Kraft rettet Herthas schwacher Offensive einen Punkt gegen Mainz

(mkl) – Mit dem letzten Satz der Pressekonferenz brachte Trainer Markus Babbel wohl das Gefühl der meisten Fans zum Ausdruck: „Am Ende waren wir froh, als der Schiedsrichter abgepfiffen hat.“ Ja, wir auch. 0:0 also spielt Hertha gegen den FSV Mainz 05, und ich bin – sowohl was das Ergebnis wie auch die Art und Weise angeht – geneigt, das Wörtchen „nur“ einzufügen.

Im Spiel nach vorne mut- und ideelos, als Heimmannschaft nur 45 Prozent Ballbesitz, 8 zu 14 Torschüse und 47 Prozent gewonnene Zweikämpfe – nein, das reicht nicht für mehr. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir dieses Spiel gewinnen können. Man bekommt mit der Zeit ja ein Gefühl dafür“, räumte Babbel dann auch ein, und erklärte damit seine – aus meiner Sicht – mutlosen Wechsel. Die Einzelkritik.

Thomas Kraft: Der Torhüter war heute eindeutig Herthas bester Mann. Zwar zeigte er sich in den ersten Minuten bei dem ein oder anderen Rückspiel nicht ganz so sicher wie gewohnt, seine Paraden aber waren topp. So lag es einzig an ihm, dass Hertha nicht mit einem Rückstand in die Pause ging. Gute Übersicht in der 14. Minute, als er einen Querpass geradeso abfing, in der 41. rettete er mit einem ganz starken Reflex gegen Soto. Noch stärker seine Fußabwehr gegen Ivanschitz (58.), als er aus kürzester Distanz per Fuß klärte. Insgesamt eine starke Leistung, auch wenn er selbst hinterher sagte: „Ich fühle mich auch nicht so gut, mit der ein oder anderen Aktion bin ich nicht so zufrieden.“ Man darf sich ruhig mal feiern lassen, finde ich. Note 2

Christian Lell: In der Defensive gewohnt stabil, sieht man von der Szene ab, in der er sich im Strafraum von Ivanschitz austanzen ließ (58.). Dafür allerdings fehlte in diesem Spiel jeglicher Akzent nach vorne, obwohl er mit 15 schnellen Sprints den zweitbesten Wert bei Hertha hatte. Note 4

Roman Hubnik: Eine grundsolide Partie des Tschechen. Gutes Stellungsspiel gesellte sich zu einigen Vorstößen. War insgesamt nicht so präsent wie sein Partner in der Innenverteidigung, Andre Mijatovic. Das ist aber keine Nachteil – wer hinten nicht groß auffällt, hat sich auch keinen Fehler erlaubt. Note 3

Andre Mijatovic: Der Kapitän hatte in der ersten Viertelstunde einen schweren Stand. Erst klärte er einen Ball ins Nirvana, dann ließ er sich von Caligiuri an der Torauslinie austanzen und hatte Glück, dass Ivanschitz den Abschluss vermasselte (12.). Danach kam er aber besser ins Spiel, stand einige Male goldrichtig bei hohen Bällen. In der zweiten Hälfte half er mehrfach auf der linken Seite aus, wenn Kobiashvili noch zu weit aufgerückt war, in beiden Fällen unterband er einen gefährlichen Konter. 14 gewonnene Zweikämpfe stehen für ihn zu Buche, so viele wie für keinen anderen Herthaner. Note 3

Levan Kobiashvili: Der Georgier gefiel mir heute ziemlich gut. Er erledigte seinen Job auf der linken Seite ordentlich und schaltete sich ungewohnt oft ins Spiel nach vorne ein. So liefen speziell in der ersten Hälfte fast alle Angriffsversuche über ihn und Änis Ben-Hatira. Mit 73 Ballkontakten Bestwert bei Hertha und immerhin die viertmeisten der Begegnung. In der zweiten Hälfte musste Mijatovic zweimal für ihn aushelfen. Sein Engagement heute rechtfertigt aber eine Note 3.

Andreas Ottl: Der hier so kritisch beäugte Ottl legte eine gute Partie hin, wie ich meine. Durch das Zentrum gelangen nicht viele Bälle in Richtung Hertha-Tor, hinzu kamen einige gute Aktionen im Spiel nach vorne. So wie in der 38. Minute, als er Ben-Hatira mustergültig hinter der Abwehr freispielte, der aber leider die Flanke verzog. Mit 11 Kilometern Laufdistanz war er der zweitaktivste Herthaner (hinter Raffael), außerdem spielte mit gerade einmal 6 Fehlpässen die wenigsten Bälle zum Gegner (von den Spielern, die 90 Minuten spielten). Das ist schon ein guter Wert, immerhin hatte er 24 Pässe gespielt – nur Ebert und Kobiashvili hatten mehr. Will heißen: Kein großes Kino, aber wahrlich solide und aktiver als es von Außen ab und an scheint. Note 3

Fabian Lustenberger: Ein undankbarer Einstand für den Schweizer, der so lange auf seine Chance hatte warten müssen. Es gab viel zu klären in der Mitte des Feldes, und das machten er und Ottl recht gut. Einzig in den ersten Minuten war ihm so etwas wie Nervosität anzumerken, dann aber fing er sich. Setzte im Spiel nach vorne aber auch keine Akzente. Dann hatte er Pech, als er mit Mijatovic kollidierte. Wie der Verein bekanntgab, hat er sich eine Platzwunde zugezogen und musste in der 71. Minute durch Peter Niemeyer ersetzt werden. Note 4

Patrick Ebert: Die Zahlen sprechen eine andere Sprache als das, was auf dem Platz wirklich passierte. Mit 25 Pässen die meisten Zuspiele, die meisten schnellen Antritte (17) und immerhin zwölf gewonnene Zweikämpfe. Einzig: Es kam nichts dabei heraus, die rechte Seite lahmte. Auch, weil Ebert häufig sofort gedoppelt wurde. Seine Freistöße und Ecken brachten zumindest in der letzten Viertelstunde ein bisschen Schwung. Das war trotzdem viel zu wenig, auch wegen der meisten Fehlpässe des Spiels (18). Note 5

Raffael: Es ist wohl heute wahrlich nicht den überzogenen Ansprüchen an den Brasilianer geschuldet, auch ihm ein schwaches Spiel zu attestieren. Nur 38 Ballkontakte sprechen eine deutliche Sprache. Bis auf seinen gelungenen Sololauf in der ersten Hälfte, bei dem er drei Mainzer beschäftigte, war von ihm nichts zu sehen. Bis zur 89. Minute, als er im Strafraum an den Ball kam – und daran vorbei trat. Im zweiten Versuch traf er nun den Rücken von Bungert. Note 5

Änis Ben-Hatira: Die meisten Angriffsbemühungen in der ersten Hälfte liefen über ihn. Er zeigte sich ballsicher, konnte Zuspiele immerhin fehlerfrei annehmen. Aber was er dann daraus machte hob sich auch nicht vom Rest der Offensive ab. Letztlich fehlten auch ihm die Ideen und er verhedderte sich in den Beinen der Mainzer Defensive. Für ihn kam in der 63. Minute Tunay Torun. Note 5

Adrian Ramos: Ein Kopfball aufs Tornetz brachte der Kolumbianer in der 32. Minute immerhin zustande, sonst war von ihm nichts zu sehen. 30 Ballkontakte bis zu seiner Auswechslung in der 68. Minute, für ihn kam Lasogga. Note 5

Tunay Torun: Kam in der 63. Minute für den schwachen Änis Ben-Hatira, blieb aber blass und bewirkte auf der linken Seite nichts.

Pierre-Michel Lasogga: Kam in der 68. Minute für den schwachen Adrian Ramos. Ihm wurde das gleiche Schicksal wie Torun zuteil.

Peter Niemeyer: Kam in der 71. Minute für den verletzten Fabian Lustenberger ins Spiel und war sofort recht präsent. Er zeigte sich hinterher ziemlich überrascht von der Entscheidung des Trainers, ihn vorerst draußen zu lassen: „Ich habe es erst im Hotel erfahren“, meinte er, „eine Begründung gab es nicht.“ Die lieferte Babbel später nach: „Er hat unter der Woche zwei Tage aussetzen müssen, da wollte ich ihm eine Pause gönnen.“