Babbel schwärmt von Ottl: Sicht des Trainers oder Schönfärberei?

(sto) – Nein, kein Spott und keine Häme. Schon gar keine Kampagne gegen Markus Babbel, ehe nun jemand auf diese Idee kommt. . . Aber eines war doch bemerkenswert am heutigen Mediengespräch mit dem Trainer; sehr bemerkenswert – und deshalb muss es ganz sachlich zum Thema gemacht werden (dürfen): Was und wie nämlich Babbel am Tag nach dem 1:0 gegen den VfB Stuttgart über Andreas Ottl sprach.

Weitgehende Einigkeit herrscht in dieser Runde ja, dass Ottl, nun ja, bislang noch nicht so recht hat nachweisen können, weshalb Hertha in Person von Trainer Babbel und Manager Michael Preetz sich so vehement um die Dienste des Ex-Bayern bemüht hat. Oft vernommen ist die generelle Haltung, dass die Sportliche Leitung des Aufsteigers das an Ottl gebundene Kapital besser anderweitig investiert hätte.

Null aus Vierhundertsechsunddreißig

Bezeichnend ist es da, dass Ottl – bei allem Respekt vor seiner Leistung in den 90 Minuten gegen den VfB Stuttgart – bei der Wahl der Three Stars von euch als einziger(!) Akteur nicht eine Stimme erhalten hatte (Stand: Samstag, 19 Uhr; nach 436 Abstimmungsteilnehmern).

Babbel aber kriegte sich kaum noch ein, als am Samstagvormittag der Name Ottl fiel: Der zentrale Mittelfeldspieler sorge „für Ruhe auf dem Platz“. Bemerkenswert sei seine „hohe Passqualität“, wie „ballsicher und anspielbar“ Ottl sei. Vom taktischen Geschick zu schweigen, wie Ottl im Verbund mit Niemeyer jeweils situativ entscheide, welcher der beiden sich wann nach vorn einzuschalten habe, während der andere die Kompaktheit der Defensive aufrechterhält.

Als habe das nicht schon für Stirnrunzeln bei den Journalisten gesorgt, legte Babbel noch einen obendrauf: „Andreas hatte auch gute Ideen nach vorn.“ Hm. Erlebten wir da einen Fall von „der Trainer ist deshalb der Trainer, weil er ein Fußballspiel anders zu analysieren in der Lage ist als alle anderen“? Oder stärkt da jemand einem Zugang den Rücken, von dem er weiß, dass der noch längst nicht das Optimum seiner Möglichkeiten abrufen hat können? Wie seht ihr es?

Ottl selbst zieht dieses persönliche Fazit nach vier Punktspielen: „Da ist schon noch Luft nach oben.“ Jawohl, Herr Mijatovic!

Lustenberger nicht zur Nati

Reduziert auf den Mannschaftsteil Doppelsechs – was, glaubt ihr. bedeutet die nun zweiwöchige Länderspielpause für Ottl, für Niemeyer – für Lustenberger? Der muss nicht etwa zur Schweizer Nati reisen. Stattdessen freut es Babbel, „dass wir jetzt einmal zwei Wochen intensiv mit ihm arbeiten können“. Als erste Maßnahme wurde Lustenberger zum Zwecke der Gewinnung von Spielpraxis an die U23 abkommandiert, die Sonntag (14 Uhr) bei Energie Cottbus II zu Gast ist.

Kommenden Freitag (2. September) bestreitet Hertha ein Freundschaftsspiel nahe Göttingen beim TSV Sudheim (Kreisliga). Sicher ist, dass da nicht die erste Elf, sondern in erster Linie bisherige Reservisten zum Einsatz kommen werden. Eine weitere gute Bühne für Lustenberger also?

Reicht die Zeit für den Schweizer, sich bei Babbel als unverzichtbar aufzudrängen? Oder ist der Trainer mit Blick auf den kommenden Ligagegner, Meister Dortmund und das auch noch auswärts, gut und am besten beraten, wenn er in diesem Spiel gerade auf der sensiblen Position der Doppelsechs nichts durcheinander bringt?

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Um es der Subjektivität ein wenig zu erschweren, hier ein paar Zahlen – die Arbeitsnachweise von Ottl und Niemeyer nach vier Spielen.

Andreas Ottl: 360 Einsatzminuten (100%); 265 Ballkontakte; 82,9 Prozent erfolgreiche Pässe; 54,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe.

Peter Niemeyer: 336 Einsatzminuten (93,3%); 150 Ballkontakte; 80,6 Prozent erfolgreiche Pässe; 46,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe.

In allen vier aussagekräftigen Statistik-Kategorien liegt Ottl also vor Niemeyer – und zwar derart, dass dafür nicht allein 24 Einsatzminuten mehr ursächlich sein können. Was sagt uns das?

Quo vadis, Rob Friend?

Weitere Neuigkeiten von der Personalfront: Die Kollegen von der BZ zitierten Frankfurts Trainer Armin Veh mit den bis dahin nicht vernommenen Worten: „Rob Friend wäre ein guter Spieler für uns.“Wunschkandidat war wohl Stefan Maierhofer – und überhaupt, ehe Frankfurt überhaupt jemand holt, muss erst die aktuelle Gehaltsliste entlastet werden.

Ein Abgang des Kanadiers – wohin auch immer – steht so oder so mitnichten bevor. Zumindest nach Aussagen von Manager Preetz („Gibt es Neues?“ – „Nein!“) und auch Friends Berater Andreas Kirsch uns gegenüber: „Wir hatten am Montag ein Gespräch mit Michael Preetz, da war ein Wechsel von Rob überhaupt kein Thema. Es gibt von Seiten Hertha keinerlei Anzeichen, dass sich daran noch etwas ändert. Es ist doch auch nicht logisch: Er gehört zu den Topverdienern, wer soll das denn bezahlen? Frankfurt, Duisburg, oder Augsburg? Und ich glaube nicht, dass Preetz die Hälfte des Gehaltes zahlt, nur damit er weg ist. Da wird er Rob doch lieber behalten. Das Geschäft ist so schnelllebig, Rob wird jetzt weiter versuchen, sich in die Manschaft zu spielen.“