Wiedersehensfreude und Weltuntergang auf dem Schenckendorffplatz

(sto) – „Das – Warten – hat – ein – Ende!“ Mit diesem Ausruf der gespielten Begeisterung, die Arme enthusiastisch zum Jubel in die Luft gerissen, lief Markus Babbel am Dienstagnachmittag auf uns Reporter jenseits des Schlagbaums auf dem Schenckendorffplatz zu.

Nanu?, dachten wir, die versammelten Herr- und Frauschaften von BZ, Bild, Berliner Zeitung und Morgenpost – was ist denn nun los?

Aber es war einfach nur der typische Babbel: Ironie pur! Er freue sich, uns wiederzusehen, sagte er zur Begrüßung, nachdem wir ihn – abzulesen für ihn schließlich zweifelsfrei an den Schlagzeilen der vergangenen Tage – so sehr vermisst haben mussten. Und weil es ja auch für ihn gar so schön sei mit uns, setzte der am Mittag wieder in Tagel gelandete Babbel fort, „laufe ich sofort weiter ins Büro vom Michael Preetz und unterschreibe einen unbefristeten Vertrag“.

Bitteschön, Herr Babbel, tun Sie sich nur keinen Zwang an!

Herbststurm während des Trainingsspielchens

Nach diesem fürwahr herzlichen Wiedersehen am Trainingstag eins nach dem 0:4 beim FC Bayern lieferte Babbel prompt die nächste Schlagzeile – ich spürte, wie die Kollegen vom Boulevard langsam unruhig wurden: „Weltuntergang bei Hertha“, diktierte Babbel lachend ob des Herbststurmes, der während der ersten Übungseinheit der neuen Trainingswoche über den Schenckendorffplatz gefegt war.

Doch das war ausnahmsweise kein Scherz: Ein veritabler Ast eines der umstehenden Bäume war das prominenteste Opfer der orkanartigen Winde (Fotos: sto), die unvermittelt einsetzten (und für einen spürbaren Temperatursturz sorgten). Gut, dass in dem Moment, als das Gehölz krachend darniedersauste, kein Spieler und auch kein Trainingskiebitz in der Nähe stand!

Es war fürwahr Weltuntergangsstimmung in Westend. Dabei hatte alles doch bei, na ja, nicht strahlendem Sonnenschein begonnen; aber doch bei annehmlichen klimatischen Bedingungen. Ein bisschen Streching der Spieler (Peter Niemeyer fehlte wegen Rücken, Änis Ben-Hatira wegen Knöchelbeschwerden) wurde gefolgt von einer kollektiven Häschen-hüpf-Runde um den Platz, die einen spöttischen Beobachter zu der Bemerkung hinriss, die Protagonisten übten ein letztes Mal „ihre Angsthasentaktik vom Wochenende“.

„Die haben uns aufgefressen“

Babbel, der Ex-Profi des FCB, formulierte ein letztes Mal gar zu schön, wie es kommen kann: „Wer allzu beeindruckt zu uns kam“, sagte er, „den haben wir früher schon aufgefressen. Und die Bayern von heute sind noch stärker, als wir es waren.“

Sie hätten „den Arsch vollbekommen“, jawohl, genau so und nicht anders. Und eben weil sie es „doch besser könnten“, ärgere ihn das Debakel auch so sehr, sagte Babbel. So hätten sie nun alle noch „viel zu tun, bis wir es irgendwann so gut können, wie die Bayern“.

Aber allem Übungsbedarf zum Trotz, klärte der Übungsleiter uns Anwesende trotzig auf, werde er auch „das nächste Wochenende wieder in München verbringen – weil es mir gut tut, weil es meine Erholung ist, mich mit anderen Dingen und anderen Menschen zu umgeben“. Nun ja.

Aktionismus? Nicht mit Babbel!

Was nach einer solchen Klatsche in der Trainingsarbeit im Vorfeld der Partie gegen Mainz denn nun besonders zu beachten sei, fragte ich Babbel. „Gar nix“, antwortete er kurz und knapp, und dass das auch in personeller Hinsicht Gültigkeit besitze. Heißt: Kein Aktionismus. Nicht in der Trainingsarbeit und auch nicht in Bezug auf die zu erwartende Aufstellung gegen die Nullfünfer.

Er mache, wiederholte Babbel seinen nicht unbekannten Standpunkt, seine Eindrücke „nicht von einem Spiel abhängig“. Sondern: Wer in die Mannschaft will, der muss von Woche zu Woche Gas geben; und wer es in die Mannschaft geschafft hat, der habe sich das „über Wochen erarbeitet“.

Bezugnehmend auf unsere Umfrage von gestern heißt das für mich konkret: Weder wird Fabian Lustenberger den von Fan-Seite gern und viel kritisierten Andreas Ottl verdrängen. Und schon gar nicht muss Andre Mijatovic, der Kapitän und Abwehrchef, etwa für Maik Franz weichen.

Sonderlob für Morales

Nein, sagte Babbel: Sie wollten und sie würden nun „konzentriert auf das Spiel hinarbeiten“. Nach dem Motto: Hinfallen – und wieder aufstehen! Eure Meinung zu diesem Vorgehen: Die (richtige) Politik der ruhigen Hand? Oder (kritikwürdige) Schockstarre in Zeiten der sich abzeichnenden Krise?

Ein Sonderlob immerhin hatte Babbel für Alfredo Morales übrig. Der bei den Bayern nach einer Stunde eingewechselte Youngster habe es nicht einfach „gut gemacht“, nein: „Er hat gezeigt, was ich auch von anderen sehen wollte: wenig Respekt vor den Bayern-Stars“, sagte Babbel.

Dann ging er fort von uns – wie versprochen direkt in Preetz‘ Büro? Stay tuned!