Rennen, schießen und ein kleiner Vorgeschmack auf Dortmund

(mkl) – Oh ja, das war ganz schön intensiv, was Trainer Markus Babbel da heute Morgen von seinen Profis verlangte. Erst hieß es für etwa eine halbe Stunde lang in zwei Gruppen sieben gegen zwei, wobei einer der sieben als Anspielstation in der Mitte fungierte – schön viel Laufarbeit also für die armen Jungs in der Mitte. Dann ließ der Trainer zehn gegen zehn (inklusive Torhüter) auf etwa einem Dreiviertel-Feld gegeneinander antreten. Die Mannschaften sahen wie folgt aus:

Gelb: Kraft, Lell, Franz, Mijatovic, Ronny, Ottl, Niemeyer, Ebert, Rukavytsya, Kargbo

Grau: Aerts, Morales, Janker, Brooks, Schulz, Lustenberger, Perdedaj, Ben-Hatira, Raffael, Ramos

Eine bunte Mischung also, die meiner Ansicht nach keine Schlussfolgerungen zulässt. Es wurde viel gelaufen, viel geackert, einzig: Ein Tor wollte nicht fallen. Das gefiel auch Babbel offenbar nicht, denn nach etwa zehn Minuten brach er das Ganze ab und hielt eine gestenreiche Ansprache (die leider nicht zu verstehen war). Aber auch danach blieben Torszenen mangelware, am Ende hieß es leistungsgerecht (ja ja, die Phrasen-Kasse, ich weiß…) 0:0.

Dann aber brachte Babbel Schwung in die Veranstaltung, in dem er auf der Größe eines halben Feldes fünf gegen fünf spielen ließ, die restlichen Spieler agierten als Anspielstationen an den Außenlinien. Und plötzlich fielen so viele Tore, dass ich irgendwannn nicht mehr mitgezählt habe.

Schließlich ließ Babbel nur noch zwei gegen zwei plus Torhüter gegeneinander antreten. Das wirkte dann ein wenig wie Rasenschach und war wohl auch so gedacht. Denn letztlich war die Hauptaufgabe für die verteidigende „Mannschaft“, den immens großen Raum geschickt zuzustellen…ein Vorgeschmack auf blitzartig umschaltende Dortmunder? Ich habe es so gesehen.

Es gab also viel zu Laufen und gleichzeitig viel Ballarbeit heute. Immer mittendrin: Änis Ben-Hatira, der nach der Einheit mit einem interessanten Bekenntnis aufwartete: „Manchmal habe ich das Gefühl: Gleich wachst du auf und musst zurück nach Hamburg fahren“, er sagte dies vor dem Hintergrund, dass er auch zu HSV-Zeiten sehr viel Zeit in seiner alten Heimat verbrachte. Beim HSV, daraus macht er keinen Hehl, ist es ihm nicht besonders gut ergangen.

Was ist sinnvoller: Viele Allrounder oder wenige Spezialisten?

Mit Blick auf die kommenden Spiele und der schon gestellten Frage, wo er eigentlich spielen soll, fällt uns auf: Derzeit rangeln bis zu zehn offensive Spieler um vier Plätze in der Offensive, bezieht man die Stürmer mit ein. Und irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, dass es wahrlich viele (zu viele?) „Allrounder“ bei Hertha gibt. Denn letztlich sind in der Offensive nur Lasogga, Ebert und Kargbo echte Spezialisten auf ihren Positionen.

Ich bin mir nicht so sicher, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite ist es sicher immer gut, wenn der Trainer viele Optionen hat. Er kann spontan reagieren, egal ob auf Taktik oder auf Verletzungen. Er hat Spieler, die nicht festgelegt sind und maulen, wenn sie auf anderen Positionen spielen sollen. Und, um so zu argumentieren muss man nicht Lucien Faver heißen :), ein bestimmte Anzahl an „polyvalenten“ Spielern ist für einen Verein wie Hertha einfacher zu finanzieren. Spezialisten sind teuer.

Auf der anderen Seite bin ich persönlich ein Fan von klaren Aufgabenteilungen. Ich bezweifele, dass jemand auf vier Positionen genauso gut sein kann wie jeweils ein Spezialist. Wohl deshalb spielen bei Top-Klubs wie Bayern sehr viele Spezialisten.

Wie seht ihr das: Ist es gut, so viele Allrounder zu haben? Würdet ihr euch mehr Spieler vom Schlage eines Lasogga wünschen, die sagen: Ich kann genau das eine, das aber dafür ziemlich gut? Oder muss Hertha tatsächlich einen Mittelweg finden, einfach, weil es das Geld nicht anders hergibt?