Hertha rennt gegen die Uhr: Der 22-m-Sprint und der 11-m-Sprint

(ub) – @ft hat die Sonne genutzt und eine kleinen Ausflug gemacht. Hier seine Eindrücke vom Vormittagstraining:

Komme gerade zurück vom Frühtraining.
Ich habe Urlaub und wollte mir deshalb mal ne Trainingseinheit am Schenckendorfplatz gönnen. :) Also wenn man “nur” die Trainingseinheit sieht und nicht noch liest was möglicherweise in der Tagespresse steht, dann bekommt man einen völlig anderen Eindruck von der alltäglichen Arbeit bei HBSC Abt. 1 Buli . Es wird hochkonzentriert gearbeitet und da trainiert ne Mannschaft die sich versteht.
Wo keiner gegen den anderen , sondern alle miteinander an sich und dem Ergebnis arbeiten. Der Trainingsablauf kurz zusammengefaßt: gute zehn Minuten Aufwärmen und Dehnungsübungen.
Dann ne Art Teambuildingmaßnahme. In großen Gruppen mußten die Einen die anderen ziehen. Letztere mußten sich schön dagegenstemmen.
Zwischendurch n paar Einheiten Liegestütze.
Danach : Konditraining Sprungeinheiten über kleine Hürden.
Gefolgt von Sprintübungen mit Lichtschranke.
Das gin ne ganze Weile und danach wurde paarweise Slalom gelaufen.
Als der Part zu Ende war ( nach ca ner dreiviertel Stunde ) ging es auf das Nebenfeld zur Arbeit mit dem Ball.

Während MB den ersten Teil der Trainingseinheit passiv beobachtete übernahm er den zweiten Teil in Eigenregie.
Es ging vornehmlich um Kurzpaßspiel unter Druck von Gegner und Zeit.
Er unterbrach das Spiel häufig und erklärte den Spielern genau was er wollte. Nach anderthalb Stunden war das Frühtraining auf dem Platz beendet.

Zum Sprinttraining: Dabei ging es laut und emotional zu. Obwohl die Päarchen, die jeweils gesprintet sind, zumeist nicht synchron gestartet sind. Manchmal lagen zwei, drei Sekunden zwischen den Starts. Konditionstrainer Henrik Kuchnow erklärte, was los war: Jeder Spieler hatte eine Uhr am Handgelenk, die mit dem Messsystem verbunden war.

Gelaufen wurden über zwei Sprintstrecken: über 22 Meter und über 11 Meter. Jeder Profi hielt vor dem Start seine Uhr an die Lichtschranke. Konzentrierte sich und ist bis zum Ende gelaufen. Ob der Kollege zeitgleich oder etwas früher oder etwas später startete, war egal. Der Computer hat die beiden Läufer als einen Wettbewerb identifiziert. Und nach dem der zweite Spieler zu Ende gesprintet war, jeweils gerechnet. Es dauerte vielleicht vier, fünf Sekunden: Dann gab es am Handgelenk des Siegers ein nicht zu überhörendes Piepsignal. Worauf sich die einen jeweils lautstark freuten. Und die Verlierer über einen verpassten Start, die „Misttechnik“ oder andere Unpässlichkeiten lamentierten. Es war intensiv, aber der Eifer des Wettkampfes hat die Anstrengungen überdeckt.

Nach dem oben beschriebenen Kurzpaß-Spiel (ohne Tore/Fotos: ub) wurde auf eine kleines Feld Sechs-gegen-Sechs mit Torwarten gespielt. Die Tore standen keine 30 Meter auseinander. Dauer: 120 Sekunden. Ziel laut Trainer Babbel: „Ihr müsst versuchen schnell zum Abschluß zu kommen. Es darum, Tore zu machen, gierig zu sein.“

Wie bei dem kleinen Spielfeld nicht anders zu erwarten, fielen diverse Tore. Nikita Rukavytsya legte mehrere Tempoläufe auf rechten Seite und legte etwa für Adrian Ramos auf, der per Kopf traf. Auch Ronny war engagiert und wurde gleich zweimal elfmeterreif gefoult. Den ersten Strafstoß versenkte er im rechten Eck.

Den zweiten Elfmeter, hier im Bild, wurde von Ronny in die linke Ecke geschossen – und spektakulär von Torwart Sascha Burchert um den Pfosten gelenkt.

Wegen kleinerer Blessuren fehlten: Änis Ben-Hatira (Probleme mit dem Sprunggelenk/trainierte aber am Nachmittag draußen mit), Peter Niemeyer (Lendenwirbel-Probleme) und Roman Hubnik (Schlag auf den Oberschenkel). Am Nachmittag hat auch Pierre-Michel Lasogga eine Regenerationseinheit im Reha-Zentrum eingelegt. Sie werden aber morgen/Donnerstag im Training erwartet.

Die Stimmung war konzentriert, aber gut. Auch Nico Schulz tut wieder mit im Training. Neben Ronny wurde auch Alfredo Morales mehrfach abgeräumt, einmal von Raffael in Vorstopper-Marnier von hinten durch den Mann abgegrätsch (ist aber nix passiert).

Babbel lobt Rukavytsya und Morales

Mein Eindruck: Das 0:4 bei den Bayern ist abgehakt. Alle Konzentration auf Mainz. „Ich will ein gutes Spiel meiner Mannschaft sehen“, sagt Trainer Babbel. „Das war in München nicht der Fall. Gegen Mainz soll das besser werden.“ Er lobte sowohl Morales: „Er hat schon länger einen Sprung gemacht. Es hat mir wehgetan, dass ich ihn manchmal nicht in den 18er-Kader nehmen konnte. In München habe ich ihn gebracht, um zu zeigen: Du bist ganz dicht dran. Und er war einer der wenigen bei uns, der keinen Respekt vor den Lahm und Schweinsteiger und Ribery gezeigt hat.“

Zu Rukavytsya sagte Babbel, dass er ihm in der Vorwoche nicht so gefallen habe. Bekanntlich stand der Australier gegen die Bayern nichtmal im Aufgebot. „Aber mit der Reaktion von Ruka bin ich sehr einverstanden. Er zeigt sich, läßt sich nicht hängen. Das ist gut.“

Franz lobt Babbel

Langsam wird es voll im offensiven Teil des Hertha-Mittelfelds: Raffael, Ebert, Torun, Ben-Hatira, Morales, Rukavytsya, Ronny. Sieben Kandidaten für drei Positionen. Gleichzeitig hilft ein ausgeglichener Pulk, eventuelle Ausfälle auszugleichen, die im Lauf der Saison kommen werden (Sperren, Verletzungen, Formschwankungen). Der prominenteste Härtefall bei Hertha, Maik Franz, sagte, wie intern damit umgegangen wird. „Ich fände es unfair, wenn ich als Spieler, der nicht gespielt hat, mich in die Mannschaft reden würde. Der Trainer hat am vergangenen Freitag mit mir geredet. Er hat gesagt, dass er sehr wohl mitbekommt, dass ich gut trainiere. Ich soll dranbleiben. Das fand ich gut, das macht nicht jeder Trainer.“