Schöner Rechnen mit Ramos: Geht der Blick im Frühjahr schon nach oben?

(mkl) – Wie schnell sich das Blatt doch wenden kann. Hatte der Kollege Stolpe gestern noch mit 23 Grad am Schenckendorffplatz geprahlt, gab es heute einen ersten Vorgeschmack auf den Herbst: Trotz Sonne war es zugig, kalt und irgendwie ungemütlich. Irgendwer hat da wohl wieder den Ventilator angestellt…nun, die Herren Profis dürften trotzdem nicht gefroren haben. Wie bereits am Dienstag ließen Markus Babbel und Henrik Kuchno erst einmal kräftig sprinten, auch die inzwischen (zumindest bei den Kiebitzen) beliebten Klett-Seile kamen wieder zum Einsatz. So jagten sich die Hertha-Spieler um die Wette.

Mit dem Ball ging es anschließend hochintensiv weiter, vor allem das Spiel drei gegen drei hatte es wohl in sich. Die Spieler wirkten zumindest geschafft, und am Nachmittag stand ja noch eine Einheit auf dem Programm. Aber, wie wir in Dortmund gesehen haben, es lohnt sich, an der Kondition zu arbeiten.

Kobiashvili reduziert das Pensum

Zwei Spieler waren heute nicht dabei: Levan Kobiasvili, der bereits gestern mit einer Erkältung passen musste, lief etwa eine dreiviertel Stunde im Grundlagen-Tempo, für ein Training mit der Mannschaft reichte es noch nicht. Ebenfalls erkältet, wenn nun leider aber einen Tag später, ist auch Adrian Ramos. Der Kolumbianer blieb am Vormittag im Gebäude, ob er morgen wieder einsteigen kann, ist unklar.

Ramos war gestern trotzdem präsent, namentlich in einem Interview mit der „Sportbild“. Hier die (wie ich finde) interessanteste Passage:

Frage: Wie lautet die (Zielsetzung für die Saison)? Ramos: 40 Punkte, das ist die Marke, die wir so schnell wie möglich holen wollen, dann hätten wir den Klassenerhalt geschafft, und wir könnten uns mit anderen Themen beschäftigen. Ich bin überzeugt davon, dass wir diese Dinge auch schon im Frühjahr angehen können. Frage: Die Qualifikation für die Europa League? Ramos: Wir machen jetzt erst mal langsam. Doch wir haben nicht nur die Bundesliga im Auge. Herthas Profi-Mannschaft stand in Berlin noch nie in einem DFB-Pokalfinale, sondern nur unsere Amateure 1993. Diesen Fluch wollen wir diese Saison endlich brechen.

Hertha ist in Vorlage gegangen

Das mit dem DFB-Pokal war ja nun als Ziel schon länger bekannt. Jetzt sind aber „andere Themen“ als der Klassenerhalt im Gespräch. Nein, nein, keine Sorge: Ich habe nicht vor, mich hier schon wieder an einem Interview festzubeißen….ABER Wir haben heute am Platz einmal eiskalt nachgerechnet: Unterstellen wir gegen Augsburg einfach mal den erhofften Sieg, dann hätte Hertha in etwas mehr als einem Sechstel der Spiele weit mehr als ein Viertel der Punkte geholt, die offiziell für den Klassenerhalt reichen.

Heißt: Der Klub ist in Vorlage und hat bislang (ohne den erhofften Sieg gegen Augsburg) 1,6 Punkte pro Spiel geholt, am Ende wären das gut 54 Punkte, wenn Hertha so weitermacht…ahhhh, raus aus meinem Kopf mit dem Gedanken! Das führt in die völlig falsche Richtung. Oder?

Als wir diese schon fast bahnbrechende Berechnung abgeschlossen hatten, meinte ein Kollege: „Eigentlich braucht Hertha bis Weihnachten ja jetzt nicht mehr viel machen.“ Das meinte er natürlich nicht ernst. Aber lasst uns beide Aussagen ruhig zum Anlass nehmen, um zu diskutieren, inwieweit Hertha tatsächlich schon jetzt einen Teil des offiziellen Saisonziels erreicht hat.

Ich meine: Der Start ist sehr gut gelungen, ein gutes Stück ist geschafft – aber eben nur ein Stück. Alle Experten hatten vor der Saison gewarnt, man dürfe nur nicht unten drin stecken bleiben, weil sich die Nummer dann verselbständigt. Das hat die Mannschaft eindrucksvoll abgewendet. Mit einem Sieg gegen Augsburg könnte sich das Team in der oberen Hälfte festsetzen. Ich weiß jetzt nicht, wie Ramos „Frühjahr“ definiert. Nach den Spielen gegen Stuttgart und Dortmund allerdings neige ich dazu ihm zuzustimmen: Hertha könnte diese Marke vorzeitig erreichen.

Wie rechnet ihr?

Wie sehr ihr das? Hat Ramos Recht und wir unterhalten uns hier im März über „andere Themen“? Was sind überhaupt andere Themen in diesem Zusammenhang? Sagt ihr: Schön, dass die Punkte da sind, aber wir werden noch einen Puffer brauchen – die nächste Krise kommt bestimmt?

Oder schielt ihr mit einem halben Auge doch irgendwie auf den Taschenrechner und obere Tabellenhälfte?

P.S.: Weil „Taschenrechner“ heute ein gutes Stichwort ist, hat Blogpappi @sto sich die Erstellung von zwei Umfragen zum Thema gestattet. Über den Rest reden wir nebenan, Herrschaften. . .