen Konter zum 3:0-Endstand.

Markus Babbel: Den Matchwinner eingewechselt, ebenso den Einfädler des 2:0 und den Schützen des 3:0, dazu insgesamt Stammkräften eine Ruhepause gegönnt und den Männern dahinter eine Perspektive aufgewiesen – es war lange nicht schön anzuschauen, aber letztlich hat der Coach an diesem Abend alles richtig gemacht! Note 1

Deniz Aytekin: Eine wohltuend sachliche Leistung des Unparteiischen in einer leicht zu leitenden Begegnung. Kleinere Ungenauigkeiten in der Zweikampfbewertung fielen für mich nicht ins Gewicht. Note 2

P.S.: Donnerstag um 10.50 Uhr fliegt die Mannschaft von Düsseldorf zurück nach Tegel, gegen 14 Uhr wird trainiert – Zuschauer sind nach meinem Wissensstand zugelassen. . .