Herthas ultimative 100-Tage-Bundesliga-Bilanz

(ub) – Wem dieses Thema nicht gefällt, lade seinen Frust bei @apollinaris ab – der hat es aufgebracht . Dass er sich 100 Tage Zurückhaltung auferlegt, ehe er sich zur Arbeit des Trainers im besonderen und zu Hertha im Allgemeinen äußern will. Da er nach eigenen Worten bis heute/Montagabend „in der medialen Steppe“ weilt, liegt es an uns, ihn mit einem Strauß an Anmerkungen, Einschätzungen und Perspektiven zu beglücken, wenn er seinen Computer nach der Rückkehr in die Zivilisation wieder startet.

Beginnt die @apoll-Zeitrechnung mit dem Trainingsauftakt am 25. Juni, sind die 100 Tage mittlerweile erreicht. Nach einem Saison-Viertel liegt Hertha BSC mit zwölf Punkten auf Rang zehn (drei Siege, drei Unentschieden, zwei Niederlagen). Ihr habt abgestimmt. Demnach bewerten 97 Prozent das Abschneiden als „gut“, „sehr gut“ oder „exzellent“.

Um das Thema etwas zu strukturieren: Reden wir über die Zusammenstellung des Kaders. Und über die sportlich Verantwortlichen, den Trainer und den Manager.

Personalpolitik 2011/12

Zugänge: Maik Franz, Thomas Kraft, Änis Ben-Hatira, Andreas Ottl, Tunay Torun.

Abgänge: Sascha Bigalke, Valeri Domovchiyski, Lennart Hartmann, Kaka, Marco Sejna

Ausgeliehen: Daniel Beichler (SV Ried), Rob Friend (Eintracht Frankfurt), Marvin Knoll (zu Dynamo Dresden), Shervin Radjabali-Fardi (Alemannia Aachen).

Die Verantwortlichen haben in jedem Mannschaftsteil den Konkurrenzkampf angefacht. Ob im Tor, in der Abwehr, im defensiven Mittelfeld oder in der Offensive. Zudem wurde die Taktik der Bundesliga angepasst. Mit Rob Friend wurde ein Stürmer-Typ abgegeben, der Lasogga sehr ähnlich ist. Dafür wurde mit Änis Ben-Hatira ein weiterer vielseitiger Offensiver verpflichtet. Es wurde jeweils junge Spieler mit Perspektiven geholt. Die Ausnahme ist die (von manchen von Euch beklagte) Verpflichtung von Ottl, der mit 26 Jahren als gestandener Profi gekommen ist.

Im Sommer gab es hier Stimmen etwa von @westend, der Manager habe zuviel verändert. Schließlich war die Rede davon, dass die Aufstiegsmannschaft auch den Kern der Bundesliga-Team. Berechtigte Kritik? Oder liegen fünf Veränderungen auf jeder Seite im Rahmen des Normalen?

Meine Wertung: Hertha hat in jedem Bereich mehr Breite und mehr Qualität hat als in der Vorsaison. Die Aufstiegself stellt auch in der Bundesliga den Kern (Lell, Hubnik, Mijatovic, Kobiashvili, Niemeyer, Raffaael, Ebert, Ramos, Lasogga). Der Sinn der Ottl-Verpflichtung wird dann offensichtlicher werden, falls einer der defensiven Mittelfeldspieler länger ausfallen sollte. Hertha ist mit Ottl/Niemeyer/Lustenberger auf dieser Position besser aufgestellt als mindestens die Hälfte der Bundesliga-Konkurrenz.

Trainer/Manager im Blickpunkt

Da wir hier über eine Zwischenbilanz reden, sind die sportlich Verantwortlichen zusammengefasst. Weil Trainer Markus Babbel und Manager Michael Preetz sich nach außen geschlossen präsentieren. Wer an welchem Transfer wieviel Anteil hat, und wer dagegen war, Informationen die in früheren Zeiten regelmäßig an die Medien weitergereicht wurden – das gibt es nicht mehr bei Hertha. Medial präsenter ist Babbel, der Manager hält sich da zurück (eine Rollenverteilung, die indessen nix über die Machtverteilung aussagt )

Meine Wertung: Wie schon in der Vorsaison ist die Kader-Zusammenstellung eine Stärke des Duos. Mit wirtschaftlich begrenzten Mitteln wurde die Truppe mit Perspektive zusammen geholt. Dass das Trainer-Team um Babbel auch taktische Qualitäten hat, ist in der Bundesliga klarer zu erkennen, als in Liga zwei.

Perspektiven: Gespannt darf man sein, wie der Umgang mit Rückschlägen, internen Turbulenzen bis hin zu Krisen aussehen wird. Das gilt auch für das Management: Wie wird sich Hertha präsentieren, wenn der öffentliche Wind den Verantwortlichen mal kräftig ins Gesicht blasen wird?

Von wegen „ultimativer Bilanz“: Damit die auch nur annähernd vollständig wird, seid Ihr gefragt: Zuspruch, Widerspruch, Erweiterungen, Einschränkungen . . . Wieviel Punkte wird Hertha bis zur Weihnachten, also nach 17 Runden, haben?