LIVE in Essen: Pokalspiel gegen Ruhrpottamateure

(sto) – Essen – vor vielen Wochen, als ich meine Reise hierher buchte, war mir anfangs gar nicht bewusst, an welchen Ort ich am heutigen Tage zurückkehren sollte. Das Bewusstsein kam erst nach und nach in mir auf, und die Geschichte dazu geht so: Es war einmal Anfang Mai vergangenen Jahres. . .

Es begann die Eishockey-WM, und die deutsche Mannschaft eröffnete das Turnier nicht nur im Fußballstadion von Gelsenkirchen, sondern besiegte vor der (damaligen) Weltrekordkulisse von fast 78000 Zuschauern auch das Team der USA mit 2:1 nach Verlängerung. Derart vollgesogen von Eindrücken, fanden auch wir professionellen Beobachter keine Ruhe, und so ging keiner der in Essen „stationierten“ Berliner Reporter in sein Hotel, sondern wir fanden stattdessen eine dieser typischen Ruhegebietskneipen, die bei Bedarf auch bis zum frühen Morgen Bier ausschenken.

Und wir hatten Bedarf.

Vorfreude auf ein Stadion vom alten Schlag

Nun bin ich wieder in Essen garantiert nüchtern :!:, aber bereit für jede Menge neuer Eindrücke. Ich bin gespannt, was mich nachher im Georg-Melches-Stadion erwarten wird. Ich freue mich auf die Atmosphäre, die Fußballspiele im Ruhrgebiet gemeinhin verströmen; und ich ahne, dass die Liebe der Essener zu ihren Rot-Weißen eine ganz besondere sein wird.

UPDATE um 18.30 Uhr: Eine größere Ruine, die sich gerade noch so „Fußballstadion“ nennen darf, habe ich persönlich noch nicht besucht. Doch seht selbst!

Im Hintergrund entsteht das neue Stadion. Dafür gibt es nur noch drei – nein, eher zweieinhalb Tribünenseiten und drei Flutlichtmasten. Die Hertha-Fans stehen übrigens mittig auf Höhe der Gegengerade – sicherlich Premiumplätze für Gästefans

Ich könnte mit vorstellen, dass der Fußball in dieser Stadt und in diesem Stadion noch mal auf ganz andere, nämlich noch mal intensiver gelebt wird, als in den Sporttempeln zu Dortmund oder Gelsenkirchen. Apropos: Sympathisch müsste euch die RWE-Gemeinde schon mal sein. . .

Ein Polizist, der Trainer ist

Während der Fahrt hierher habe ich a) aus dem Sonderzug hinter mir vernommen, dass die Stimmung im Partywaggon 7 vorzüglich ist, man es im Wagen 9 aber ganz gut aushalten kann – und b) dieses aufschlussreiche Interview mit Waldemar Wrobel gelesen. Im Nebenberuf ist der Mann Trainer von RWE, hauptberuflich ist er als Polizist tätig. Er ist damit ebenso wenig „Profi“ wie seine Spieler.

Eine „Feierabendtruppe“ in der Regionalliga hat heutzutage gewiss Seltenheitswert. Umso höher einzuschätzen ist, was Wrobels Mannen bis hierhin geleistet haben (schönen Gruß an der Stelle nach Köpenick! ). Klar ist spätestens danach aber auch, dass es für Hertha BSC an diesem Pokalabend nur einen Ausgang geben darf: dass das Team von Trainer Markus Babbel dieses Spiel für sich entscheiden – MUSS!

Babbel lässt wohl kräftig rotieren

Damit sind wir schon beim sportlichen Teil unserer Vorausschau auf den Abend angelangt: Über die genaue Aufstellung hüllt sich die in Oberhausen im Tageshotel abgestiegene Delegation weiter in Schweigen. Klar ist nur – und damit setzt sich der Trend der Profiteams vom gestrigen Abend fort – dass Babbel sein Team gehörig rotieren lässt. Allein in der Abwehr wird es mindestens zwei Umstellungen geben: Die Routiniers Andre Mijatovic und Levan Kobiashvili, so ist zu hören, sind gar nicht erst mit in den Westen geflogen.

Je nach Ausgang des Spiels wird sich hernach trefflich darüber diskutieren lassen, warum dieses Vorgehen genau richtig („die Reservisten haben ihre Chance genutzt“) oder eben doch falsch („hätte er mal die Besten spielen lassen“) war. Ich lege mich schon im Vorfeld fest und sage: Ganz gleich, mit welchen elf Mann – wenn(!) die Einstellung stimmt, kann Hertha hier nur gewinnen.

Spannende Anfangsphase!?

Kollege Bremer, mit dem ich eben telefonierte, ist sich sowieso sicher, dass alles reibungslos glatt gehen wird. Ich bin auf die ersten 20 Minuten oder so gespannt, in denen sichtbar werden wird, ob die Jungs es mit quer-zurück-und-wieder-quer versuchen werden, oder ob sie Babbels Anweisung befolgen, die da lautet: „Wir wollen von der ersten Sekunde an klar machen, wer hier das Sagen hat.“

Gegen 17 Uhr werde ich mich auf den Weg zum Stadion machen. Von dort gibt es dann frische Infos und, sobald sie vorliegt, natürlich auch die Aufstellung einer Hertha-Elf mit Seltenheitswert.

17.30 Uhr:Auch mein türkischstämmiger Taxifahrer ist enthusiasmiert. Die B224, die direkt bis nach Gladbeck führt, ist schon eineinhalb Stunden vor Spielbeginn dicht. „Das ist sonst nie so“, ruft er mir vergnügt und doch auch etwas wehmütig zu: „Nur vor großen Spielen – also nur heute!“

Mit dem Namen Lasogga kann er übrigens sehr wohl etwas anfangen

18.15 Uhr: …uuuuund hier ist sie, die Mannschaftsaufstellung – Hertha spielt in dieser Aufstellung: Burchert – Janker, Hubnik, Franz, Neumann – Lustenberger, Niemeyer – Ebert, Ben-Hatira, Torun – Lasogga.

Bank: Kraft, Lell, Ottl, Ramos, Rukavytsya, Ronny, Morales.

Stay tuned