Warum Hertha unbedingt mit breiter Brust nach Essen reisen muss

(mkl) – Die Stimmung war gelöst am Schenckendorffplatz. Die Spieler bekamen wir zwar leider nicht wirklich zu Gesicht, Markus Babbel ließ die Seinen auf dem Fahrrad trainieren. Danach präsentierte sich der Trainer aber gut gelaunt und in ungewohntem Outfit (Jeans und Pulli) auf der Pressekonferenz. Entspannt auch die Reaktion des Trios aus eben Babbel, Manager Michael Preetz und Pressechef Peter Bohmbach auf die Frage eines Kollegen, ob man denn mal auf der anderen Seite der Stadt angerufen habe, in Köpenick. Schließlich fährt Hertha ja nun am Mittwoch zum Pokalspiel nach Essen, und eben genau dort war Zweitligist 1. FC Union in der ersten Runde ausgeschieden. Da könnte ja mal der ein oder andere Tipp herausspringen.

„Bei wem nachgefragt, bitte?“, kam es leise vom Podest, ganz so, als hätte niemand verstanden, worum es geht. Alles natürlich nicht wirklich ernst gemeint. Wohl aber Babbels mahnende Eingangsworte, bei denen er selber schon Bezug auf Union genommen hatte: „Essen hat schon eine Berliner Mannschaft rausgeworfen. Das sollte uns Warnung genug sein.“

Womit schon der ernsthafte Teil der Reise ins Ruhrgebiet beginnt. Über die Favoritenrolle müssen wir ja nicht reden, auch nicht nach den zuletzt schlechten Auftritten. Natürlich ist Hertha Favorit, und, wie Babbel betonte, „wenn wir eine professionelle Einstellung an den Tag legen, werden wir weiterkommen.“ Zugleich aber warnte der Trainer davor, die vierte Liga zu unterschätzen: „Auch da wird guter Fußball gespielt, das sehen wir gerade an unserer zweiten Mannschaft.“

Die Angst muss aus den Köpfen

Diesen Nachsatz fand ich sehr interessant, denn das Thema U23 war am Wochenende ja auch schon einmal aufgekommen hier im Blog. Warum, so lautete da die Frage, verliert Herthas zweite Mannschaft, gespickt mit (hoffentlich) bundesligareifen Profis gegen Holstein Kiel oder zuletzt eben in Halberstadt, noch dazu in diesen Höhen (0:6 bzw. 0:5)? Nun, Babbel hat die Antwort selbst geliefert: Weil eben in der Vierten Fußball gespielt wird, ganz einfach. Kein Wunder, dass alle, die mich heute auf die Partie in Essen ansprachen, das Wort „gefährlich“ benutzten. Ja, gefährlich ist das Spiel.

Und trotzdem habe ich seit heute ein gutes Gefühl. Sicher: Eine Leistung wie gegen Mainz reicht vielleicht nicht aus. Aber ich bin zufrieden mit der schnörkellosen Art, wie Babbel die Mannschaft – zumindest den Teil, den wir verfolgen können – vorbereitet. Nehmen wir das als kleinen Mutmacher und versuchen, die beiden vergangenen, trostlosen Spiele einfach mal abzuhaken. Denn: Hertha sollte, muss vielleicht sogar mit einer breiten Brust nach Essen fahren. Dieses diffuse Angstgefühl, das den Spielern irgendwie die Beine zu lähmen scheint, muss aus den Köpfen raus.

Was also macht mir Mut? Da ist zum einen Babbels deutliche Ansage von gestern. 25 Minuten Ansprache gab es in der Kabine, später sagte er uns: „Der Fan will eine Mannschaft sehen, die alles gibt. Das war gegen Mainz nicht der Fall.“ In der Kabine dürfte er noch deutlicher geworden sein. Dann stellte er heute klar, dass die Spielbeobachter Essen genauso unter die Lupe genommen hätten wie einen Bundesligisten, es werde vor der Partie so wie immer eine indiviudelle Analyse der Stärken und Schwächen geben: „Wir haben nicht die Arroganz zu sagen, da müssen wir uns nicht groß vorbereiten.“ Selbstverständlich ist das nicht, der ein oder andere Trainer nimmt es mit solchen Partien schon mal nicht so genau.

Keine Details zur Rotation

Dann sind da die 1775 Fans, die mitfahren werden – ein wirklich beachtlicher Wert an einem Mittwoch, wie ich meine. Und nicht zuletzt hoffe ich auf eine ganze Reihe an Spielern, die auf ihren Einsatz und ihre Chance in der ersten Elf brennen. Denn Babbel lässt rotieren, soviel steht fest – nur Details hat der Trainer nicht genannt. Michael Preetz meinte mit einer ziemlichen Bestimmtheit: „Wir werden das jetzt durchbrechen, dann haben wir schon mal mehr erreicht als in den letzten Jahren.“

Jetzt seit ihr dran: Was macht euch Mut? Wie schätzt ihr Rot-Weiß Essen ein, die zwar gerade gegen Lotte verloren haben, aber eine gute Partie zeigten? Oder seht ihr trotz allem schwarz und sagt: Das wird wieder nichts? Wie wichtig ist das Weiterkommen? Oder ist es euch egal, solange die Resultate in der Liga stimmen?