Ronny rennt, Babbel und Wormuth sprechen sich aus

(ub) – Es begann mit einem englischen Landregen. Und wuchs sich im Lauf der Übungseinheit zu einem schottischen Dauergeprassel aus. Aber die Profis von Hertha BSC liessen sich nix anmerken, eisern wurde das Training durchgezogen. Wer taktisch etwas ablesen wollte: Im mittleren Teil spielten Zehn-gegen-Zehn. Cotrainer Rainer Widmeyer unterbrach hin- und wieder, um die Marschroute klar zu machen: Erstes Übungsziel war, dass beide Teams den Raum sehr eng halten, so dass sich alle Spieler auf vielleicht 20, 25 Meter bewegten.

Zweites Ziel war, ruhig aufzubauen – und dann mit blitzschnellen Pässen auf die Außenspieler, die jeweils starteten, um in die Spitze zu sprinten, um in den Rücken der gegnerischen Abwehr zu kommen. Das dritte Ziel schließlich galt für die verteidigende Mannschaft: Nach Ballereroberung versuchen so rasch wie möglich ihrerseits in die Offensive zu kommen (Fotos: ub). Das klingt mir alles wie probate Mittel, die Hertha BSC am Samstag beim FC Bayern brauchen kann.

Ungeachtet der Witterung war Spielfreude drin. Änis Ben-Hatira brachte unverhofft einen Fallrückzieher aufs Tor. Pierre-Michel Lasogga verwertete ein Anspiel im Fünf-Meter-Raum in der Manier von Rabah Madjer vom FC Porto, der das gegen die Bayern schon mit Erfolg versucht hat.

Am Rande war einer fleißig unterwegs, der viel lieber auf dem Feld stehen würde. Ronny legte mit Konditionstrainer Henrik Kuchno eine intensive Konditionseinheit ein. Wer bei dem nun folgenden Foto der Meinung ist, es sei verwackelt, liegt falsch. Ronny ist mittlerweile dermaßen schnell unterwegs, dass selbst modernste iPhone-Technik . . . Kuchno motivierte seinen Schützling: „Komm Ronny, eine Runde, ein letztes Mal eine Schippe drauflegen“.

Nach dem Laufen kamen Medizinbälle zum Einsatz. Ronny lag auf dem Rücken, Kuchno warf ihm den Ball zu. Ronny musste mit dem Ball aufstehen, ihn mit ausgestreckten Armen hochrecken. Kuchno zurückwerfen, sich wieder hinlegen . . .

Trainer Markus Babbel erzählte später, dass der Raffael-Bruder keine Sonderschichten wegen Gewichtsproblemen schiebe. „Er ist in Shape“. Sondern Rehaeinheiten wegen seines maladen Sprunggelenkes absolviere. Der Brasilianer kann wohl ohne Schmerzen in eine Richtung laufen, aber Richtungswechsel bereiten Probleme. Babbel: „Also läuft Ronny viel geradeaus.“ Er wisse, dass das keinen Spaß mache.

Wie die Stimmung von Ronny ist? Schaut selbst.

Die Affäre „Nach-30-Minuten-vorzeitig-ausgewechselt:-Was-erlauben-U-20-Trainer-Wormuth-mit-Hertha“ ist wohl geklärt. Ihr habt im vorangegangen Blogeintrag die Kritik von Trainer Babbel zitiert. Der fand es „albern“ bei Spielern wie Fanol Perdedaj und Abu Bakarr Kargbo, die in der Ausbildung sind, in einem bedeutunglosen Spiel nach 30 Minuten ein Zeichen zu setzen. „Das find ich nicht in Ordnung.“

Im Lauf des Tages haben Babbel und U20-Trainer Frank Wormuth sich ausgesprochen. Wormuth erklärte mir, dass er die Kritik von Babbel verstehe. Das Ganze sei unglücklich gewesen, weil seine U20-Nationalmansnchaft unmittelbar nach dem Abpfiff des 4:1 gegen die Schweiz auseinander gelaufen sei. Deshalb konnte er den Spielern nix mehr erklären. „Das Spiel war trotz unser Führung am Kippen. Ich wollte neue Impulse setzen.“ Eine Offensivkraft (für den defensiven Perdedaj) bringen. Und das Experiment Kargbo als Stoßstürmer, der sonst auf den Außenbahnen spielt, beenden. „Wir hatten im Zentrum keine Anspielstation. Es tut mir leid für die Jungs, aber das gehört dazu.“ Erst im Nachhinein sei ihm aufgefallen, dass er zwei Herthaner aus- und zwei Bremer Spieler eingewechselt habe.

Was meint Ihr: Trainer Babbel hat zuletzt den einen oder anderen Bundesliga-Kollegen überrascht (Dortmund, Köln). Gelingt das gegen gegen die Bayern nochmal? Wird Ronny in dieser Halbserie bis Weihnachten noc eine Rolle spielen bei Hertha? Ist die „Wechsel-Affäre“ nun geklärt? Findet Ihr es richtig, dass Hertha, hier durch den Trainer, auch mal Kritik am DFB übt?