Warum eine Pause besser ist als zehn Stunden Flug

(mkl) – Eine massive Schrecksekunde gab es zu überstehen heute am Schenckendorffplatz: Kurz vor Ende der morgendlichen Trainingseinheit prallten Patrick Ebert und Thomas Kraft im Mini-Testspiel zusammen, und zwar mit viel Wucht. Kraft konnte sofort aufstehen, aber Ebert hielt sich sein rechtes Knie und die Hände vor das Gesicht – das ist meist ein untrügliches Zeichen, dass ein Spieler weiß: Jetzt ist etwas kaputt. Er humpelte dann zur Torauslinie, ließ sich wieder auf den Boden fallen und wurde sofort am Knie versorgt. Zwar konnte er dann weitermachen, den Platz verließ er aber mit einem Kühlungsverband. Zur Erinnerung: Im Juli 2010 hatte sich Ebert ebenfalls im rechten Knie das Kreuzband gerissen. Vorher war es etwas ruppig zur Sache gegangen, Nikita Rukavytsya musste schmerzhafte Bekanntschaft mit Maik Franz machen. Auch er konnte aber weitertrainieren.

Ansonsten hat @catro alles richtig beschrieben:

Sehr viel Ballarbeit. Geübt wurden Doppelpässe und die dazu gehörenden Laufwege…Abschluss bildete ein Miniturnier auf doppelter Strafraumgröße (5 gegen 5 mit drei Mannschaften).

So bringt diese Länderspielpause zwei Gruppen hervor: Die einen ackern und holzen in einer hohen Intensität, es sind ja nicht viele Spieler einsatzfähig. Und dann sind da einige, die die „freie“ Zeit nutzen, um wieder komplett fit zu werden. Pierre-Michel Lasogga (Knie) setzte genauso weiterhin aus wie Adrian Ramos (OP-Folgen), Ronny fehlte wegen seines Knöchels, und Christoph Janker ist schlicht krank. Zeit, die Wunden zu lecken also.

Dabei ist das zumindest bei zwei Spielern nicht wirklich selbstverständlich: bei Lasogga und Ramos. Beiden lagen Einladungen zu ihren Nationalmannschaften vor, beide sagten ab. Babbel lobte diese Entscheidung in den höchsten Tönen: „Das zeigt mir, dass sie Vollprofis sind. So gerne man für sein Land aufläuft, der Verein geht einfach vor. Es sind ja keine vorgeschobenen Verletzungen“, meinte er, und sagte in seinem unfassbar trockenen Humor noch: „Für Adrian ist es sicher besser, wenn er nicht zehn Stunden am Stück im Flugzeug sitzt…“ Wohl war nach seiner Gesäß-OP. ;).

Das Dilemma mit der Ehre

Die Diskussion um das Dilemma „Nationalmannschaft oder Klub“ ist ja nicht neu, der Streit zwischen (einigen) Vereinen und dem DFB ist bekannt. Ich muss gestehen, dass ich gar nicht so genau weiß, auf welcher Seite ich stehe. Auf der einen bin ich Romantiker: Als aktiver Wettkampfsportler kann ich mir nicht vorstellen, dass es etwas Schöneres gibt als für sein Land zu starten (ich komme nämlich nie in den Genuss ;)) Auf der anderen Seite haben die Klubs natürlich Recht, wenn sie sagen: Ihr könnt nicht unsere Leute anfordern, sie kommen verletzt wieder, aber bezahlen für alles müssen wir. Rechtlich, darüber müssen wir ja nicht reden, sind die Vereine verpflichtet, ihre Spieler herzugeben – wenn sie denn fit sind. Was schon zu kuriosen Blitz-Verletzungen geführt hat. Oder, was ich ehrlicher finde, zu offenen Absagen.

Das kann schon mal Ärger geben. Bei Hertha kennen sie das zu genüge. Erinnert sei nur an den Fall Domovchyiski, den Bulgariens Trainer Lothar Matthäus aus der Mannschaft warf, weil er eine Partie zugunsten von Hertha absagte. „Solange ich Trainer bin, macht er kein Spiel mehr“, sagte Matthäus. Doch es geht auch einvernehmlich, wie der Fall Nikita Rukavytsya zeigt. Der Australier hatte sich ebenfalls offiziell eine Auszeit erbeten, um sich mit Hertha auf den Aufstieg konzentrieren zu können. Es wurde ihm gestattet.

Gut, wenn Lasogga ausspannen lernt

Jeder Fall ist also einzeln zu betrachten. Eine generelle Formel wird sich kaum finden lassen. In diesem Fall halte ich es für absolut richtig, dass beide Spieler nicht gefahren sind. Die Verletzungen sind unstrittig, und es geht bei den beiden ja um mehr: Bislang gehörten beide zu der Fraktion der Übereifrigen, jeder auf seine Weise. Ramos ließ sich bislang in bekannter Manier der Südamerikaner (und ich meine das nicht abfällig!) keine Reise nach Kolumbien entgehen, über Lasogga wiederum heißt es oft, man müsse ihn bremsen. Vor sich selbst. Im Training wie eben auch vor einer Reise nur Nationalmannschaft mit gereiztem Knie. Insofern unterstreiche ich Babbels Aussage in diesem Fall: Ja, dieses Verhalten ist professionell.

Wie geht es euch? Mögen die genannten Fälle recht eindeutig und durch die Hertha-Brille noch viel nachvollziehbarer sein, so erinnert ihr euch bestimmt an Fälle, wo es eben nicht so war. Wie ist eure generelle Haltung zu dem Thema? Müssten die Klubs ein Machtwort sprechen? Wer verhindert solche Verletzungs-Katastrophen wie ihm Fall Robben? Oder sagt ihr: Die Klubs stehen genug im Fokus – lasst den Jungs doch die paar Spiele im Jahr auf internationalem Parkett?