Teamgeist, Herthas Schlüssel zum Erfolg

(mkl) – Das ging schnell heute auf dem Schenckendorffplatz. Gerade einmal 45 Minuten ließ Trainer Markus Babbel die Seinen üben, und wirklich kreativ waren die Aufgaben auch nicht: Einem ordentlichen Aufwärmen inkl. Athletikübungen folgte eine halbe Stunde „Acht-gegen-Drei“ – eine recht ungewöhnliche Formation, doch dem Coach blieb nichts anderes übrig: Er hatte eben exakt elf Feldspieler zur Verfügung, plus drei Torhüter natürlich, die separat trainierten. Was soll er da schon groß machen.

Warum es so leer war? Nun, zu den bekannten Abstellungen zu den Nationalmannschaften gab es noch einige angeschlagene Spieler. Pierre-Michel Lasogga (Patellasehne) etwa und Adrian Ramos (Spätfolgen seiner Gesäß-OP) hatten ihre Länderspielreisen ja bereits abgesagt, sie trainierten heute auch nicht mit. Hinzu kamen Christoph Janker (Oberschenkel), Änis Ben-Hatira und Ronny (beide Knöchel). Babbel nahm das alles sehr gelassen, fast schon mit Unverständnis reagierte er auf die Frage, ob er mit den Angeschlagenen in München wieder rechne. Und der Trainer war wirklich gut gelaunt. Heißt: Alle Spieler werden in den nächsten Tagen wieder ins Training einsteigen.

An dieser Konstellation lässt sich Fluch und Segen einer Länderspielwoche erkennen. Auf der einen Seite fehlen Leistungsträger, der Kader ist also nur bedingt trainierbar. Auf der anderen Seite geben die zwei Wochen (noch dazu nach einem Sieg) die nötige Gelassenheit, um die verbliebenen Spieler ein wenig zu schonen.

Nach der Heat-Map kommt die Fanbox

Sprechen wir also über Dinge abseits des Tagesgeschehens. Ich tue es nur ungern, denn an sich machen wir hier keine direkte Werbung für die Printausgabe der Morgenpost. Ich mache es jetzt trotzdem (duck und wech). Nachdem wir euch heute schon mit der ersten Version der Heat-Map (einer Karte, die zeigt, wo sich ein Spieler aufgehalten hat währende der Partie) für Änis Ben-Hatira beglücken konnten (und ich muss gestehen, dass mir diese Karte trotz anfänglicher Bendenken sehr gut gefällt), gibt es morgen das nächste Tool im Print: Die Fanbox. Künftig werdet ihr jeden Mittwoch eine Fanumfrage des renommierten Professors Madeja aus Nürnerg lesen. In jeder Bundesliga-Stadt befragt sein Team nach jedem Spieltag eine repräsentative Auswahl an Fans – so auch in Berlin. Morgen in der Verlosung: „Eure“ Meinung über die Arbeit von Trainer Markus Babbel sowie einige andere Erfolgsfaktoren, die ich jetzt hier natürlich nicht verrate….;) .

Einen Wert darf ich aber vorwegnehmen, weil ich ihn hervorheben möchte: 78,3 Prozent der befragten Hertha-Fans geben an, der gute Saisonstart sei aufgrund des „mannschaftlichen Kollektvis“ gelungen. Das ist damit der zweithöchste Wert der Befragung.

Niemand aus der zweiten Reihe beschwert sich

Warum ich das hervorhebe? Heute sah ich eine Mannschaft trainieren, in der mutmaßlich enttäuschte Reservisten (Lustenberger, Franz, Rukavytsya etc.) mit unglaublichem Spaß agierten. Ich sah gegen Bremen eine Mannschaft, die nur so vor Geschlossenheit strotzte. Jeder lief für seinen Mitspieler (auch wenn der gar nicht mehr da war ;)), jeder opferte sich auf. Schon im Trainingslager in Bad Waltersdorf war der Teamgeist Thema. Allerdings, daran erinnere ich mich genau, hat Babbel damals schon aufs Gaspedal getreten. Damals sagte er sinngemäß: Ja, der Teamgeist wäre sehr gut. Aber man müsse ihn wieder so hinbekommen wie im Aufstiegsjahr. Erst dann sei Hertha konkurrenzfähig. Es ist ihm wohl gelungen.

Und ich erinnere mich an eine Diskussion mit Babbel, warum er sehr lange in Gruppen trainieren ließ, die nicht der erwarteten Startelf entsprachen. Seine Antwort damals: Wenn wir Ausfälle haben, will ich, dass alle ihre Aufgaben kennen.

Ich glaube, in beiden Punkten hat der Trainerstab vieles richtig gemacht. Der Zusammenahlt erscheint mir, der den Jungs auch nur vor die Stirn schauen kann, sehr gut, vielleicht besser denn je. Da steht ein Christian Lell Patrick Ebert bei, der bei seiner Auswechslung – sagen wir es vorsichtig – „not amused“ war. Klar, auch Lell hatte „gesündigt“ mit seiner Gelb-Roten Karte. Statt seiner spielte Christoph Janker einen grundsoliden Part. Ohne sich über seine Situation zu beschweren. Ohne jetzt Ansprüche auf die Startelf zu erheben. Und das zieht sich durch den gesamten Kader, Beispiele gäbe es genug.

Jetzt seid ihr dran. Wie geht es euch – seht ihr das genauso? Ist Herthas Teamgeist derzeit wirklich auf einem Höhepunkt? Geht noch mehr? Oder vermisst ihr vielmehr die Reibungspunkte unter den Spielern, frei nach dem Motto: Ohne interne Konkurrenz geht nach außen schon gar nichts?