Stirbt der Stürmer-Typ "Lasogga" aus?

(mkl) – Die Situation im Sturm mutet vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln am Samstag so ein bisschen wie Déjà-vu-Erlebnis an. Wieder steht Adrian Ramos nicht zur Verfügung. War es vor zwei Wochen noch eine schmerzhafte Zyste am Gesäß, die ihn verhinderte, ist es dieses Mal seine Sperre durch die Gelb-Rote Karte aus dem Spiel in Bremen. Wieder einmal liegen vor einem Heimspiel also die Hoffnungen auf den Schultern von Pierre-Michel Lasogga. Irgendwie ist das nur konsequent, hatte Trainer Markus Babbel ohnehin auswärts meist eher auf Ramos gesetzt – um zu Hause dem 19-Jährigen eine Chance zu geben.

Lasoggas Bilanz bisher (294 Spielminuten in sechs Partien, ein Tor, eine Vorlage) ist zwar nicht überwältigend, aber für einen jungen Spieler, der den Schritt in die höchste Spielklasse erst einmal schaffen muss, durchaus beachtlich, wie ich meine. Das zeigt sich auch an Lasoggas Stellenwert in der U21-Nationalmannschaft. Unter Trainer Rainer Adrion ist der bullige Stürmer gesetzt. Und nicht nur das, es wird stets betont, dass er bereits unter besonderer Beobachtung steht, im positiven Sinne. Heißt: Der Schritt in die A-Elf könnte für ihn beizeiten recht kurz sein.

Bullige Typen dringend gesucht

An diesem Umstand zeigt sich ein interessantes Phänomen, das bei Hertha und insgesamt auch flächendeckend zu beobachten ist: Im deutschen Nachwuchs-Fußball gibt es seit Jahren kaum noch klassische Stoßstürmer, zumindest eben nicht in einer Güteklasse, die eine schnelle Nominierung für die Nationalmannschaft rechtfertigen. Versteht mich nicht falsch: Lasogga ist ein guter Stürmer. Er hat aber (noch:)) keine Torquote wie ein Messi, er hat noch nicht den Instinkt eines Gomez, er ist nicht so schnell und quirlig wie ein Podolski. Trotzdem scheint er etwas zu verkörpern, wonach für die Nationalauswahlen händeringend gesucht wird.

Unbestritten haben die Profi-Klubs in den vergangenen zehn Jahren sehr gut ausgebildet. Das zieht sich durch fast alle Mannschaftsteile. Torhüter? Seit jeher eine deutsche Domäne. Defensivspieler? Reichlich. Profis für das offensive Mittelfeld? Derzeit wohl der beste Stand, den Deutschland seit 20 Jahren besessen hat. Nur im Sturmzentrum laufen zumeist Spieler aus aller Herren Ländern auf – was ja auch nicht schlimm ist. Die jungen Wilden, die derzeit die Schlagzeilen beherrschen, spielen aber samt und sonders auf anderen Postitionen.

Auch bei Hertha klafft ein Loch im Zentrum

Wir haben uns hier heute nur die Frage gestellt: Woran liegt das eigentlich? Warum ist dieser Trend auch bei Hertha erkennbar? Schaut man sich die Liste der Nachwuchspieler an (Burchert: Torwart. Schulz, Morales, Brooks, Neumann, Perdedaj: Abwehr bzw. Mittelfeld), fällt nur Abu Bakarr Kargbo als reiner Mittelstürmer auf. Mit 18 wartet er noch auf den großen Durchbruch. Lasogga zählt hier jetzt nicht einmal, er kam ja aus Leverkusen und ist kein Ergebnis der eigenen Jugendarbeit.

Hat die Umstellung auf andere Spielsysteme – vor allem natürlich das 4-2-3-1 – zu einer reduzierten Nachfrage an reinen Stürmern geführt, während der Bedarf an Offensiv-Allroundern gestiegen ist? Welche Erklärungen habt ihr sonst? Habt ihr sogar Gegenbeispiele, liegen wir falsch mit diesem Eindruck? Und wenn nicht: Woran liegt es, dass die deutschen Klubs auf allen Positionen Lösungen finden – nur eben nicht im Sturmzentrum?