Immerhertha lernt laufen und erlebt eine außerordentlich interessante Trainingseinheit

(sto) – Ich besuche nun ja auch immerhin schon im fünften Jahr aus beruflichen Gründen regelmäßig den Schenckendorffplatz. Aber wohl selten war eine Trainingseinheit von Hertha BSC so interessant wie diese – und das meine ich ausnahmsweise komplett ironiefrei. Die gut 60 Minuten zum Start der Übungswoche lassen sich unter das Label stellen: Problem erkannt, Problem gebannt.

So wurde kurz, aber in komprimierter Form all das trainiert, was gegen Augsburg offensichtlich ausbaufähig war: Bewegung auf dem Feld; Spieleröffnung und -verlagerung; und ausgiebig auch das Verteidigen (und zu einem geringeren Schwerpunkt auch Ausführen) von Standards.

Intensive Arbeit an den Defiziten

„Wir müssen an unseren Schwächen arbeiten“, sagte Markus Babbel hernach, und dass er diese Botschaft auch den Spielern bei seiner auffällig ausführlichen und gestenreichen Abschlussbesprechung mitgeteilt habe. „Zu bitter“ sei schlichtweg das 2:2 gegen Augsburg gewesen, „wo wir nur einen Punkt holen, obwohl wir zwei Tore schießen und die aus dem Spiel heraus zu keiner Torchance kommen.“

Doch was erzähle ich euch das alles eigentlich – lernt Immerhertha mit dem heutigen Dienstag doch das Laufen. Ladies and Gentlemen, pleeeeaase welcome: Kamerakind Lorenz!

Das Multimediatalent aus unserer Online-Redaktion wird uns von nun an regelmäßig zum Training und das eine oder andere Mal auch zu Pressekonferenzen begleiten, damit wir euch auf diese Weise noch näher an das Geschehen bei Hertha heranführen können. Wir hoffen und denken, das ist in eurem Interesse. Wenn ihr mögt: Wir sind gespannt auf euer Feedback!

Zum Auftakt gibt es gleich zwei kurze Filmchen, die das Geschehen vom Tage dokumentieren; ich werde sie einstellen, sobald sie vorliegen, denn freilich braucht das Sichten und Verarbeiten des Materials so seine Zeit. Deshalb: Stay tuned!

Bangen um Lasogga und Ramos

Wie gesagt, es war auch für geübte Beobachter eine außergewöhnlich interessante Einheit zum Zuschauen. Sie fand allerdings statt ohne Adrian Ramos, der zwar wieder gesund ist. Doch braucht die von einer wegoperierten Zyste herrührende Wunde am Po noch Zeit zum Heilen. Mit Pierre-Michel Lasogga fehlte auch der zweite etatmäßige Stoßstürmer; seine Oberschenkelverhärtung erweist sich als hartnäckiger als vermutet. Babbel fürchtet, dass beide wohl erst von Freitag(!) an wieder mit der Mannschaft trainieren können. Dann blieben nur noch zwei Tage bis zum Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten Werder Bremen. . .

Doch ehe wir im Kopf schon mal Szenarien mit Ben-Hatira oder Kargbo an vorderster Front durchspielen – befassen wir uns weiter mit der Gegenwart. Zum Warmmachen schallten vom Olympiastadion reichlich pathetisch die Klänge von Beethovens „Also sprach Zarathustra“ herüber – wohl in Vorbereitung auf den nahenden Papstbesuch.

Kein gewöhnliches Trainingsspielchen

Es folgten diverse Passübungen von zunehmender Intensität, gipfelnd wie gesagt in mal mehr, mal weniger langen Bällen zur Spieleröffnung und -verlagerung. Stichwort: Bewegung, Kreativität und der Mangel hieran. . .

Um 16.10 Uhr teilten Babbel und Co-Trainer Widmayer das Personal in zwei Mannschaften.

Team Gelb bestand mit zwei (inklusive des gesondert übenden Torwart Kraft sogar drei) Ausnahmen aus Stammspielern: Aerts, Lell, Hubnik, Mijatovic, Kobiashvili, Lustenberger, Ottl, Ebert, Torun, Kargbo.

Team Grau war die um Raffael und Niemeyer verstärkte „B-Elf“ mit Burchert, Morales, Franz, Brooks, Neumann, Ronny, Ben-Hatira und Rukavytsya.

Mijatovic und Ronny treffen

Die folgenden 25 Minuten waren nicht einfach ein Trainingsspielchen, sondern hochgradig interessant. Die Ansage von Babbel war, dass unterschiedlichste Spielsituationen je dreimal nacheinander durchgeführt werden sollten. Drei Ecken von rechts trat also Ronny, und ganz ohne vorher festgelegte Zuteilungen sollte die Defensivreihe verteidigen – sie tat es mit Erfolg.

Ein andermal brachte Ebert drei Freistöße von links in den Strafraum. Gleich den ersten köpfte Mijatovic ein, der zweite wurde von Franz geklärt – und den dritten schoss er direkt aufs kurze Eck, aber Burchert ließ sich nicht foppen.

Alle abgewehrten Bälle wurden ausgespielt. Stichwort: schnelles Umschalten, defensiv wie offensiv. Aus einer solchen Sequenz resultierte das Tor zum Endstand von 1:1 – Ronny überwand Aerts mit einem strammen Rechts(!)schuss.

Babbel schwärmt von Ottl und zitiert Immerhertha

Ihr merkt schon: Es war ’ne Menge los heute. Und weil es zurzeit ja euer Lieblingsthema ist: Warum Lustenberger anstelle von Niemeyer im vermeintlichen A-Team spielte, fragte ich Babbel – muss der gute Peter etwa ausgerechnet vor der Reise nach Bremen einen Bankplatz fürchten? Da lachte der Trainer, „nein, nein“, er wollte mit dieser Maßnahme „nur eben verhindern, dass es den Charakter von A- gegen B-Elf bekommt“.

Was Babbel in diesem Zusammenhang noch sagte und warum er etwa bei Ottl regelrecht ins Schwärmen gerät und er „nicht wirklich verstehen kann, warum er so kritisch gesehen wird“ – all das und noch einiges mehr könnt ihr oben mit eigenen Augen und Ohren sehen und hören. . .

Und wer ganz genau aufpasst, dem wird auffallen, dass Babbel allen anders lautenden Beteuerungen zum Trotz doch ab und zu mitzulesen scheint: Raffael "überragt" beim 2:1 in Dortmund Ottl in Dortmund, „das war nahe an der Note 1“ – die Formulierung kam mir doch sehr bekannt vor. . .