Markus Babbel, Ronny und Stuttgart oder Wieviel darf ein Trainer über den nächsten Gegner erzählen?

(ub) – Hertha BSC empfängt am Freitag den VfB Stuttgart (20.30 Uhr, Olympiastadion). Die Pressekonferenzen vor den Bundesliga-Spielen sind obligatorisch. Damit Ihr einen Eindruck habt, was da los ist, in welche Zwänge der Trainer, hier Markus Babbel, gerät. Schalten wir mal rein in das Pressegespräche von heute.

Journalisten-Frage: Herr Babbel, haben Sie sich entschieden, ob Sie gegen Stuttgart Pierre-Michael Lasogga aufstellen?

Markus Babbel: Ja.

Frage: Teilen Sie Ihre Entscheidung mit uns?

Babbel: Nein.

Frage: Wenn Lasogga spielen sollte, steht Rob Friend dann im 18er-Kader?

Babbel: Das könnte so sein, muss aber nicht.

Frage: Ist das Spiel gegen Stuttgart ein besonderes?

Babbel: Ja. Ich habe fünf gute Jahre dort verbracht. Habe nochmal die Deutsche Meisterschaft feiern können. Ich habe dort mein Debüt als Trainer in der Bundesliga geben dürfen. Das ist ein besonderer Verein für mich, dort gibt es super Leute, die einen guten Job machen.

Frage: Ist Maik Franz nach seinem Nasenbeinbruch spielfähig?

Babbel: Da weiß die BZ mehr als ich. Maik hat heute eine Maske bekommen. Morgen werden wir sehen, ob er damit spielen kann. Dann werden wir eine Enscheidung treffen.

Frage: Was macht Sie zuversichtlich, dass Hertha ein Heimsieg gelingt?

Babbel: Wir wissen, dass es schwer wird. Da kommt eine Mannschaft, die viel Qualität hat. Die haben nach ihrem schwierigen letzten Jahr mental dazugelernt. Wir müssen über 90 Minuten alles abrufen, was wir in den Auswärtsspielen nur phasenweise abzurufen konnten: Hochkonzentriert sein, hohe Laufbereitschaft an den Tag legen. Und die Chancen eiskalt nutzen, die sich uns bieten. Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen.

Frage: Sie haben zu Wochenanfang Ronny heftig kritisiert. Gab es eine Reaktion im Training?

Babbel: Ronny hat ordentlich trainiert. Aber ich bin nicht, wie ich es lesen musste, ein „Brasilianer-Hasser“. Mananger Michael Preetz und ich sind uns völlig einig: Es ist schade, dass ein so hochkarätiger Spieler es nicht versteht, mehr zu machen. Er muss mehr auf außerhalb des Platzes achten. Wir sind beide nach wie vor zu 100 % von Ronny überzeugt. Aber er muss lernen, dass der Fußball sich geändert hat. Zu meiner Zeit wäre es noch möglich gewesen: Da hat es gereicht, wenn man nur 60 Minuten gelaufen ist. Heute geht das nicht mehr. Es machen sich so viele Leute Gedanken über Ronny. Irgendwann muss jetzt auch von ihm was kommen. Es ist einfach nur schade.

Frage: Überlegen Sie gegen Stuttgart mit zwei Stürmern aufzulaufen?

Babbel: Könnte sein, dass ich mit drei Stürmern auflaufe.

Frage: Offensivfeuerwerk?

Babbel: Absolut.

Frage: Sie überlegen ernsthaft die Startelf komplett umzustellen?

Babbel: Eigentlich haben wir immer so gespielt: Mit dreieinhalb Stürmern.

Frage: Aber Sie stellen schon noch einen Torwart auf?

Babbel: Nee, das ist kein Flachs. Torun, Ramos Ebert und dahinter Raffael, das sind für mich dreieinhalb Stürmer.

Frage: Trotzdem, sind zwei Stürmer, also Ramos und Lasogga eine Option?

Babbel: Hm, eine Option schon. Aber dann muss ich einen anderen raustun. Und wenn Sie sagen ‚zwei Stürmer‘: Wir spielen zu Hause und wollen offensiv spielen.

(Heiterkeit im Auditorium)

Babbel: Ich merk schon: Ich bin wieder gut drauf.

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So weit, so gut. Was hat der Trainer preisgegeben? Geplaudert hat er nur, wo es nicht wichtig war: Über seinen ehemaligen Arbeitgeber. Aber bei aktuellen Themen: Welche Taktik entnehmt Ihr seinen Antworten? Bleibt das Personal, wie es war? Oder hat er sich für Änderungen ausgesprochen? Wie dünkt Euch die Lage von Rob Friend? Und wie die von Ronny?

Tauschen wir die Rollen: Ihr sitzt als Trainer auf dem Podium, die Medien vor Euch. Natürich habt Ihr einen Plan für das kommenden Spiel. Den Ihr im Internet-Zeitalter aber mitnichten verraten wollt. Wie tretet Ihr bei so einem Termin auf?

P.S.1 Hertha erwartet 50.000 Zuschauer gegen Stuttgart.

P.S.2 Nein, die Namen Ottl, Niemeyer und Lustenberger sind nicht gefallen.

P.S.3 Habe die Ehre morgen/Donnerstag beim „Hertha-Echo“ eingeladen zu sein (18 – 19 Uhr). Zu hören ist die Sendung im Livestream http://www.hertha-echo.de
sowie über Antenne 88,4 oder im Kabel 92,6 MHz. Es wird unter anderem um unser Buch „Immer Hertha“ gehen, über diesen Blog – und mutmaßlich ein klein wenig um Fußball.